Brückenkopf gesucht
Gefährlicher Kampf um das AKW Saporischschja: Ukraine versuchte offenbar dreimal die Befreiung
VonFabian Müllerschließen
Kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs übernahmen die russischen Streitkräfte das Atomkraftwerk Saporischschja. Die Ukraine versuchte wohl mehrere Male, das AKW zu befreien.
Saporischschja - Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat Kiew mehrere Versuche unternommen, das umkämpfte Gelände rund um das AKW Saporischschja in der Nähe der Stadt Enerhodar zu befreien. Das räumte der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, in einem Interview mit der ukrainischen Plattform The New Voice of Ukraine ein.
Der erste Versuch hatte Budanow zufolge im August 2022 stattgefunden. Das Hauptziel der Operation habe darin bestanden, einen Brückenkopf am linken Ufer des Dnepr zu errichten. Mehrere Dutzend Spezialeinheiten überquerten damals den noch bestehenden Kachowka-Stausee an Bord von Schnellbooten. Allerdings habe die Operation nicht zum gewünschten Ergebnis geführt, so Budanow. Die ukrainischen Kräfte mussten sich zurückziehen.
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Nach diesem ersten Rückschlag hätten ukrainische Einheiten der Geheimdienste zwei weitere Landungsoperationen am Ufer des Dnepr unternommen, doch auch diese Versuche seien ähnlich erfolglos verlaufen. Das linke Ufer des Dnepr steht noch immer unter Kontrolle der russischen Streitkräfte.
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An der bisher letzten der drei Spezialoperationen hätten Soldaten der Internationalen Legion teilgenommen, die teils besonders für ihr Fachwissen bekannt sind, sagte Budanow. Zur Verteidigung des Ufers habe Russland sogar schweres Gerät einsetzen müssen, die ukrainischen Einheiten hätten anhaltend Widerstand geboten.
Kurz nach Beginn der russischen Invasion im Frühjahr 2022 übernahm die russische Armee die Kontrolle über das Atomkraftwerk und die angrenzende Stadt Enerhodar. Der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) wurde zwar gestattet, das Atomkraftwerk zu besichtigen, den Mitgliedern der Organisation wurde allerdings nur eingeschränkter Zugang zu allen Bereichen auf dem Gelände gewährt.
Im Frühjahr 2023 äußerte sich der Generaldirektor der IAEO, Rafael Grossi, besorgt über die sich verschlechternde Sicherheit vor Ort. Der Schutz der Bevölkerung könne nicht mehr gewährleistet werden, so Grossi. Wohl auch deshalb startete die ukrainische Militärführung die Befreiungsversuche in der Region - bisher allerdings noch ohne Erfolg. (fmü)
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