Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Deutschland-Wetter: Nächster Hitze-Knall im Anmarsch – mit einer Einschränkung
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Der Sommer legt wieder zu, doch Extremhitze mit 40 Grad bleibt vorerst aus. Das ist eine gute Nachricht – aus mehreren Gründen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Vor einigen Tagen zeigten Wettermodelle eine kräftige Erwärmung für diese Juli-Woche. Und tatsächlich: Der Sommer meldet sich zurück, vielerorts mit Temperaturen über 30 Grad – vor allem im Westen und Süden Deutschlands. Was aber ausbleibt, ist die befürchtete Extremhitze. Werte um 40 Grad, die in ersten Modellläufen angedeutet waren, stehen aktuell nicht mehr im Raum. Und das ist auch gut so. Dennoch scheint es für manche fast enttäuschend zu sein, dass die 40-Grad-Marke nicht geknackt wird.
In den sozialen Medien liest man Fragen wie: „Warum wird es jetzt doch nicht so heiß?“, oder „Kommt die Hitze etwa nicht?“. Man möchte fast meinen, manche hätten sich regelrecht auf die Extremtemperaturen gefreut. Dabei sind 40 Grad in einem mitteleuropäischen Sommer keineswegs normal – sie sind eine Ausnahme, die in der Regel Probleme mit sich bringt. Dass wir jetzt vorerst „nur“ mit 32 oder 33 Grad rechnen müssen, sollte uns nicht traurig machen, sondern erleichtern. Denn je wärmer es wird, desto deutlicher zeigen sich auch die Schwächen unserer Infrastruktur und der Einfluss auf unsere Gesundheit und Wirtschaft.
Wetter in Deutschland: Extreme Hitze ist kein Spaß – und auch kein Sommer-Highlight
Die Ereignisse der letzten Woche haben gezeigt, was 35 bis knapp 40 Grad in Deutschland anrichten können: Waldbrände, überhitzte Bahnstrecken, ausgefallene Züge, Schäden an Autobahnen und eine deutlich spürbare Belastung für viele Menschen – insbesondere für Ältere, Kranke und alle, die im Freien arbeiten. In diesem Zustand kann man sich kaum über noch mehr Hitze freuen.
Dass der enorme Temperaturen vorerst ausbleiben, ist also keine Enttäuschung, sondern eine Entlastung. Deutschland ist weder baulich noch gesellschaftlich auf so extreme Hitzeperioden eingestellt. Viele Gebäude heizen sich stark auf, es fehlt an Kühlkonzepten in Büros, Schulen und Wohnungen. Auch der öffentliche Verkehr kommt schnell an seine Grenzen. Hitze hat also reale Auswirkungen – nicht nur auf den Kreislauf, sondern auch auf unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Wenn das Hitze-Wetter kommt, bremst es das Land aus
Was viele vergessen: Hitze ist ein echter Wirtschafts- und Gesundheitsfaktor. Schon ab etwa 30 Grad sinkt die Produktivität spürbar – sei es in der Industrie, auf Baustellen oder im Büro. Menschen sind schneller erschöpft, die Konzentration leidet, Fehler nehmen zu. Hinzu kommen höhere Krankenstände, steigender Energieverbrauch und zusätzliche Belastungen für Pflege und medizinische Einrichtungen.
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Ein Sommer mit vielen 40-Grad-Tagen kann also mehr kosten als ein verregneter Juli – auch wenn sich das auf den ersten Blick nicht so sommerlich anhört. Deshalb: Statt darüber zu spekulieren, ob die 40 Grad noch kommen, sollten wir froh sein, dass es erstmal nicht so weit ist. Ein warmer, sonniger Sommer ist willkommen – aber extreme Hitze brauchen wir wirklich nicht.
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