Wahl in den USA

Biden sinkt auf Allzeittief – Trump führt in Umfragen deutlich

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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US-Präsident Biden kämpft vor der US-Wahl im November mit sinkenden Werten. Trump baut Vorsprung in den Umfragen aus. Wie reagieren die Demokraten?

Washington, D.C. – Für Joe Biden kommt es gerade knüppeldick. Eine Umfrage nach der anderen lässt den US-Präsidenten alt aussehen, seine Werte sind am Boden, Biden ist so unpopulär wie nie zuvor. Knapp acht Monate vor der US-Wahl im November steht der 81-Jährige mit dem Rücken zur Wand.

Den ersten Nackenschlag gab es am Samstag (2. März). In der Umfrage des Siena College im Auftrag der New York Times lag der frühere Präsident Donald Trump in einem hypothetischen Duell gegen Joe Biden nicht weniger als fünf Punkte vor dem Amtsinhaber. Das Ergebnis bestätigte damit den Trend, der sich auch in den übrigen Umfragen zur US-Wahl abzeichnet.

UmfrageJoe BidenDonald Trump
NY Times 4348
CBS News4852

Donald Trump liegt in neuer Umfrage zur US-Wahl erneut deutlich vor Joe Biden

Nur einen Tag später musste Biden einen weiteren Tiefschlag einstecken. Eine Umfrage des TV-Senders CBS News brachte ein ähnliches Ergebnis. Diesmal lag Trump mit vier Punkten vor Biden. Besonders bitter dabei für den Amtsinhaber: Auch wenn keiner von beiden gute Noten bei der Bewertung ihrer Präsidentschaften bekam, schnitt der Republikaner in dieser Frage deutlich besser ab als Biden. 46 Prozent bewerteten Trumps Amtszeit in der CBS-Umfrage als ausgezeichnet oder gut, verglichen mit nur 33 Prozent, die glauben, dass Bidens Präsidentschaft ausgezeichnet oder gut ist.

Die Umfragen vor der US-Wahl im November sprechen derzeit gegen Joe Biden. Donald Trump hat zuletzt seinen Vorsprung weiter ausgebaut.

Hier scheint sich ein Eindruck zu verfestigen, der schon in der Umfrage der New York Times zutage trat: Viele Menschen in den USA sind mit Bidens Wirtschaftspolitik unzufrieden. Das ist umso bemerkenswerter, als die US-Wirtschaft mit einem robusten Wachstum und niedriger Arbeitslosigkeit insgesamt sehr gut dasteht. Die hohe Inflation der vergangenen Jahre hat Biden aber massiv geschadet, auch wenn der Anstieg der Verbraucherpreise wieder deutlich zurückgegangen ist.

Kognitive Gesundheit von Trump und Biden ist Thema in Umfrage vor der US-Wahl

Auch Bidens Alter beschäftigt die Menschen in den USA. Schon jetzt ist er der älteste Präsident der US-Geschichte und sorgt immer wieder mit Versprechern und Verwechslungen für Aufsehen. Allerdings ist das bei Trump nicht viel anders. Aktuelles Beispiel: Der 77-Jährige verwechselte bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag Biden mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama. Trump und Biden stehen sich bei Patzern dieser Art im Grunde in nichts nach. 

Der CBS-Umfrage zufolge glauben daher auch nur sechs Prozent, dass sowohl Trump als auch Biden über die nötige geistige und kognitive Gesundheit verfügen, die für eine Präsidentschaft nötig sind. Trump hat in dieser Kategorie mit 49 zu 32 Prozent allerdings die Nase vorn. 25 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass weder Trump noch Biden dazu in der Lage wären, das Amt angemessen auszufüllen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Demokraten halten den Ball nach Biden-Trump-Umfrage vor US-Wahl flach

Wie aber reagieren die Demokraten auf die verheerenden Umfrageergebnisse? Im Augenblick versuchen sie, den Ball flach zu halten. An der allgemeinen Panik habe sich nichts geändert, sagte der Abgeordnete Adam Smith der Tageszeitung Politico. Die Demokraten seien aus verschiedenen Gründen besorgt über Bidens Stärke als Kandidat: Sein Alter, die fehlende Botschaft, die Angriffe der Linken wegen des Kriegs in Israel und Gaza. Er bleibe aber optimistisch.

Politik-Berater Jim Messina, der 2012 den Wahlkampf von Barack Obama organisierte, hält von den Umfragen nicht viel: Der beste Indikator für Wahlen sei das Abstimmungsverhalten der Wahlberechtigten, schrieb Messina auf der Onlineplattform X. „Und sie stimmen für die Demokraten und Biden.“ Das sieht auch der Kommunikationsdirektor der Biden-Kampagne so: „Ob bei Sonderwahlen oder bei den Vorwahlen, das tatsächliche Wahlverhalten verrät uns viel mehr als jede Umfrage und es erzählt eine sehr klare Geschichte“, sagte Michael Tyler gegenüber Politico: „Joe Biden und die Demokraten schneiden weiterhin besser ab, während Donald Trump und die von ihm geführte Partei schwach, knapp bei Kasse und tief gespalten sind.“ (cs)

Hinweis: Das Meinungsforschungsinstitut YouGov befragte im Auftrag von CBS News zwischen dem 28. Februar und dem 1. März insgesamt 2159 Personen in einer landesweit repräsentativen Stichprobe. Die Fehlerquote beträgt ±2,8 Punkte.

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