Wahlsieger in Berlin

Die Linke punktet bei der Bundestagswahl mit „wirklichen sozialen Problemen“ und erzielt einen großen Erfolg

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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Die Linke hat bei der Bundestagswahl einen beachtlichen Triumph erlangt. Ein spezielles Anliegen in Berlin hat der Partei besonders genutzt.

Berlin – Neben Union und AfD konnte auch die Partei die Linke einen Erfolg bei der Bundestagswahl verzeichnen. Noch im Januar bangte die Partei um den Einzug ins Parlament, dann startete sie ihre fulminante Aufholjagd. Am Ende stehen 8,77 Prozent zu Buche. Viele Stimmen kamen aus Berlin, wo die Linke vor allem mit einem sozialen Thema punktete.

19,9 Prozent der Zweit- und 21,8 Prozent der Erststimmen gingen in der Hauptstadt an die Partei, was die Linke erstmals zur stärksten Kraft in Berlin machte. Dazu gewann sie vier Wahlkreise. Im Wahlkampf setzte die Partei den Fokus auf soziale Themen. Die Strategie, „an der Seite der Menschen für die Themen zu kämpfen, die sie wirklich bewegen“, sei aufgegangen, sagte Linken-Chef Jan van Aken in der ARD. In Berlin setzte die Linke im Gegensatz zu den anderen Parteien voll auf das Thema bezahlbare Mieten und die Wohnungskrise.

Mieten und bezahlbares Wohnen: Die Linke setzt bei Bundestagswahl auf Erfolgsthemen

Die Linke rief dazu sogar eine App ins Leben: den digitalen Mietwucher-Rechner. Dort können Menschen bundesweit Daten eintragen. Die App vergleicht diese dann mit dem örtlichen Mietspiegel. Das Ergebnis fiel heftiger aus, als es die Partei erwartet hätte. „Das hat ein Ausmaß, das ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagte Linken-Mietexpertin Caren Lay der taz.

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Der Tageszeitung zufolge beteiligten sich bis Ende Januar bundesweit 68.500 Menschen. Dabei habe in mehr als 48.500 Fällen der eingetragene Mietwert die örtliche Vergleichsmiete um mindestens 20 Prozent überschritten, in mehr als 27.500 Fällen sogar um 50 Prozent. Besonders drastisch war das Ergebnis in Berlin. Bei 75 Prozent der Eingaben ermittelte die App zu hohe Mieten, in 42 Prozent sogar um mehr als 50 Prozent.

Erfolg bei der Bundestagswahl: Linke setzt auf „wirkliche soziale Probleme“ – laut Reichinnek „genau richtig“

Das Thema Mieten verfing auch in anderen Teilen Deutschlands und trug so zum guten Wahlergebnis bei der Bundestagswahl bei. Etwa in Baden-Württemberg, wo die Linke 6,8 Prozent der Stimmen einfuhr. „Wir haben die wirklichen sozialen Probleme nach vorne gestellt, wie die hohen Mieten oder die immer weiter steigenden Preise“, sagte Linken-Spitzenkandidatin Sahra Mirow im SWR. Das sei von den Wählerinnen und Wählern belohnt worden.

Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken (v. l. n. r.) freuen sich über das Ergebnis der Linken bei der Bundestagswahl.

Das sieht auch Linken-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek so. Das Ergebnis habe „eindeutig gezeigt, dass unser Fokus auf soziale Themen Erfolg hatte, dass es genau richtig war, den Menschen zuzuhören“, sagte sie in der ARD. Im Bundestag wolle sie sich für „genau die Themen“ einsetzen, für die die Partei Wahlkampf gemacht habe, vor allem für einen Mietendeckel und ein gerechtes Steuersystem. Dafür werde sie kämpfen, „mit so einer starken Fraktion natürlich lauter und deutlicher als je zuvor“. (mt)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Carsten Koall

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