Ukraine-Krieg

Belgorod unter Beschuss: Russland macht Ukraine für Vampire-Raketenangriff verantwortlich

  • Erkan Pehlivan
    VonErkan Pehlivan
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Russland beschuldigt die Ukraine, Belgorod mit Vampire-Raketen angegriffen zu haben. Kiew lehnt die Verantwortung für die Angriffe allerdings ab.


Belgorod – Die russische Grenzregion Belgorod meldete erneut Beschuss durch die ukrainische Armee. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am 8. Januar, der Angriff sei jedoch vereitelt worden. Wie das Ministerium weiter erklärte, habe die russische Abwehr zehn Geschosse des tschechischen Mehrfachraketenwerfersystems RM-70 Vampire des ukrainischen Militärs zerstört. Kiew hat sich bislang nicht zu dem Angriff bekannt.

Feuerwehrleute löschen nach einem Raketenangriff auf die russische Stadt Belgorod brennende Autos.

Russland meldet Evakuierung von Zivilisten aus Belgorod

In Russland brachten die Behörden eigenen Angaben zufolge nach Angriffen aus der Ukraine rund 300 Personen aus Belgorod in Sicherheit. Die Menschen, die sich freiwillig für eine Evakuierung entschieden hätten, würden zunächst in Notunterkünften in weiter von der Grenze entfernten Bezirken untergebracht, sagte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow in einem Video im Onlinedienst Telegram. In den vergangenen 24 Stunden seien zudem 1300 Anfragen zur Evakuierung von Kindern aus Belgorod eingegangen, die „in Schullandheime außerhalb der Stadt, in anderen Regionen“ gebracht werden sollten, erklärte Gladkow.

Der Gouverneur hatte den Menschen in Belgorod, das weniger als 32 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt ist und zuletzt vermehrt von dort aus angegriffen wurde, am Freitag angeboten, sie zu evakuieren. Es handelt sich um die größte Evakuierung aus einer russischen Stadt seit Beginn des Ukraine-Kriegs vor fast zwei Jahren.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ist die Ukraine für den Angriff auf Belgorod verantwortlich?

Bei ukrainischen Angriffen auf Belgorod Ende Dezember waren 25 Menschen getötet worden. Der Angriff folgte auf massive russische Bombardierungen ukrainischer Städte, bei denen 30 Menschen getötet wurden. Der RM-70 ist in der Lage, 40 Raketen des Kalibers 122 mm in 20 Sekunden mit einer Reichweite von bis zu 20 Kilometern abzufeuern. Deswegen gibt es Zweifel, dass die Ukraine Belgorod mit dem Mehrfachraketenwerfersystem angegriffen hat. Die russische Stadt liegt mehr als zehn Kilometer weiter, als die maximale Reichweite der Raketen.

Selenskyj droht Russland mit Vergeltung

Russland hat dagegen ihre Angriffe auf die Ukraine in den vergangenen Tagen wieder intensiviert.  In den Gebieten Charkiw, Saporischschja, Chmelnyzkyj sowie in der Heimatregion des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj  Krywyj Rih waren zuletzt vier Menschen getötet und 45 weitere verletzt worden. Selenskyj will die jüngsten schweren Angriffe Russlands eigenen Angaben zufolge nicht unbeantwortet lassen. „Der Terrorstaat wird definitiv unsere Antwort spüren“, sagte der ukrainische Präsident am Montag in seiner abendlichen Videoansprache. (erpe/dpa/AFP)

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