Umfragetief für Biden

Biden stürzt in Umfragen ab: So stehen seine Chancen gegen Trump, DeSantis und Haley

Joe Biden im Gespräch mit Angolas Präsident Lourenco im Oval Office
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Die Umfragewerte des amtierenden Präsidenten Joe Biden sinken. Der Vorwurf der Wähler – Er ist zu alt.
  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Der Kampf um die Präsidentschaftswahlen in den USA ist im vollen Gange. Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Biden und Trump.

Washington, D.C. – Die Wahlberechtigten finden Noch-Präsident Joe Biden nicht mehr geeignet für das höchste Amt in den USA. Das Urteil lautet: zu alt und nicht fit genug. Laut einer Umfrage der Analyse-Website FiveThirtyEight unterstützen nur noch 37,7 Prozent der Menschen in den USA Biden als Präsidenten. Dem stehen 55,8 Prozent gegenüber, die mit dem Präsidenten nicht mehr zufrieden sind.

Trotz seines hohen Alters bleibt Joe Biden Spitzenkandidat der Demokraten

Angesichts mieser Umfrageergebnisse bleibt Biden trotzdem die erste Wahl der demokratischen Partei für die US-Wahl 2024. Gerade im Hinblick auf den Vorwurf, Biden sei aufgrund seines Alters nicht mehr für den Beruf des Präsidenten geeignet, erscheint diese Entscheidung mindestens gewagt. Seine potenzielle zweite Amtszeit würde Biden mit stolzen 82 Jahren antreten.

Dabei ist er bereits der älteste Präsident, den die USA jemals hatten. Doch sein Alter ist nicht der einzige Grund, weshalb der Rückhalt bei den Menschen schwindet. Wie Newsweek berichtet, seien auch sein Umgang mit der Migration an der mexikanischen Grenze und die US-amerikanische Wirtschaft an den schlechten Umfrageergebnissen schuld.

US-Demokraten halten an Biden fest

Die Demokraten sind von Biden noch immer überzeugt. Er sei die bessere Wahl als Trump, heißt es dort, und zudem würden die Wahlberechtigten dies auch erkennen. Das Festhalten an Biden verteidigen die Demokraten mit den guten Ergebnissen der Zwischenwahlen 2022. Außerdem sei eine wachsende Besorgnis der Bevölkerung über die immer radikalere Politik der Republikaner zu erkennen. Gerade der Streit über Abtreibungsrechte habe dies deutlich gemacht.

Eine Umfrage des Wall Street Journal behauptet aber etwas anderes. Demnach liegt Donald Trump mit 47 Prozent der Stimmen vor Joe Biden, den lediglich 43 Prozent der Befragten im direkten Vergleich unterstützen würden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Emerson College, wie Newsweek berichtet.

Biden verliert gegen weitere Republikaner

Leicht besser sehen die Umfrageergebnisse gegen den republikanischen Kandidaten und Gouverneur von Florida, Ron DeSantis aus. Das Wall Street Journal sieht die beiden Kandidaten bei jeweils 45 Prozent. Andere Quellen wiederum sprechen dem Republikaner einen leichten Vorsprung vor Biden zu, berichtet Newsweek.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Die größte Chance gegen Biden hat aber wohl Nikki Haley, die den Präsidenten in Umfragen klar abhängt. Die ehemalige Botschafterin der Vereinten Nationen liegt laut Wall Street Journal mit einer Zustimmungsrate von 51 Prozent deutlich vor Biden, der im Vergleich nur auf 34 Prozent kommt. In den Umfragen zu den Vorwahlen der Republikaner liegt Haley unterdessen mit DeSantis fast gleichauf.

Im Ringen um die Präsidentschaft warnen Fachleute aber, es sei noch zu früh, um eine gültige Aussage über den Wahlausgang zu treffen. Biden zeigt sich trotz seiner schwachen Umfrageergebnisse vorsichtig optimistisch: „Ich bin nicht der Einzige, der ihn besiegen kann, aber ich werde ihn besiegen“, sagte der Präsident über seinen Wahlkampf gegen Trump (nhi)