Betrugsprozess in New York

Prozess nagt an Trump: Früherer Präsident stürmt erbost aus dem Gerichtssaal 

Donald Trump erscheint am 24. Oktober 2023 in New York im Gerichtssaal zu seinem Zivilprozess wegen Betrugs vor dem Obersten Gerichtshof des Staates New York.
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Da saß er noch brav im Gerichtssaal. Einen Tag später hielt es Donald Trump bei seinem Betrugsprozess in New York aber nicht mehr dort aus.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Donald Trump steht in New York vor Gericht. Den Betrugsprozess gegen ihn verfolgt er live vor Ort – doch dann wird es ihm zu bunt.

New York – Donald Trump war richtig sauer. Sichtlich angefressen stand er plötzlich auf und stürmte wort- und grußlos aus dem Gerichtssaal. Das kam so überraschend, dass selbst die Sicherheitsleute für einen Augenblick völlig perplex waren und zunächst einmal eine Sekunde ausharrten, bevor sie ihm hinterhereilten.

Sein Verhalten war ein weiteres Indiz dafür, dass der Betrugsprozess in New York für Trump nicht allzu gut verläuft. In dem Verfahren geht es um Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, nach denen der frühere US-Präsident, seine Söhne und andere Angestellte den Wert des Familienimperiums jahrelang manipuliert haben sollen, um an günstigere Kredite und Versicherungsverträge zu kommen. Eine Gefängnisstrafe droht Trump zwar nicht, doch geschäftlich könnte ihm eine Verurteilung großen Schaden zufügen.

Donald Trump stürmt aus dem Gerichtssaal

Grund für Trumps Zorn war eine Äußerung seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen, der den zweiten Tag hintereinander als Kronzeuge in dem Betrugsprozess aussagte. Auf die Frage, ob Trump ihn gebeten habe, die Werte seiner Vermögenswerte in den Finanzunterlagen im Mittelpunkt des Zivilverfahrens zu erhöhen, konnte Cohen keine Auskunft geben. Er könne sich nicht daran erinnern, sagte er nur.

Dies nahm Trumps Anwalt Clifford Robert zum Anlass, um die Abweisung des Falles zu beantragen. Doch Richter Arthur Engoron wollte davon nichts wissen und wies den Antrag sogleich ab. Hier hatte Trump wohl endgültig genug. Gerichtsreporter Adam Klasfeld vermerkte jedenfalls auf X nüchtern, was nun weiter geschah: „Zu diesem Zeitpunkt stand Trump auf, verließ den Gerichtssaal und murmelte: ‚Unglaublich. Unglaublich‘.“ Laut NBC News kam die Aktion selbst für das Anwaltsteam unerwartet und sorgte im ganzen Gerichtssaal für Aufsehen.

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Draußen vor dem Gerichtssaal zeigte sich Trump verwundert: „Der Zeuge hat gerade zugegeben, dass wir den Prozess gewonnen haben und der Richter diesen Prozess sofort beenden sollte“, sagte er zur Presse, bevor er kurze Zeit später zusammen mit seiner Anwältin Alina Habba in den Gerichtssaal zurückkehrte. Im weiteren Verlauf des Kreuzverhörs stellte Cohen laut Bloomberg dann klar, dass Trump ihn zwar nicht konkret darum gebeten, sich aber wie ein „Mafia-Boss“ verhalten habe, um zu bekommen, was er wollte, ohne sich explizit zu äußern.

Nach verbalen Angriffen: Richter verhängt Geldstrafe gegen Trump

Ohnehin war es ein gebrauchter Tag für Trump. Während einer Pause zuvor hatte der Republikaner eine Gerichtsmitarbeiterin nämlich den versammelten Medien gegenüber als „parteiisch“ bezeichnet. Daraufhin rief ihn Richter Engoron für wenige Minuten in den Zeugenstand, bevor er schließlich eine Geldstrafe von 10.000 Dollar (etwa 9.500 Euro) gegen ihn verhängte.

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Bei seiner Aussage gab Trump an, sich in Aussagen früher am Tag nicht auf eine Gerichtsmitarbeiterin bezogen zu haben, sondern auf Cohen. Engoron hielt Trumps Angaben jedoch nicht für glaubwürdig und verhängte die Geldstrafe. Bereits zuvor hatte der Richter nach zahlreichen verbalen Entgleisungen von Trump eine Verfügung für alle Prozessbeteiligten erteilt, persönliche Angriffe auf Gerichtspersonal zu unterlassen und mit ernsthaften Konsequenzen gedroht. (cs)

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