US-Wahl 2024

Biden versagt im TV-Duell gegen Trump: Umfrage fällt verheerend aus

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Joe Biden sieht im ersten TV-Duell vor der US-Wahl 2024 alt aus. Donald Trump geht laut einer Umfrage als klarer Sieger aus der Debatte hervor.

Atlanta – Die Meinung des Publikums fiel eindeutig aus: Laut einer Blitzumfrage ging Donald Trump als klarer Sieger aus dem ersten TV-Duell vor der US-Wahl 2024 hervor. 67 Prozent hielten den Republikaner in einer Umfrage des TV-Senders CNN für den Gewinner. Nur 33 Prozent sprachen sich für Joe Biden aus.  

US-Präsident Joe Biden (Mitte) und First Lady Jill Biden verlassen die Bühne am Ende des ersten TV-Duells vor der US-Wahl 2024 gegen Donald Trump. Eine Umfrage sah Biden als klaren Verlierer.

Das Ergebnis der Umfrage mit 565 registrierten Wählerinnen und Wählern in den USA war für Joe Biden verheerend. Denn das erste TV-Duell galt vorher als eine gute Chance für den amtierenden Präsidenten, im Wahlkampf gegen Trump ordentlich zu punkten. Doch das ist ihm gründlich misslungen. So sagten auch 57 Prozent der Befragten nach dem TV-Duell, kein wirkliches Vertrauen in Bidens Fähigkeit zu besitzen, die USA in die Zukunft zu führen. Bei Trump war der Wert auch nicht gut, aber doch deutlich besser: Hier waren es nur 44 Prozent.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Umfrage sieht klaren Sieger im TV-Duell zwischen Trump und Biden

Biden ging in der Tat schwer angeschlagen aus dem TV-Duell gegen Trump. Der US-Präsident selbst zog zwar ein positives Fazit: „Wir haben uns wohl gut geschlagen“, sagte er zur Presse, als er nach der Debatte ein Waffel-Restaurant in Atlanta im Bundesstaat Georgia besuchte. Doch mit dieser Meinung stand er so ziemlich alleine da. Bei den Demokraten ist nach Bidens Auftritt beim TV-Duell jedenfalls Panik ausgebrochen.

So schrieb die Washington Post, Bidens Wahlkampfteam habe intern eingeräumt, dass der US-Präsident auf der TV-Bühne zu kämpfen hatte und sein Auftritt seine Kandidatur beschädigt habe. Bidens frühere Kommunikationsdirektorin Kate Bedingfield sprach der Nachrichtenagentur AFP zufolge von einer „wirklich enttäuschenden“ Leistung des 81-Jährigen. Sehr viel deutlicher äußerste sich ein demokratischer Abgeordneter, der aber anonym bleiben wollte: „Eine Katastrophe“, sagte er dem TV-Sender CNN.

Umfrage macht deutlich: Biden ist nach TV-Duell gegen Trump angeschlagen

In der Tat wirkte Biden im TV-Duell gegen Trump ziemlich von der Rolle. So richtete er den Blick oft zu Boden statt in die Kameras. Ein ums andere Mal verlor er den Faden und verhaspelte sich immer wieder. Zudem sprach er heiser und undeutlich, was sein Wahlkampfteam hinterher mit einer Erkältung erklärte.

Für Trump war das ein gefundenes Fressen. Als Biden an einem Punkt nicht richtig zu verstehen war, griff Trump das auf und betonte, er wisse wirklich nicht, was Biden zum Ende des Satzes gesagt habe: „Er weiß es wohl selbst nicht.“

TV-Duell dürfte Biden in den Umfragen zur US-Wahl 2024 nicht helfen

Die TV-Debatte fand mehr als vier Monate vor der US-Wahl im November statt. Noch ist sogar niemand offiziell nominiert. Trump soll erst Mitte Juli von seinen Republikanern bei einem Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten ernannt werden, Biden soll im August von den Demokraten für eine zweite Amtszeit nominiert werden. Doch inzwischen scheint sogar ein kurzfristiger Wechsel des demokratischen Kandidaten für die US-Wahl 2024 denkbar.

Die aktuellen Umfragen vor der US-Wahl 2024 deuten jedenfalls darauf hin, dass es erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Biden geben könnte. Die schwache Leistung im ersten TV-Duell dürfte Biden allerdings nicht geholfen haben. (cs)

Rubriklistenbild: © Gerald Herbert/dpa