Dürrelage spitzt sich zu

„14 Tage Worst-Case-Szenario“: Droht Deutschland in ein paar Jahren der erste 45-Grad-Sommer?

  • VonDominik Jung
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Deutschland trocknet allmählich aus: Kein Regen, dafür Sonne satt – das Wetter bleibt gnadenlos konstant, sagt Meteorologe Dominik Jung.

Kassel – Was die neuesten Wetter-Modelle von Samstag (5. April) zeigen, ist nichts weniger als ein meteorologischer Schockzustand. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net warnt: „Die Trockenheit setzt sich fort – die Modelle zeigen flächendeckend kein nennenswertes Niederschlagsereignis in den kommenden 14 Tagen. Das ist ein Worst-Case-Szenario, wie wir es so früh im Jahr nur sehr selten sehen.“

Wetter-Prognosen sagen zwei knochentrockene Wochen in Deutschland voraus

Und tatsächlich: Deutschland steht vor zwei knochentrockenen Wochen, ohne einen echten Tropfen Entlastung. Frühere Modellläufe hatten wenigstens Hoffnung auf schwache Fronten gemacht – doch auch diese wurden inzwischen gestrichen.

Die Folgen der aktuellen Dürre sind wahrscheinlich deutlich weitreichender als es derzeit aussieht.

Zwar wird es ab Sonntag (6. April) vorübergehend kühler, stellenweise droht sogar Frost. Doch selbst diese kurze Phase bringt keine nennenswerte Wetteränderung: Es bleibt sonnig, trocken und niederschlagsfrei, nahezu im gesamten Bundesgebiet. Die Böden verlieren rapide an Feuchtigkeit, Flüsse führen Niedrigwasser und die Vegetation gerät zunehmend unter Druck – im Frühling.

Warum Trockenheit jetzt schon die Sommerhitze anfeuert – 45-Grad-Marke wird in Zukunft wohl geknackt

Was viele unterschätzen: Je länger die Dürre andauert, desto extremer kann der Sommer werden. Denn trockene Böden kühlen nicht mehr durch Verdunstung. Stattdessen heizt sich die Luft schneller auf, die Sonneneinstrahlung trifft auf ausgedörrte Flächen – und der natürliche Kühlungseffekt fehlt. Ein Teufelskreis entsteht: Weniger Regen bringt trockenere Böden und somit heißere Luft sowie dadurch noch weniger Regen. Klimamodelle zeigen genau dieses Muster immer häufiger – besonders in Mitteleuropa.

Die „Hitzeinseln“ in Städten werden sich weiter aufladen, das Risiko für Rekordtemperaturen steigt. Schon heute diskutieren Experten, ob Deutschland dieses Jahr erstmals die 45-Grad-Marke knacken könnte. Was vor wenigen Jahren noch als unrealistisch galt, rückt plötzlich bedrohlich nahe.

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Wenn die Natur schweigt: Der stille Vorbote der Hitze-Apokalypse

Die Natur sendet keine lauten Signale – sie verstummt in der Dürre. Singende Vögel verstummen, vertrocknete Felder breiten sich aus, Waldbrandgefahr steigt schon jetzt. Was uns bevorsteht, könnte der Auftakt zu einem der heißesten und gefährlichsten Sommer unserer Zeit sein. Die Voraussetzungen sind da: ein Frühling ohne Regen, Temperaturen deutlich über dem Schnitt, keinerlei Tiefdruckeinfluss in Sicht. Es ist, als würde der Sommer bereits Anlauf nehmen – auf ein historisches Extrem. Wer noch glaubt, dass der Klimawandel ein fernes Zukunftsthema ist, sollte jetzt aufwachen. Die letzten Tropfen Hoffnung verschwinden aus den Modellen. Und mit ihnen vielleicht auch die Zeit, noch gegenzusteuern.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/Imago

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