Medikamente des Präsidenten?

Verschwörungstheorie vor TV-Duell: Trump-Anhänger unterstellen Biden einen Hang zu Aufputschmitteln

  • VonSimon Schröder
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Vor dem TV-Duell zwischen Biden und Trump brodelt die Gerüchteküche. Das Trump Lager unterstellt dem 81-jährigen Präsidenten die Einnahme von Aufputschmitteln.

Washington, D.C. – Schon jetzt überschlagen sich die Theorien um die anstehende Debatte zwischen Präsident Joe Biden und seinem Gegner Donald Trump. Die Anhänger des mittlerweile verurteilten Straftäters vermuten schon vor der Debatte, die auf CNN am 27. Juni übertragen wird, ein falsches Spiel. Joe Biden werfen sie Doping und die Nutzung von Aufputschmitteln vor.

Sean Hannity, ein rechts-konservativer Moderator für Fox News, spekulierte im Gespräch mit Trumps Schwiegertochter Lara Trump über Bidens Gesundheitszustand: „Ich denke, der Joe Biden, den wir am Abend der Debatte sehen werden, wird genauso drauf sein, wie wir ihn bei der Lage der Nation gesehen haben.“ Hannity fügte hinzu: „Er wird ganz aufgeregt sein, voll gepumpt mit Koffein, oder was auch immer ‚das‘ ist.“

Präsident Joe Biden und Donald Trump: Die zwei Streithähne werden sich am 27. Juni ein Wortgefecht liefern.

Biden mit feuriger Rede zur Lage der Nation: Trump und Republikaner kritisieren seinen Enthusiasmus

Zuvor hatten Bidens Gegner seinen Enthusiasmus bei der Rede zur Lage der Nation im März kritisiert. Der sonst eher zurückhaltende Biden schien während der Rede voller Energie. Doch das passte den Republikanern ganz und gar nicht. Denn schon lange belächelt das Trump-Lager Bidens Alter und bezeichnet den Präsidenten gerne als „Sleepy Joe“. Da passte die brennende Rede zur Lage der Nation nicht ins Bild.

Die Verschwörungstheorie, Biden würde Drogen zu sich nehmen, ist unter Republikanern und Trump-Anhängern weit verbreitet. Bereits die Woche zuvor spekulierte Hannity über mögliche Substanzen, die der amtierende Präsident zu sich nehmen würde.

„Was auch immer Joe vor der Rede zur Lage der Nation getrunken, gegessen oder genommen hat – vielleicht waren es nur Red Bull und Koffeinpillen. Ich weiß es nicht“, spekulierte Hannity weiter. „Was auch immer es war, das war nicht der normale Joe. Wir haben ihn so nie zuvor gesehen, und wir haben ihn seitdem so nicht mehr gesehen. Aber wir werden ihn in der Debatte genauso erleben.“

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Republikanischer Abgeordneter schlägt Gesetz gegen Biden vor – Drogentest für Biden vor Debatte?

Abgeordneter der Republikaner im US-Repräsentantenhaus Andy Ogles schlug beispielsweise den „No Juicing Joe Act“ vor. Das Gesetz würde Biden dazu verpflichten, eine Liste aller Medikamente zu veröffentlichen, die er einnimmt, um seine kognitiven Fähigkeiten zu verbessern, wie die New York Post berichtet.

Auch Trump verlangte von Biden einen Dopingtest vor der Debatte zu machen, um sicherzugehen, dass der Präsident nicht auf Aufputschmittel zurückgreift. „Ich werde übrigens auch einen Drogentest verlangen“, kündigte Trump an. „Ich will nicht, dass er wie bei der Rede zur Lage der Nation auftritt, er war total high.“

Tatsächlich ist ein Drogentest nicht unter den Regeln der CNN-Präsidentschaftsdebatte. Doch damit haben Trump und seine Anhängerinnen und Anhänger eine praktische Ausrede parat, sollte die Debatte nicht für den Ex-Präsidenten nach Plan verlaufen. (sischr)

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