Landkreis schlägt Alarm
Waldbrand außer Kontrolle: Katastrophenfall in Deutschland ausgerufen – Feuer riecht man sogar in Berlin
VonKai Hartwigschließen
Richard Stroblschließen
Ein großer Waldbrand in Deutschland ist außer Kontrolle geraten. Der Landkreis Gösseldorf hat am Abend den Katastrophenfall ausgerufen. Es gibt weitere Brände.
Update vom 6. Juli, 06.32 Uhr: Die Feuerwehr kämpft weiter gegen den Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg sowie das Feuer auf der Saalfelder Höhe in Thüringen. Zur Lage in der Gohrischheide teilte das Landratsamt Meißen am 5. Juli mit: Je nach Brandherd sei die Lage stabil oder auch dynamisch. Tagsüber waren am Samstag rund 650 Kräfte an den Löscharbeiten beteiligt. Vier Löschhubschrauber und zwei Wasserwerfer wurden eingesetzt. Aus Sachsen-Anhalt wurden Spezialisten für die Bekämpfung von Vegetationsbränden angefordert.
Nachdem der Wind gedreht hatte, war der Brand sogar im Süden Berlins zu riechen. Die Feuerwehren hätten entsprechende Hinweise über die Warnapps Nina und Mowas herausgegeben.
Nach Angaben des Landratsamtes in Meißen sind die Einsatzkräfte in Brandenburg darauf vorbereitet, dass das Feuer auch auf ihrem Gebiet wieder aufflammen könnte. Nach dem Ausbruch am Dienstag hatte sich der Waldbrand zeitweilig auch über die Landesgrenze ausgeweitet. Über das Ausmaß des Waldbrandes hatte es in den vergangenen Tagen unterschiedliche Angaben gegeben. Das Landratsamt berichtete am Donnerstag von 200 Hektar. Nach Angaben von Feuerwehrleuten vor Ort umfasste der Brand jedoch eine Fläche von rund 1.000 Hektar.
Beim Waldbrand auf der Saalfelder Höhe in Thüringen gibt es ebenfalls keine Entwarnung. Aufkommende Winde fachen die Glutnester immer wieder an, wie Kreisbrandinspektor Christian Patze sagte. Die Löschwasserversorgung sei ein Dauerthema. „In Gänze kann man sagen: Es gelingt uns. Aber es gibt auch Phasen, wo Probleme auftreten.“
Feuerwehren dringen auf bessere Ausstattung
Update vom 4. Juli, 5.43 Uhr: Deutschlands Feuerwehren dringen auf eine bessere Ausstattung mit Luftfahrzeugen zur Waldbrandbekämpfung – vor allem mit Hubschraubern. Die Brandbekämpfer benötigten „vor allem bei der Unterstützung aus der Luft nachgerüstet werden“, erklärte Karl-Heinz Banse, Vorsitzender des Deutschen Feuerwehrverbandes, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Vor allem die Anzahl der für die Feuerbekämpfung verfügbaren Helikopter sei zu erhöhen. Bereits seien erste Maßnahmen in Gang gesetzt worden, ergänzte er.
Banse hob den Vorteil von Helikoptern im Vergleich zu Löschflugzeugen hervor: „Aufgrund der Landschaft in Deutschland können Löschflugzeuge nicht überall eingesetzt werden. Aber Hubschrauber kommen fast überall hin. Und sie können im Zweifelsfall auch Menschen retten und Material transportieren“, betonte er. Konkret verwies er auf transportable Löschpumpen, die bei einem künftigen Waldbrand im Harz mittels Helikopter auf Berggipfeln positioniert werden könnten.
Update vom 3. Juli, 7.52 Uhr: In Thüringen und Bayern haben mehrere Landkreise wegen des Waldbrands auf der Saalfelder Höhe die Bevölkerung vor Rauchentwicklung gewarnt. Die Rauchgase würden von der betroffenen Fläche im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Richtung Südosten über die Landesgrenze hinaus ziehen, teilte die Leitstelle des bayrischen Landkreises Kronach in der Nacht mit.
