„Aggressive Taktiken“

China-Hacker wollten Telefone von Trump, Vance und Harris‘ Wahlkampfteam anzapfen

  • Christoph Gschoßmann
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China will genauestens über die US-Wahl informiert bleiben oder darauf Einfluss nehmen. Hacker nehmen wohl Trump und Harris ins Fadenkreuz.

Washington, D.C. – Peking soll Trump, Vance und Harris nachspionieren: Chinesische Hacker haben nach Berichten von US-Medien Telefone des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und seines Vizes J.D. Vance zum Ziel gehabt. „Uns ist bekannt, dass ein hoch entwickelter staatlicher Akteur mehrere US-Telekommunikationsanbieter ins Visier genommen haben soll, um Informationen zu sammeln“, sagte Rich Young, Sprecher des Telekommunikationsunternehmens Verizon, am Freitagabend der Nachrichtenagentur AFP.

Auch das Wahlkampfteam von US-Vizepräsidentin Kamala Harris sei Ziel von Hacker-Angriffen gewesen, hieß es in informierten Kreisen. Dabei soll es nicht beim Plan geblieben sein. Laut der Zeitung New York Times sollen Hacker bereits in das Telefonsystem eingedrungen sein. Dabei werde noch ermittelt, ob dabei Daten abgegriffen worden seien. Auch das Wall Street Journal berichtete darüber. Harris wurde jüngst auch durch russische Fake-Videos angegriffen.

Trumps Telefon ist ein Ziel chinesischer Hacker.

Hacker nutzen „ungewöhnlich aggressive Taktiken“ für Zugriff auf US-Dokumente

Die chinesischen Hacker hätten demnach „ungewöhnlich aggressive Taktiken“ an den Tag gelegt. Sie hätten versucht, sich erneut Zugang zu gepatchten Systemen zu verschaffen, nachdem sie aus diesen entfernt worden waren.

Anfang des Monats fanden die Ermittler zudem heraus, dass ein chinesischer Akteur erfolglos versucht hatte, auf das Konto eines Journalisten des Wall Street Journal zuzugreifen, der an der Berichterstattung über die Sicherheitsverletzungen beteiligt war. Microsoft, das stark in die Ermittlungen involviert war, teilte dem Journalisten des WSJ mit, dass die Gruppe hinter diesen Angriffen – bekannt als Salt Typhoon – versucht hatte, auf das Verbraucherkonto zuzugreifen, nachdem das Wall Street Journal im vergangenen Monat erstmals die Art der Angriffe enthüllt hatte.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

US-Wahl 2024: FBI identifiziert „böswillige“ Aktivitäten

Die US-Regierung untersuche den „unautorisierten Zugriff“ auf die kommerzielle Telekom-Infrastruktur durch „Akteure, die mit der Volksrepublik China in Verbindung stehen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des FBI und der US-Behörde für die Sicherheit von Infrastruktur.

Nachdem das FBI „böswillige Aktivitäten“ identifiziert habe, seien die betroffenen Unternehmen umgehend benachrichtigt worden. Es sei zudem technische Unterstützung geleistet worden, und es seien Informationen verbreitete worden, um anderen potenziellen Opfern zu helfen, hieß es weiter.

Hacker boten Biden gestohlene Trump-Dokumente an

Um die Cybersicherheit zu verbessern, arbeiteten die Behörden landesweit untereinander und mit der Industrie zusammen. Die USA hatten im September erst iranische Hacker beschuldigt, dem Wahlkampfteam des inzwischen aus dem Rennen um das Weiße Haus ausgeschiedenen US-Präsidenten Joe Biden Dokumente angeboten zu haben, die sie zuvor vom Team des republikanischen Kandidaten Donald Trump „gestohlen“ hatten. Das Trump-Team hatte seinerseits im August einen Hacker-Angriff gemeldet.

Am 5. November wird in den Vereinigten Staaten ein neuer Präsident gewählt. Sowohl Trumps Wahlkampfteam als auch das Team seiner Rivalin Harris, die nach dem Rückzug Bidens für die Demokraten im Rennen ist, hatten in den vergangenen Wochen Hacker-Angriffe gemeldet. Auch US-Technologieunternehmen haben nach eigenen Angaben solche Angriffe festgestellt. (cgsc mit afp)

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