Größere Angriffe erwartet

Gegenoffensive der Ukraine: Das ist aktuell über Erfolge und Rückschläge bekannt

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Die Ukraine lässt ihre Gegenoffensive anrollen. An mehreren besetzten Orten konnte laut Kiew bereits wieder die ukrainische Flagge gehisst werden.

Update vom 13. Juni, 07.26 Uhr: Über den Fortschritt der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Operationen lobte und seinen Soldatinnen und Soldaten dafür dankte, dass die ukrainische Flaggen wieder an ihren „rechtmäßigen Platz“ zurückkehrten, zeigten sich andere Militärbeobachter noch zurückhaltend. So bezifferte Nato-General a.D. Hans-Lothar Domröse die Geländegewinne der Ukraine gegenüber Russland auf ein bis zwei Kilometer pro Tag.

Das sei noch „kein durchschlagender Erfolg“, sagte der dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Wichtig sei es nun, dass die Landverbindung der Russen zur Krim abgeschnitten werden würden, damit die ukrainischen Truppen in Richtung Mariupol und Melitopol am Asowschen Meer vorstoßen könnten.

Die ukrainische Armee hat mit Gegenangriffen auf russische Streitkräfte begonnen. (Symbolbild)

Ukraine-Krieg: Kiew meldet erste Erfolge bei der begonnenen Gegenoffensive

Erstmeldung vom 12. Juni, 20.44 Uhr: Kiew - Im Ukraine-Krieg konnte Kiews Gegenoffensive wohl erste Erfolge verzeichnen. Ukrainischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge weitere kleine Geländegewinne erzielt. Das Dorf Storoschewe im Gebiet Donezk sei eingenommen worden, teilte die ukrainische Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar am Montag auf ihrem Telegram-Kanal mit. „Die Nationalflagge weht wieder über Storoschewe und so wird es mit jeder Ortschaft sein, bis wir die ukrainische Erde völlig befreit haben“, schrieb sie.

Storoschewe liegt an der Grenze zwischen den Regionen Donezk und Saporischschja in der Gegend, wo ukrainische Truppen auch am Vortag bereits die Einnahme mehrerer Siedlungen verkündet hatten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Militärexperte erwartet noch größere Offensive der Ukraine

Explizit hat Kiew den Beginn seiner lange angekündigten Großoffensive zur Befreiung von Russland besetzten Gebieten noch nicht bestätigt. Militärexperten gehen allerdings davon aus, dass diese bereits läuft. Die Geländegewinne unterstreichen dies. Gegenüber der amerikanischen Publikation Newsweek sagte der britische Militärexperte Philip Ingram, dass er eine große Offensive der Ukraine erwarte, sobald erste russische Posten durchbrochen wurden. „Bis dahin wird die Ukraine weiter einzelne Stellungen einnehmen und nicht verraten, wo eine größere Offensive starten wird“.

Der Vorstoß der Ukrainer verläuft zurzeit entlang des Flusses Mokri Jaly. Storoschewe liegt auf der Westseite des Flusses wie auch das zuvor als zurückerobert gemeldete südlichere Makariwka. Laut Kiew haben die in dem Gebiet agierenden russischen Truppen einen Damm gesprengt, um das weitere Vorgehen der Ukrainer zu bremsen. Die Auswirkungen des Dammbruchs sind noch unklar. Mokri Jaly ist ein relativ kleiner Fluss. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

Ukraine-Krieg: Russland berichtet von abgewehrten Angriffe an der Südfront

Russlands Militär meldete hingegen, Angriffsversuche ukrainischer Truppen an der Südfront abgewehrt zu haben. Durch „energische Handlungen der verteidigenden Einheiten“ habe man drei Angriffe aus Richtung Welyka Nowosilka in Donezk und im Raum der Ortschaft Lewadne im Gebiet Saporischschja abgewehrt, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montag.

Er sprach zugleich davon, dass ukrainische Truppen unter anderem in der Siedlung Neskutschne getroffen worden seien. Die Siedlung galt bislang als russisch kontrolliert, ehe am Wochenende ukrainische Einheiten Bilder vom Hissen der Nationalflagge im Dorf veröffentlichten. Der nun von Moskau gemeldete Beschuss gilt als weiteres Indiz dafür, dass Neskutschne nicht mehr unter russischer Kontrolle ist. Aus russischen Militärkreisen gab es mitunter auch Versuche, die ukrainischen Vorstöße zu relativieren. Dem Institute for the Study of War zufolge hieß es demnach, dass die Ukraine lediglich in „Graubereichen“, also zuvor bereits umkämpften Regionen, Erfolge erzielen konnte. (dpa/lp)

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