Abtreibungsrechte

Die „Oktober-Überraschung“ vor der US-Wahl: Melania Trump

  • VonTadhg Nagel
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Unter den Anhängern von Donald Trump gibt es viele Abtreibungsgegner, die er oft unterstützt hat. Seine Ehefrau vertritt eine völlig andere Position.

Washington, D.C. – In Melania Trumps Memoiren erklärt sich die ehemalige First Lady der USA Medienberichten zufolge zur Befürworterin von Abtreibungen. Das könnte ihrem Ehemann, dem republikanischen Kandidaten und ehemaligen Präsidenten Donald Trump, schaden – oder sogar helfen.

Trump hat ihre politischen Ansichten selten öffentlich geäußert und war beim bisherigen Wahlkampfprozess ihres Mannes für eine zweite Amtszeit im Weißen Haus auffällig abwesend. Jetzt, nur wenige Wochen vor der Wahl am 5. November, sorgt sie jedoch für Aufsehen. In ihren Memoiren, die einen Monat nach der US-Wahl veröffentlicht werden sollen, gibt sie eine außergewöhnliche Erklärung ab. Die ehemalige First Lady behauptet dort, sie sei eine leidenschaftliche Verfechterin des Rechts einer Frau, über ihren eigenen Körper zu bestimmen, einschließlich des Rechts auf Abtreibung. Das berichtete unter anderem der britische Guardian.

Melania Trump könnte für die Republikaner zum Problem werden – oder zum Sieg der US-Wahl beitragen

„Es ist zwingend notwendig zu garantieren, dass Frauen autonom entscheiden können, ob sie Kinder haben möchten, basierend auf ihren eigenen Überzeugungen, frei von jeglicher Einmischung oder Druck seitens der Regierung“, schreibt die Ehefrau des republikanischen Präsidentschaftskandidaten dort laut dem Bericht. „Warum sollte jemand anderes als die Frau selbst die Macht haben, zu bestimmen, was sie mit ihrem eigenen Körper macht? Das Grundrecht einer Frau auf individuelle Freiheit, auf ihr eigenes Leben, verleiht ihr die Autorität, ihre Schwangerschaft abzubrechen, wenn sie dies wünscht“, ist Melania Trump überzeugt.

Melania Trump könnte dem Walkampf ihres Ehemanns zu einer überraschenden Wendung verhelfen.

„Das Recht einer Frau einzuschränken, zu entscheiden, ob sie eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen möchte“, ist ihr zufolge „dasselbe, wie ihr die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu verweigern“. Diese Überzeugung habe sie ihr „Erwachsenenleben lang“ gehabt, äußert Trumps Ehenfrau dort – inmitten einer Wahlkampagne, in der Donald Trumps Drohungen gegen die reproduktiven Rechte von Frauen eine zentrale Rolle spielen. Und trotz der starken Verschlechterung der reproduktiven Rechte von Frauen in Trumps erster Amtszeit.

Donald Trump war stets gegen Abtreibungen – Harris hat das erkannt und im Wahlkampf genutzt

Unklar ist bisher, wie sich diese Äußerungen auf den Wahlkampf auswirken werden. Aktuellen Umfragen zufolge könnte das knappe Rennen zwischen Trump und der demokratischen Kandidatin Kamala Harris von einer kleinen Anzahl von Wählern in entscheidenden Swing-States entschieden werden. Abtreibung bleibt dabei ein Top-Thema. Harris hat das erkannt. Sie hat die Verteidigung der Abtreibungsrechte zu einem zentralen Thema ihrer Kampagne gemacht und erklärt, dass die sie durch eine zweite Präsidentschaft Trumps landesweit bedroht sein könnten.

„Zum Leidwesen der Frauen in ganz Amerika ist der Ehemann von Frau Trump ganz anderer Meinung als sie und ist der Grund dafür, dass mehr als jede dritte amerikanische Frau unter einem Abtreibungsverbot von Trump lebt, das ihre Gesundheit, ihre Freiheit und ihr Leben bedroht“, so Sarafina Chitika, Sprecherin der Harris-Kampagne, gegenüber dem US-Portal Newsweek. Er habe deutlich gemacht, dass „er Abtreibungen landesweit verbieten, Frauen bestrafen und den Zugang von Frauen zur reproduktiven Gesundheitsversorgung einschränken“ wolle, sei Chitika überzeugt gewesen.

Trumps Republikaner haben Abtreibungen erschwert – helfen Melania Trumps Aussagen bei der US-Wahl?

In letzter Zeit habe Trump jedoch ein eher ambivalentes Bild abgegeben, so der Bericht. Diese Woche habe er angekündigt, zum ersten Mal sein Veto gegen ein nationales Abtreibungsverbot einzulegen – obwohl er das in Debatten mit Harris immer wieder abgelehnt hatte. Schon zuvor habe er aber durchscheinen lassen, dass extreme Positionen zur Abtreibung den Republikanern eher schaden könnten; vor allem bei einer großen Gruppe von potenziellen Wählerinnen: den Frauen. Solche Aussagen hätten die strikten Abtreibungsgegner unter seinen Anhängern dann aber sofort mit Missfallen quittiert.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Melania Trumps Verteidigung der Abtreibungsrechte sei deshalb „eine bedeutende Entwicklung, die komplexe Auswirkungen auf Donald Trumps Wahlkampf haben könnte“, so Craig Agranoff, Professor für politisches Marketing an der Florida Atlantic University, gegenüber dem Portal. Der Zeitpunkt der Memoiren füge „eine Ebene der Unvorhersehbarkeit hinzu“, so Agranoff weiter. Für diejenigen, die nach Gründen suchen würden, Trump zu misstrauen, könne „dieser Moment ein Katalysator sein“. Daher sei möglich, dass Melania Trumps Äußerungen als „Oktober-Überraschung“ entpuppen könnten. „Aber ob es eine Hilfe oder ein Hindernis ist, hängt davon ab, wie es der Kampagne gelingt, das Gespräch in den kommenden Wochen zu gestalten“, habe er hinzugefügt. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Annabelle Gordon