Affäre um Regierungsdokumente

„Jetzt haben wir ein Problem“: Tonaufnahme bringt Trump in Erklärungsnot

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
    schließen

Donald Trump gibt in der Affäre um geheime Regierungsdokumente die verfolgte Unschuld. Eine Tonaufnahme könnte ihn teuer zu stehen kommen.

Die Veröffentlichung der Tonaufnahme in der Affäre um geheime Regierungsdokumente bringt Donald Trump in die Bredouille.

Washington, D.C. - Donald Trump wäscht seit Tagen seine Hände in Unschuld. Die Anklage gegen ihn in der Affäre um Geheimdokumente der Regierung sei nichts anderes als „Wahleinmischung auf höchster Ebene“, behauptet er bei seinen Auftritten immer wieder. Den Demokraten und US-Präsident Joe Biden wirft er offen vor, eine politisch motivierte „Hexenjagd“ gegen ihn zu betreiben, um ihn vom Wiedereinzug ins Weiße Haus abzuhalten. Es handele sich um „Kriegsführung“ mit juristischen Mitteln, klagt Trump, der sich inzwischen auch als Märtyrer inszeniert.

Doch nun könnte ihn die Veröffentlichung einer Tonaufnahme in Erklärungsnot bringen. Die vom US-Sender CNN publik gemachte Aufzeichnung enthält Details aus dem Gespräch, das ein entscheidender Beweis für die Anklage des vom Justizministerium eingesetzten Sonderermittlers Jack Smith gegen Trump wegen des Missbrauchs geheimer Informationen ist.

Audioaufnahme bringt Donald Trump in Erklärungsnot

Die Existenz der Aufnahme war schon bekannt – ihre Abschrift ist zentraler Bestandteil der Anklageschrift. Auch hatten Medien bereits über die Tonaufnahme berichtet, die bislang aber noch nicht veröffentlicht worden war. Sie war im Juli 2021 in Trumps Golfclub Bedminster entstanden, wo er sich mit Personen unterhielt, die Trumps ehemaligen Stabschef Mark Meadows beim Schreiben eines Buches halfen. Trumps Assistentin Margo Martin zeichnete regelmäßig Gespräche auf, um sicherzustellen, dass seine Bemerkungen korrekt wiedergegeben wurden.

Trump hatte immer wieder behauptet, Verschlusssachen seien nach der Mitnahme in sein Privatanwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida nicht mehr als geheim eingestuft gewesen. Die Aufnahme könnte Trumps Argumentation untergraben. Konkret scheint es in der Unterhaltung um ein geheimes Pentagon-Dokument zu einem Angriff auf den Iran zu gehen, das Trump herumzeigt.

Ex-Präsident Donald Trump bei einer Veranstaltung der republikanischen Partei im US-Bundesstaat Michigan.

„Das sind die Papiere“, sagt Trump in der Audioaufnahme, während er über die Angriffspläne des Pentagons spricht – ein Zitat, das in der Anklageschrift nicht enthalten war. „Das wurde vom Militär gemacht und mir übergeben“, fährt Trump fort. „Als Präsident hätte ich es freigeben können“, sagt er. „Jetzt kann ich es nicht, das ist alles noch geheim.“ Die meisten finden das alles ganz lustig, es wird viel gelacht. Eine Mitarbeiterin sieht aber schon dunkle Wolken aufziehen: „Jetzt haben wir ein Problem.“

Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

Donald Trump als Moderator von The Apprentice, einer Reality-TV-Serie in den USA
Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
Donald Trump und Marla Maples bei ihrer Hochzeit im Dezember 1993
Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

Donald Trump weist in Affäre um Geheimdokumente alle Schuld von sich

Trump selbst reagierte sofort auf die Veröffentlichung der Tonaufnahme. Auf Truth Social sprach er erneut von einer „fortwährenden Hexenjagd“. Sonderermittler Jack Smith beschimpfte er als „geistesgestört“. Smith, das Justizministerium und das FBI hätten die Aufzeichnung illegal an die Presse durchsickern lassen und die Tatsachen verdreht – tatsächlich stelle die Aufnahme eher eine Entlastung für ihn dar.

Die Bundespolizei FBI hatte im August 2022 Trumps Anwesen Mar-a-Lago durchsucht und dort zahlreiche Verschlusssachen aus seiner Amtszeit beschlagnahmt, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe. Dadurch, dass Trump vertrauliche Regierungsdokumente nach seiner Amtszeit in privaten Räumen aufbewahrte, könnte er sich strafbar gemacht haben. Er wurde Mitte Juni in der Affäre angeklagt und musste persönlich vor einem Bundesgericht in Miami erscheinen. Trump plädierte in allen 37 Anklagepunkten auf „nicht schuldig“. Es war das erste Mal, dass ein früherer US-Präsident vor einem Bundesgericht erscheinen musste, um sich einer Anklage zu stellen. (cs/dpa)

Rubriklistenbild: © Al Goldis/FR11125 AP/AP

Mehr zum Thema