Er richtet eine neue Stelle ein
Flop um Bundeswehr-Funkgeräte: Pistorius verspricht Konsequenzen – Bericht sickert durch
VonChristoph Gschoßmannschließen
Es soll Konsequenzen geben bei der Bundeswehr nach der Panne um den Milliarden Euro teuren Auftrag um die Funkgeräte. Verteidigungsminister Pistorius äußert sich.
Berlin – Die Riesenpanne bei der Bundeswehr um die Milliarden Euro teuren Funkgeräte: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will unbedingt vermeiden, dass so etwas noch einmal passiert. Der Politiker will Abläufe bei der Beschaffung für die Truppe ändern. Er lasse beim Beschaffungsamt eine Koordinierungsstelle einrichten, um alle Beteiligten in der Bundeswehr, im Ministerium und in der Industrie einzubinden, sagte der Verteidigungsminister dem ARD-Hauptstadtstudio am Dienstag. Der Posten werde „auf hoher Ebene beim zivilen Vizepräsidenten des Amtes angesiedelt“.
Abstimmungsprobleme im Verteidigungsministerium: Pistorius zu spät informiert
Kritik am Beschaffungsamt der Bundeswehr hatte sich eingestellt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die neuen digitalen Funkgeräte nicht in alle Fahrzeuge des Bundeswehr-Fuhrparks problemlos eingebaut werden können. Zudem gibt es bei manchen der über 200 verschiedenen Fahrzeugtypen Probleme mit der Batterieversorgung oder der Abwärme der neuen Geräte. Dies führt zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei dem Beschaffungsvorhaben im Wert von 1,3 Milliarden Euro.
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Die nun vorerst fehlenden Funkgeräte erschweren zudem die reibungslose Kommunikation mit Streitkräften der Nato-Partner. Der Focus berichtete von Manövern mit Partnern in Litauen und Mali, bei denen sich die Bundeswehr mit ihren rückständigen Funkgeräten zum Gespött machte. Verbündete hätten sich geweigert, über das offene Netz zu kommunizieren. Das Verteidigungsministerium hat einen vertraulichen Bericht zur Milliarden-Panne erstellt, der laut Business Insider am Montag (9. Oktober 2023) an die Abgeordneten des Bundestages ging. Auch dort war von Abstimmungsproblemen innerhalb des Verteidigungsministeriums die Rede. Pistorius sei nicht rechtzeitig informiert worden.
Pistorius äußert sich über personelle Konsequenzen nach Funkgerät-Panne
Offen „verärgert“ hatte sich Pistorius über die Panne gezeigt. Das Projekt war vor seiner Amtszeit in Auftrag gegeben worden. Der Abteilungsleiter im Bereich Cyber- und Informationstechnik im Verteidigungsministerium, Generalleutnant Michael Vetter, hatte dem Portal Table Media am Montag gesagt, er rechne mit einer großflächigen Umrüstung nun „eher 2027“ und nicht schon 2025.
Auch auf die Frage nach möglichen personellen Konsequenzen aus der Affäre äußerte sich Pistorius gegenüber der ARD. Er sagte, er wolle jenseits der bereits angestoßenen Umbau-Prozesse klären, „welche strukturellen Veränderungen die Abteilungen schlagkräftiger“ machten. „Wir stellen das Haus so auf, damit unsere Soldatinnen und Soldaten optimal ausgestattet sind und geführt werden können.“ Die Digitalisierung der Truppe gilt als eines der zentralen Projekte der Erneuerung der Bundeswehr. Pistorius wurde von Kanzler Scholz zu einer „Zeitenwende“ bei der Bundeswehr beauftragt. Das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro reicht dazu aber wohl nicht aus. Auch geriet das Heer aufgrund von Skandalen wie der von Generalmajor Marcus Kurczyk, der vorläufig von seinen Aufgaben entbinden, in die Kritik. (cgsc)
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