„Blind, laut und dumm“

Panische Angst vor Ukraine-Kamikazedrohnen: Putin will mit verzweifelten Versuch Panzer schützen

  • VonSimon Schröder
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Die Verluste der russischen Panzer im Ukraine-Krieg sind enorm. Immer wieder versucht Putins Armee Abwehrmöglichkeiten gegen die FPV-Drohnen zu entwickeln.

Moskau – Auch weiterhin bereiten die kleinen ukrainischen FPV-Drohnen den Panzern von Wladimir Putin großes Kopfzerbrechen. Die billigen Flugobjekte zerstören immer wieder russisches Kriegsgerät an der Ukraine-Front. Und nicht zum ersten Mal versucht die russische Armee mithilfe bizarrer Konstruktionen ihre Fahrzeuge zu schützen. Immer wieder wurden Panzer mit ungewöhnlichen Schutzschilden, in den Sozial-Medien auch als „Schildkrötenpanzer“ bezeichnet, im Ukraine-Krieg gesichtet.

Bisher haben diese Panzervorrichtungen mehr schlecht als recht ihren Zweck erfüllt. Immer wieder wurden die kuriosen Konstruktionen von ukrainischen Drohnen ausgeschaltet. Jetzt sollen russische Landdrohnen mit ähnlichen Käfigen ausgestattet werden, um Drohnen aus der Luft abwehren zu können. Zvevda, ein russischer Staatssender, hatte einige der neuen unbemannten Fahrzeuge der russischen Verteidigungsindustrie gezeigt.

Wladimir Putins neue Version (rechts) des „Schildkrötenpanzers“. Der alte T-72 Panzer (links) mit der bizarr anmutenden Konstruktion wurde wenige Tage nach Entdeckung zerstört.

Metallkäfige für den Abrams-Panzer im Ukraine-Krieg gegen Russlands Drohnen

In der Ukraine wird unterdessen eine ähnliche Taktik implementiert. Denn auch die Russen haben in Sachen Drohnen aufgeholt. Oleksandr Myronenko, Chief Operating Officer des ukrainischen Stahlkonzerns Metinvest, teilte dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek mit, dass gelieferte US-M1 Abrams-Panzer mit einem Käfig aus Stahl ausgerüstet werden, um Drohnenangriffe abwehren zu können. Und auch die israelische Armee implementiert mittlerweile eine ähnliche Taktik an ihren Fahrzeugen, wie Business Insider berichtet.

Die russische Panzerung allerdings geht noch einen Schritt weiter. Immer wieder wurden russische T-72 Panzer und andere ältere Modelle der Sowjetära gesichtet, die vollständig von einer Art metallenen Dach umgeben waren. Zwei Monate nach der ersten Sichtung dieser „Schildkrötenpanzer“ soll Russland einige seiner Fahrzeuge tatsächlich weiterhin mit der ungewöhnlichen Konstruktion aufrüsten, wie Forbes berichtet.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine spottet über Russlands Panzer-Innovation: „Blind, laut und dumm“

In einem Video äußerte sich ein russischer Soldat über die Konstruktion: „Wir sind sehr glücklich.“ Wie glücklich der Rekrut vom 218. Panzerregiment im Süden der Ukraine wirklich ist, ist fraglich. Das 218. Regiment habe große Verluste im Ukraine-Krieg zu beklagen. Darunter auch einer der gepriesenen Schildkrötenpanzer, wie Forbes weiter berichtet.

Für Russlands Armee erfüllen die Panzer mit dem bizarren Schutzdach vor allem eins: sie sollen in einer Panzerkolonne vorne wegfahren und Minen räumen. Denn im Kampf sind die umgebauten Fahrzeuge nicht mehr zu gebrauchen. Durch den Umbau ist die Sicht für den Fahrer stark eingeschränkt und der Turm ist durch das metallene Dach unbeweglich.

Nachdem das ukrainische Militär ein paar der bizarren Kriegsgeräte erobert hat, fällt deren Urteil wenig positiv aus: „Der Fahrer hat fast keine Sicht“, wie Oberstleutnant Sergey Misyura urteilt. „Der Turm des Panzers ist fest installiert. Es gibt keine Munition und die Hauptkanone schießt nicht einmal.“ So seien die „Schildkrötenpanzer“ „blind, laut und dumm“. (sischr)

Rubriklistenbild: © Pavlo Palamarchuk / IMAGO / SOPA Images

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