Waldbrand weiterhin nicht gelöscht: Warnmeldungen in Thüringen und Bayern
Konkret sprachen in Thüringen der Landkreis Sonneberg sowie der Saale-Orla-Kreis über die offiziellen Kanäle Warnmeldungen wegen Rauchgasen und möglicher Geruchsbelästigung aus. In Bayern warnten die Landkreise Kronach, Kulmbach und Hof. Viele von ihnen empfehlen, Fenster und Türen zu schließen und Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten.
Aus Kronach hieß es zudem, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Im Landkreis Hof seien dagegen keine besonderen Schutzmaßnahmen nötig, hieß es. Eine Gesundheitsgefährdung sei dort ausgeschlossen.
Das Feuer auf der Saalfelder Höhe in Thüringen war auf rund 250 Hektar Fläche ausgebrochen. Die Einsatzkräfte würden sich auf einen längeren Einsatz einstellen, sagte ein Sprecher des Landkreises am Mittwochabend. Gegen 17.30 Uhr war der Katastrophenalarm ausgelöst worden. Aus dem südlichen Thüringen wurden weitere 100 Einsatzkräfte angefordert.
Waldbrand außer Kontrolle: Katastrophenfall in Deutschland ausgerufen
Erstmeldung vom 2. Juli, 21.21 Uhr: Gösseldorf – Zum Hitze-Wetter in Deutschland kam auch noch große Trockenheit hinzu. Ein großer Waldbrand ist in der Folge im Süden von Thüringen ausgebrochen. Der Landkreis Saalfeld-Rudolfstadt hat am Abend den Katastrophenfall ausgerufen.
Nach aktuellen Angaben sind knapp 270 Hektar von dem Brand betroffen. Es kommt zu starker Rauchentwicklung. Das Feuer habe sich am Nachmittag durch den Wind ausgebreitet. Es brennen mittlerweile mehrere einzelne Flächen, meldete ein Sprecher des Landratsamtes dem MDR. Laut Bild ist das Feuer mittlerweile außer Kontrolle geraten.
Es seien 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Weitere 100 seien angefordert. Im Einsatz ist demnach auch ein Löschhubschrauber. Zudem ist das technische Hilfswerk in Aktion. Nähere Angaben zur Ursache des Brandes sind bislang nicht bekannt.
Durch die Brände ist auch der Bahn-Verkehr beeinträchtigt. Auf zwei Strecken im Kreis Schmalkalden-Meiningen sowie Gotha kommt es zu Behinderungen. Die Linie zwischen Seebergen und Wandersleben im Kreis Gotha sei gesperrt. ICE-Züge nach und von Frankfurt werden aktuell umgeleitet. Es kommt zu Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Zudem werden mehrere Bahnhöfe aktuell gar nicht angefahren. Es wird versucht, am Abend einen Busverkehr einzurichten, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf die Bahn.
Mehrere Waldbrände in Deutschland – Ort evakuiert
Zeitgleich gibt es mehrere andere Brände in Deutschland.
Wegen eines weiteren Waldbrands in der Gohrischheide an der Grenze von Sachsen und Brandenburg wurde der Ort Heidehäuser mit einem Wohnheim für Schwerbehinderte evakuiert. Das teilte der stellvertretende Gemeindewehrleiter in Zeithain, Raiko Riedel, mit. Betroffen seien insgesamt rund 100 Menschen, davon etwa 45 Heimbewohner.
„Bitte verlassen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit alle Gebäude in der Ortslage Heidehäuser umgehend in Richtung Lichtensee“, hieß es bei der Warn-App Nina. Man solle nur das Notwendigste mitnehmen, wurde geraten.
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— Besorgter Anwohner (@ReneLanger39053) July 2, 2025
Die Brandausdehnung habe sich seit dem Mittag mehr als verzehnfacht, sagte der stellvertretende Gemeindewehrleiter. Inzwischen seien rund 600 Hektar Fläche von dem Feuer betroffen. Rund 180 Einsatzkräfte seien vor Ort. Das Areal wurde früher als Truppenübungsgelände genutzt.
An den Rändern seien die Kräfte mit Löschfahrzeugen präsent. Die Ländergrenze zu Brandenburg sei durch das Feuer überschritten, sagte Brandenburgs Innenminister René Wilke.
Infolge der Hitzewelle in Deutschland und Europa herrscht aktuell erhöhte Waldbrandgefahr. (rjs/kh mit dpa)
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