US-Wahl 2024

Neue Regeln für erstes TV-Duell zur US-Wahl – eine dürfte Trump gar nicht gefallen

  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
    schließen

Beide Seiten haben sich auf die Rahmenbedingungen für ihr erstes Fernsehduell geeinigt, das jedoch ohne ein Studiopublikum stattfinden wird.

Washington – Während der 90-minütigen Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden, wird das Mikrofon des Kandidaten, der gerade nicht spricht, stumm geschaltet. Wer am 27. Juni (28. Juni deutscher Zeit) auf welcher Seite der Bühne steht, wird durch einen Münzwurf entschieden, wie CNN mitteilte. Die beiden Kontrahenten bei der im November anstehenden US-Wahl müssen frei sprechen, dürfen keine Spickzettel mit ans Rednerpult nehmen und erhalten nur Kugelschreiber und Notizblöcke. Auch während der beiden Werbepausen wird der Kontakt zu ihren Wahlkampfteams verboten.

Im Duell um die Präsidentschaft treten im Jahr 2024 voraussichtlich erneut Joe Biden und Donald Trump an (Archivbild)

US-Wahl 2024: TV-Duell zwischen Biden und Trump ohne Publikum

Das Fernsehduell wird diesmal ohne Studiopublikum stattfinden – das hat Bidens Wahlkampfteam so gewollt. Trump wollte hingegen „aus Gründen der Spannung“ eine große Veranstaltung vor Publikum. CNN gab zu, dass einige Bedingungen anders sind als bei früheren TV-Duellen. Die Moderatoren Jake Tapper und Dana Bash würden jedoch „mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Einhalten der Zeitvorgaben und eine zivilisierte Diskussion sicherstellen“. Sowohl der Demokrat Biden als auch sein Amtsvorgänger und Republikaner Trump sollen den Bedingungen zugestimmt haben. Übertragen wird aus einem Studio in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Biden und Trump: Ohne große Zweifel Kandidaten für US-Präsidentschaft

Die nächste TV-Debatte zwischen den beiden Rivalen ist für September geplant und wird vom Fernsehsender ABC ausgestrahlt. Biden und Trump sollen zwar erst im Juli und August bei Parteitagen offiziell als Kandidaten bestätigt werden – aufgrund des Konkurrenzmangels gibt es jedoch keine ernsthaften Zweifel daran, dass einer der beiden nicht antreten könnte. Die Präsidentschaftswahl findet am 5. November statt.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

US-Wahl 2024: Biden fordert Trump zu TV-Duellen heraus

Dass die TV-Duelle überhaupt stattfinden, kann für manche überraschend sein. Trump hatte erwartet, dass Biden sich gegen solche Debatten wehren würde. In den letzten Wochen hatte er Biden öffentlich mehrfach zu einem TV-Duell aufgefordert, jedoch gab es aus dem Weißen Haus zunächst kaum eine Reaktion darauf. Diese Schweigsamkeit schien Trumps Annahme zu bestätigen, dass Biden sich der Herausforderung entziehen würde.

Im Mai überraschte Joe Biden dann mit einem unerwarteten Social-Media-Post: Er kündigte an, seinen Gegner Donald Trump vor der Präsidentschaftswahl zu zwei TV-Duellen herauszufordern. Diese Ankündigung überraschte selbst erfahrene politische Beobachter in Washington. Trump und sein Team schienen ebenso überrumpelt zu sein und akzeptierten das Angebot des Präsidenten nur wenige Stunden später.

Biden verpackte die Herausforderung geschickt in einem ironischen Text und einem Videoclip für die sozialen Medien, in dem er sagte: „Donald, lass uns ein Datum aussuchen. Ich höre, du hast mittwochs immer Zeit.“ Diese Bemerkung spielte auf Trumps New Yorker Prozesse an, die an diesem Wochentag üblicherweise pausieren. (dpa/jek)

Rubriklistenbild: © Imago/domenicofornas/Pond5 Images