Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Jahrhundertwinter oder Rekordwärme? Modelle liefern brisante Hinweise, wie der Winter 2025/26 wird
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Wie wird der Winter 2025/26? Prognosen zeigen widersprüchliche Szenarien: Eisiger Polarwirbel, El Niño oder milder Westwind. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Erste Signale – zwischen Kälte und Wärme
Hamm – Die Modelle für den Winter 2025/26 zeichnen ein Bild voller Gegensätze. Während einige Szenarien eine Verschärfung des Polarwirbels erwarten lassen, deuten andere auf eine instabile Zirkulation hin, die Kaltluftausbrüche über Europa begünstigen könnte.
Auffällig ist, dass im Spätherbst bereits eine ungewöhnlich starke Temperaturabweichung über dem Nordatlantik simuliert wird. Das könnte für eine turbulente Ausgangslage sorgen, in der sich milde Westströmungen und plötzliche Kaltluftschübe abwechseln. Auch die Schneedecke in Sibirien, die traditionell als Vorbote dient, zeigt im Herbst 2025 überdurchschnittliche Ausdehnungen – ein Faktor, der oft mit kälteren Wintern in Europa verbunden ist. Gleichzeitig lassen andere Modellläufe eher auf eine Fortsetzung der außergewöhnlich warmen Serie schließen, die seit Jahren dominiert.
ENSO, Atlantiksteuerung und das CFS-Modell
Ein Schlüsselfaktor wird die Entwicklung im Pazifik sein. Dort spielt sich ein Übergang von einem starken El Niño in eine neutralere Phase ab. Diese Umstellung hat in der Vergangenheit mehrfach für blockierende Hochdruckmuster über dem Atlantik gesorgt. Sollte ein solches Blocking eintreten, steigt die Wahrscheinlichkeit für längere Kälteepisoden in Mitteleuropa deutlich.
Dem entgegen stehen jedoch Prognosen, die einen weiterhin aktiven Westwindgürtel erwarten, was gleichbedeutend mit regenreichen, aber eher milden Monaten wäre. Besonders aufschlussreich ist dabei das Climate Forecast System (CFS) der NOAA, ein globales Klimamodell, das auf Basis zahlreicher Rechenläufe saisonale Trends berechnet. Die aktuellen Simulationen deuten für Europa auf Temperaturen von ein bis zwei Grad über dem Mittel 1991 bis 2020 hin. Das würde auf einen markant zu warmen Winter hinauslaufen, der in die Reihe der Rekordwinter der letzten Jahre passen würde.
Zwischen Jahrhundertwinter und Rekordwärme
Was bedeutet das nun konkret für den Winter 2025/26? Sicher ist: Spannender könnte die Ausgangslage kaum sein. Während ein Teil der Modelle deutliche Abweichungen nach unten zeigt und damit einen der kältesten Winter seit Jahrzehnten möglich macht, bleiben andere auf der Linie der Rekordwärme, die schon den letzten Winter geprägt hat.
Für die Bevölkerung heißt das, man muss auf alles gefasst sein: von einer weißen Weihnacht bis hin zu grünen Wiesen an Silvester. Der Winter 2025/26 steht damit auf Messers Schneide – und egal wie er sich entwickelt, er wird für Schlagzeilen sorgen. Ob wir tatsächlich einen Jahrhundertwinter erleben oder doch nur die nächste milde Überraschung, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/dpa
