Aus altem Sondervermögen

Deutschland gibt hunderte Millionen Euro für Bundeswehr-Raketen aus

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Parallel zur Debatte über zukünftige Verteidigungsausgaben gibt Deutschland eine massive Bestellung für Flugabwehrraketen in den USA auf.

Berlin - Trotz der Verhandlungen zwischen Washington, Kiew und Moskau bleibt der Ukraine-Krieg ein warnendes Beispiel. Deutschland rüstet auch deshalb die Bundeswehr in jener Gemengelage zeitgleich auf, in der die mögliche neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD in Berlin mit den Grünen zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben ringt.

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Aufrüstung der Bundeswehr: Deutsche Streitkräfte erhalten neue Flugabwehr-Raketen

Kampfdrohnen, mehr Panzer, neue Kasernen: Die Bundeswehr hat dem Vernehmen nach einige Wünsche, was die eigene Ausstattung betrifft. Eine Position, die immer wieder betont wird, soll nun weitere Verstärkung erhalten: die Flugabwehr. Konkret: Es geht um die wuchtigen Patriot-Luftverteidigungssysteme.

So hat die Bundeswehr in den USA 120 Lenkflugkörper PAC-3 MSE bestellt. Davon berichtete das Magazin für Europäische Sicherheit & Technik (ESUT) am Dienstag (11. März). Dabei handelt es sich um die modernste Version der rüstungstechnisch verfügbaren Flugabwehrraketen für die „Patriots“ - samt der größtmöglichen Reichweite.

Eine Startvorrichtung für Patriot-Flugabwehrraketen der Bundeswehr. (Symbolfoto)

Flugabwehr für Deutschland: Bundeswehr bestellt PAC-3 MSE für ihre „Patriots“

Die Bestellung hatte der Deutsche Bundestag demnach am 18. Dezember 2024 bewilligt. Die Kosten belaufen sich auf 763,5 Millionen Euro. Finanziert wird der eigentliche Auftragswert in Höhe von 641,6 Millionen Euro demnach noch mit dem alten Sondervermögen der geschäftsführenden Bundesregierung unter Olaf Scholz (SPD). Die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 121,9 Millionen Euro werde durch Mittel aus dem regulären Verteidigungsetat beglichen, schreibt das ESUT.

Produziert werden die PAC-3 MSE (siehe Social-Media-Video unten) vom riesigen amerikanischen Rüstungskonzern Lockheed Martin aus Maryland. Deutschland hatte im Januar 2024 bei den Vereinigten Staaten die Erlaubnis für den Kauf von bis zu 600 PAC-3 MSE erbeten. Die Defense Security Cooperation Agency (DSCA) hatte im August vergangenen Jahres einen maximalen Beschaffungspreis von fünf Milliarden Euro genannt, umgerechnet rund 4,585 Milliarden Euro (Stand: 12. März). Eine einzelne Flugabwehrrakete würde dieser Berechnung zufolge sogar knapp 7,64 Millionen Euro kosten. Die DSCA ist eine US-Behörde, die den Austausch militärischer Technologien mit Verbündeten überwacht, dokumentiert und kontrolliert.

PAC-3-Raketen für Patriot-Flugabwehr: 25 Kilometer Reichweite gegen Kampfjets

Laut Herstellerangaben erhöhen ein verbessertes Radar und ein leistungsgesteigerter Doppelpulsmotor die Präzision und die Reichweite der Flugabwehrraketen im Vergleich zu den Vorgängermodellen PAC-2 und PAC-3. Besagte Reichweite soll bei der Bekämpfung feindlicher Kampfflugzeuge bei 24 bis 25 Kilometern liegen, bei identifizierten ballistischen Raketen bei bis zu 35 Kilometern. Die 2016 eingeführten Raketen sind 5,20 Meter lang, haben einen Durchmesser von 30,4 Zentimetern und ein Gefechtsgewicht von 373 Kilogramm. Die Raketen kommen auf eine Geschwindigkeit von bis zu Mach 4 (maximal 4939,2 km/h).

Die Bundeswehr verfügt derzeit über neun Patriot-Systeme, was im Nato-Vergleich - die USA ausgenommen - recht viele sind. Jede Patriot-Feuereinheit besteht aus bis zu acht Startgeräten M903 auf LKW-Anhängern mit je 16 Lenkflugkörpern, aus einem Feuerleitstand AN/MSQ-104, aus einem Multifunktionsradar und aus Antennenmastanlagen. Deutschland hat von seinen einst zwölf „Patriots“ drei den ukrainischen Streitkräften zur Verteidigung gegen den völkerrechtswidrigen russischen Angriff übergeben.

Luftabwehr für Deutschland: Bundeswehr-Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 24 vor Patriot-Systemen. (Archivfoto)

Für die Bundeswehr: Deutschland beschafft acht weitere Patriot-Systeme

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte im März und im Juli 2024 jeweils dem Kauf von vier weiteren Patriot-Systemen beim US-Hersteller Raytheon zugestimmt. Gesamtwert des Auftrags: 2,68 Milliarden Euro. Die Lieferung der erstgenannten Bestellung soll bis 2029 abgeschlossen sein. Insgesamt soll die Flugabwehrraketengruppe der Bundeswehr in Zukunft somit 17 vollständige Patriot-Batterien besitzen. (pm)

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