Forderung nach Taurus-Flugkörpern

Polen plant „Antwort“ nach Russlands Angriffswelle auf die Ukraine – Deutschland zögert

  • Daniel Geradtz
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Russlands Luftangriffe auf die Ukraine haben Ende des letzten Jahres zugenommen. Nun wird gefordert, das ukrainische Militär mit effektiven Flugkörpern auszustatten.

Kiew – Im Ukraine-Krieg startete Russland zuletzt vermehrt intensive Luftangriffe. Für die Verteidigung scheint die Ukraine gut aufgestellt zu sein. Denn bei den jüngsten Angriffen konnte sie laut eigenen Angaben 87 von 90 Kampfdrohnen abwehren. Doch international werden nun Forderungen laut, das Land mit effektiven Angriffswaffen auszustatten, die auf größere Reichweiten ausgelegt sind.

Russlands Angriffswelle auf Ukraine: Polen will „in einer Sprache antworten, die Putin versteht“

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski schrieb am Mittwoch via X (früher Twitter): „Wir sollten auf die jüngsten Angriffe auf die Ukraine in einer Sprache antworten, die Putin versteht.“ Deswegen seien Raketen mit größerer Reichweite erforderlich, die es „ermöglichen, Abschussanlagen und Kommandozentren auszuschalten“. Ebenfalls sollten die Sanktionen verschärft werden.

Trotz eines Handelskonflikts gehört das Land innerhalb Europas zu einem der größten Ukraine-Unterstützer. Bei seinem Antrittsbesuch kurz vor dem Jahreswechsel machte sich Sikorski dafür stark, dass die Europäische Union und die USA die Ukraine weiterhin mit Waffen ausstatten. Er forderte die Länder auf, ihre Wirtschaft und Produktionsmöglichkeiten zu „mobilisieren“.

Marschflugkörper Taurus.

Ukraine im Krieg gegen Russland: Forderung nach deutschen Langstreckenflugkörpern wie Taurus

Polens neueste Forderungen nach „Antworten“ dürften auch dadurch motiviert sein, dass die russische Armee von Präsident Wladimir Putin bei ihren jüngsten Luftangriffen zum Teil über polnisches Staatsgebiet geflogen sein soll. Dabei wurden mindestens 30 Personen getötet. Die Ukraine reagierte ihrerseits mit Angriffen auf das Gebiet Belgorod.

In Deutschland hält die Diskussion an, ob die Ukraine im Krieg gegen Russland mit Taurus-Marschflugkörpern unterstützt werden soll. Doch die Bundesregierung zögert. Der CDU-Außenpolitiker Röttgen forderte für das Jahr 2024 einen Politikwechsel der Bundesregierung von der „Halbherzigkeit zur Unterstützung mit dem, was da ist“. Die Kritik äußert aber nicht nur die Opposition. Anton Hofreiter (Grüne) fordert Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seit mehreren Monaten auf, den Weg für eine „vernünftige Unterstützung der Ukraine“ freizumachen, wie er im Gespräch mit dem Deutschlandfunk im Oktober sagte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Marschflugkörper der Bundeswehr: Taurus legt bis zu 500 Kilometer zurück

Die Bundeswehr beschreibt auf ihrer Website den Lenkflugkörper Taurus KEPD-350 als ein Angriffssystem, das sein Ziel präzise findet. Zur Orientierung dienen vier voneinander unabhängige GPS-Navigationssysteme. Der Flugkörper wird von Kampfflugzeugen abgeworfen und kann mit seinem Jet-Antrieb bis zu 500 Kilometer zurücklegen, sodass das Militär zum Angriff nicht den feindlichen Luftraum betreten muss.

Der Marschflugkörper Taurus wird von Kampfflugzeugen abgeworfen und kann weite Strecken bis zum Ziel zurücklegen.

Taurus ist mit einem 400 Kilogramm schweren Metallpenetrator ausgestattet, der mit Sprengstoff gefüllt ist. Bei einer Flughöhe von 50 Metern über dem Boden kann der Taurus das Radar unterfliegen. Laut einem Bericht der Tagesschau wird der Stückpreis auf rund eine Million Euro beziffert. (mit AFP-Material)

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