„Ratten öffentlich hinrichten“
Trumps radikale Fans rufen nach Anklage zu Gewalt und Bürgerkrieg auf
VonFranziska Schwarzschließen
Dass US-Politiker teils „voll auf die zwölf“ gehen, ist nicht neu. Die Sprache einiger Donald-Trump-Anhänger wiederum ist wirklich nichts für schwache Nerven.
New York – Die Bilder des Kapitol-Sturms 2021 haben sich eingeprägt. Wie es zu der Gewalt kommen konnte, klären noch Gerichte. Nun fürchten Beobachter der US-Politik neue, ähnliche Gewalt. Anlass ist die Rhetorik einiger Republikaner. Nach der Anklage gegen Donald Trump verschärfen sie ihren Tonfall.
„Wenn Sie Präsident Trump erreichen wollen, müssen Sie über mich gehen, und Sie müssen über 75 Millionen Amerikaner wie mich gehen“, zitierte der Guardian etwa Kari Lake aus einer Rede in Arizona am Freitag (9. Juni). Die gescheiterte Gouverneurs-Kandidatin bezog sich dabei auf die Anklage gegen Donald Trump, die heute in Miami verhandelt wird. „Und ich sage Ihnen, die meisten von uns sind Mitglieder der NRA. Das ist keine Drohung, das ist eine öffentliche Ankündigung.“
Die Republikanerin erntete dafür Applaus. Die NRA ist die US-Waffenlobby National Rifle Association.
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern




Trump-Anhänger-Rhetorik schürt Ängste vor gewalttätigem Protest in den USA
„Was in den Vereinigten Staaten passiert, ist, dass politische Gewalt vom Rand in den Mainstream übergeht“, sagte der Politikwissenschaflter Robert Pape Anfang Juni dem Guardian. Die New York Times hielt kürzlich fest, dass der Talkshow-Moderator Pete Santilli das Militär dazu aufrief, US-Präsident Joe Biden „mit Kabelbindern festzuhalten, ihn auf die Ladefläche eines Pickups zu setzen und ihn aus dem Weißen Haus zu holen“.
Ironie, nur ein Witz? Auf jeden Fall gewalttätige Rhetorik. Auch der Rolling Stone ist alarmiert. Laut dem Bericht riefen Anhänger von Donald Trump in einem Online-Thread zu Gewalt auf, um ihn wieder als US-Präsident zu bekommen, und zwar so: „Die einzige Möglichkeit, wie dieses Land jemals so werden kann, wie es die Verfassung vorschreibt, besteht darin, dass Tausende verräterischer Ratten öffentlich hingerichtet werden.“
Der Online-Thread der Trump-Anhänger fiel auch der Vice auf, die folgende Einträge fand: „Wir müssen anfangen, diese verräterischen Scheißkerle zu töten“, oder: „Es wird nicht aufhören, bis sich die Leichen stapeln. Wir sind nicht mehr zivil vertreten und sie werden uns als Nächstes holen.“
Gewalt-Rhetorik im US-Wahlkampf könnte „einsame Wölfe“ anstacheln
Das war jetzt nicht in der breiten Öffentlichkeit, sondern wie gesagt nur in einem Pro-Trump-Forum. Und nur der Eintrag einzelner Trump-Anhänger. Aber es war in einer gewissen Öffentlichkeit – und was den Tonfall angeht: besorgniserregend auf dem Vormarsch? Der US-Journalist und Buchautor Jeff Sharlet schätzte es auf Anfrage des Guardian so ein: „Jeden Tag untergräbt es die Hoffnung der Demokratie. Jeden Tag ermutigt es sogenannte „einsame Wölfe“ – die echten Milizen, an die solche nicht so verschlüsselten Signale gesendet werden –, Maßnahmen zu ergreifen.“
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus




Die University of Chicago hat Einstellungen in den USA zu politischer Gewalt untersucht. Ihre Ergebnisse (hier als PDF) veröffentlichte sie im Januar 2022 und schrieb dazu: „Es ist ernüchternd: Acht Prozent der erwachsenen Amerikaner – also etwa 21 Millionen Menschen – glauben, dass die vergangene US-Wahl ‚gestohlen‘ war UND dass Gewalt gerechtfertigt wäre, Trump wieder zum Präsidenten zu machen.“ Laut dem Guardian ist diese Zahl inzwischen wieder gesunken. Donald Trump hat angekündigt, dass er bei der US-Wahl 2024 erneut antreten will. (frs)
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