Insa-Erhebung

CDU verfehlt in Umfrage die 30-Prozent-Marke – ein Parteikollege überholt Merz

CDU-Chef Friedrich Merz zu Gast im „Presseclub München“ (17. April 2024)
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CDU-Chef Friedrich Merz ist laut Insa-Umfrage aktuell marginal weniger beliebt unter den Deutschen als Boris Rhein (CDU).
  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Ist es nur eine Delle oder schon ein Abwärtstrend? In der jüngsten Insa-Umfrage verliert die Union mit CDU-Parteichef Friedrich Merz erstmals seit Monaten wieder.

Berlin – Laut einer neuen Umfrage gewinnen die Ampel-Parteien wieder ein bisschen an Zustimmungswerten in der Bevölkerung. Die Union aus CDU/CSU hingegen erlebt eine Trend-Umkehr und erreicht 29,5 Prozent. „Es ist das erste Mal seit zwei Monaten, dass die Union wieder unter 30 Prozent liegt“, sagte dazu Insa-Chef Hermann Binkert der Bild-Zeitung.

Im Auftrag der Bild hatte sein Meinungsforschungsinstitut die Umfrage erhoben. Die FDP liegt im Insa-„Meinungstrend“ von der ersten Juli-Woche wieder über der Fünf-Prozent-Hürde. Die Ergebnisse der Insa-Erhebung im Überblick:

  • CDU/CSU: 29,5 Prozent (-1).
  • AfD: 17,5 Prozent (+/-0).
  • SPD: 15 Prozent (+0,5).
  • Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): 8,5 Prozent (+/-0).
  • Die Grünen: 12 Prozent (+0,5)
  • FDP: 5,5 Prozent (+0,5).
  • Die Linke: 2,5 Prozent (-0,5).

Die Ampel-Parteien aus SPD, Grünen und FDP kommen damit zusammen auf 32,5 Prozent, was keine Mehrheit im Parlament wäre. Mit diesen Werten – falls Bundestagswahl wäre – sei nur eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP (47 Prozent) oder eine Große Koalition aus Union und SPD (44,5 Prozent) denkbar.

Umfrage zur Bundestagswahl: Wüst überholt Wagenknecht – Rhein zieht an Merz vorbei

Insa hat für aktuellen „Meinungstrend“ vom 28. Juni bis 01. Juli insgesamt 2006 wahlberechtigte Deutschen seine Fragen gestellt und dabei auch nach den beliebtesten deutschen Politikern gefragt. Die maximale Fehlertoleranz der Erhebung lag bei +/- 2,5 Prozent.

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023  aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an.
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin, die 1980 in Hamburg geboren wurde, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen.
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidat für die Europawahl 2024. De Masi, 1980 in Groß-Gerau geboren, ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Laut dem Bild-Bericht lag dabei – anders als in der Vorwoche – Hessen-Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) vor CDU-Chef Friedrich Merz im Beliebtheits-Ranking. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) überholte BSW-Chefin Sahra Wagenknecht und steht damit auf dem dritten Rang. Die Top Ten der beliebtesten deutschen Politiker laut Insa-Umfrage im Überblick:

  • Boris Pistorius: 51,5 Prozent
  • Markus Söder: 44,6 Prozent
  • Hendrik Wüst: 43 Prozent
  • Sahra Wagenknecht: 42,5 Prozent
  • Boris Rhein: 40,4 Prozent
  • Friedrich Merz: 39, 6 Prozent
  • Cem Özdemir: 39,1 Prozent
  • Lars Klingbeil: 39,1 Prozent
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann: 38,7 Prozent
  • Carsten Linnemann: 37,1 Prozent

Speziell Anhänger der Union würden dabei CSU-Chef Söder favorisieren, gefolgt von Merz. Unter Wählern des BSW sei Wagenknecht die beliebteste Politikerin, aber auch unter Anhängern der Linken. Tino Chrupalla (AfD) würde 30,2 Prozent erreichen und damit unter den in Deutschland beliebtesten Politikern Platz 20 belegen. (frs)