Auch bedenkliche Umfragewerte

Biden mit nächstem bizarren Auftritt – Sorgen wegen seines Alters werden größer

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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US-Präsident Joe Biden verhaspelt sich bei einer Rede und wiederholt ganze Passagen. Experten sehen darin ein Anzeichen für mögliche kognitive Probleme.

Washington D.C. – US-Präsident Joe Bidens öffentliche Auftritte geben immer wieder Anlass zu Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. So kam es aktuell bei einer Wahlkampfveranstaltung zu einem bizarren Auftritt, der den Kritikern des 80-Jährigen in die Hände spielen dürfte.

Bei einer Rede in Manhattan am Mittwoch (20. September) wiederholte Joe Biden Aussagen über die Unruhen in Charlottesville 2017 und seine Entscheidung, 2020 für das Präsidentenamt zu kandidieren, im Abstand von Minuten und fast wortgleich, wie die New York Post berichtet.

Joe Biden mit wirrer Rede: Geschichte zweimal erzählt

Bei der Veranstaltung, die von der milliardenschweren Immobilienerbin Amy Goldman Fowler ausgerichtet wurde, erzählte der Präsident, wie er nach zwei Amtszeiten als Barack Obamas Vizepräsident den Ruhestand genoss, als „im August 2017 Charlottesville, Virginia, hinzukam“.

„Sie erinnern sich an diese Leute, die buchstäblich mit Fackeln aus den Feldern kamen, mit Nazi-Hakenkreuzen, die sie nach vorne hielten und dieselbe bösartige, antisemitische Galle sangen – genau dieselbe Galle – Galle, die in Deutschland in den frühen 30er Jahren gesungen wurde. Und eine junge Frau wurde getötet. Eine junge Frau wurde getötet.“

Biden fuhr laut einem offiziellen Protokoll des Weißen Hauses fort, dass „der ehemalige Präsident [Donald Trump] gefragt wurde: ‚Was denken Sie, würde passieren?‘ Er war der amtierende Präsident. Und er sagte: ‚Ich dachte, es gäbe einige sehr gute Leute auf beiden Seiten‘. Und ich meine das aufrichtig, aus tiefstem Herzen, da habe ich beschlossen, dass ich wieder kandidieren werde.“

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Nachdem der Präsident erzählt hatte, wie seine Familie ihn dazu drängte, Trump herauszufordern, begann er die Geschichte noch einmal zu erzählen.

„Sie erinnern sich vielleicht an die Leute aus Charlottesville, als sie aus den Feldern kamen und diese Hakenkreuze trugen, und Sie erinnern sich an die mit den Fackeln und begleitet vom Ku-Klux-Klan. Und zusätzlich dazu hatten sie – es waren weiße Rassisten. Und eine junge Frau wurde dabei getötet. Mein Vorgänger wurde, wie gesagt, gefragt, was er davon hält. Er sagte: ‚Es gibt einige sehr gute Leute auf beiden Seiten.‘ Nun, das ging mir nicht mehr aus dem Kopf.“

„Und so konnte ich, offen gesagt, nicht länger schweigen“, schloss Biden. „Also beschloss ich, zu kandidieren. Ich kandidierte, weil ich dachte, dass alles, wofür dieses Land steht, zum ersten Mal in meiner Karriere zur Disposition stand.“

Joe Biden mit gesundheitlichen Problemen?

Medizinischen Experten zufolge kann das Wiederholen von Sätzen, Phrasen und sogar ganzen Geschichten – obwohl es bei älteren Menschen häufig vorkommt – ein frühes Anzeichen von Demenz oder sogar ein Frühwarnzeichen der Alzheimer-Krankheit sein.

Biden ist bei öffentlichen Reden bereits zuvor regelmäßig ins Straucheln geraten, was von seinen Verbündeten auf ein chronisches Stottern zurückgeführt wird. Kritiker Bidens jedoch sind eher der Meinung, der Präsident sei kognitiv nicht in der Lage, eine zweite vierjährige Amtszeit zu absolvieren.

US-Präsident Joe Biden: Zu alt für eine zweite Kandidatur?

Im Juli beispielsweise starrte Biden auf die Zettel auf seinem Schoß, als er den israelischen Präsidenten Isaac Herzog im Oval Office empfing, anstatt dem Staatschef ins Gesicht zu sehen.

Im September 2022 forderte Biden bei einer Veranstaltung die Abgeordnete Jackie Walorski auf, aufzustehen. Biden wollte Walorski würdigen, wobei er offenbar vergaß, dass die Frau im Monat zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war – und dass er sogar öffentlich sein Beileid zu ihrem Tod ausgesprochen hatte.

In einem kürzlich erschienenen Buch über Joe Biden enthüllte der Autor Franklin Foer, dass der Präsident Schwierigkeiten hat, sich an die Namen von Menschen zu erinnern und insgeheim zugibt, sehr oft müde zu sein.

Joe Biden: Eine Mehrheit der US-Amerikaner hält Präsidenten für zu alt

Laut einer im August veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur AP sind 77 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass Biden zu alt ist, um effektiv zu regieren, sollte er eine zweite Amtszeit gewinnen.

In einem möglichen Rückkampf zwischen Biden und dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump, der in den Umfragen zu den Vorwahlen der Republikaner weit vorne liegt, gibt es keinen klaren Führenden. Fast die Hälfte der registrierten Wähler (46 Prozent) ist der Meinung, dass jeder andere republikanische Präsidentschaftskandidat 2024 eine bessere Wahl wäre als Biden.

Etwa drei Viertel der Amerikaner geben an, dass sie ernsthaft besorgt sind, dass Bidens Alter seine derzeitige körperliche und geistige Kompetenz und seine Fähigkeit, im Falle einer Wiederwahl eine weitere volle Amtszeit zu absolvieren, beeinträchtigen könnte. Eine kleinere Mehrheit von 68 Prozent ist ernsthaft besorgt über seine Fähigkeit, die Anliegen der nächsten Generation zu verstehen (72 Prozent der unter 65-Jährigen, aber nur 57 Prozent der über 65-Jährigen sind dieser Meinung).

Ungeachtet aller Bedenken und Umfragen hat Biden jedoch bislang nicht angedeutet, dass er auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichten will. (skr)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

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