Aufritt nach TV-Duell

Nach TV-Duell-Blamage: Nächste Demokratin fordert Biden-Rückzug – „Es steht zu viel auf dem Spiel“

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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    Laura May
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Mit einem TV-Interview wollte Joe Biden nach dem verpatzten TV-Duell gegen Trump wieder überzeugen. Doch Zweifel kann er nicht ausräumen.

Update vom 7. Juli, 7.28 Uhr: Eine weitere Kongressabgeordnete hat sich öffentlich gegen US-Präsident Joe Biden gewendet. „Präsident Biden ist ein guter Mann und ich schätze sein lebenslanges Engagement“, schrieb die Demokratin Angie Craig auf der Online-Plattform X. „Aber ich glaube, er sollte Platz machen für die nächste Führungsgeneration. Es steht zu viel auf dem Spiel.“ Craig ist damit eine von inzwischen fünf Demokratinnen und Demokraten im Repräsentantenhaus, die einen Rückzug von Biden fordern. Biden beharrt trotz wachsender Kritik aus der eigenen Partei auf seiner Eignung für eine zweite Amtszeit

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Nach Bidens TV-Interview: Zweifel an Eignung halten an

Update vom 6. Juli, 9 Uhr: Ein weiterer demokratischer Abgeordneter hat Biden offen zum Rückzug aufgefordert. Nur wenn Biden aus dem Rennen ums Präsidentenamt aussteige, könne eine „totale Katastrophe“ verhindert werden, warnte Mike Quigley. Berichten zufolge versucht zudem der Senator Mark Warner eine Gruppe von Demokraten hinter sich zu versammeln, um Biden davon zu überzeugen, aus dem Rennen auszusteigen. Angesprochen auf Warner sagte Biden im TV-Interview im Sender ABC News: „Er ist ein guter Mann (...). Ich respektiere ihn.“

Ein neues Interview soll Bidens verpatztes TV-Duell ausgleichen.

Biden verweigert Stellungnahme nach TV-Duell: „Werde diese Frage nicht beantworten“

Update vom 6. Juli, 8.03 Uhr: Was wäre, wenn Bidens Vertraute ihn warnen würden, dass sein Verhalten sich auch negativ auf die Mehrheiten im US-Kongress auswirken würden? In seinem TV-Interview von Freitagabend (Ortszeit) weigerte sich Präsident Joe Biden, näher darauf einzugehen. „Ich werde diese Frage nicht beantworten. Das wird nicht passieren“, entgegnete Biden. Alle sagten ihm, er solle als Kandidat für die Demokraten gegen Trump im Rennen bleiben, deswegen denke er nicht an Rückzug.

Bei der US-Wahl 2024 im November werden neben dem Präsidentenamt auch viele Sitze im Parlament neu vergeben. Unter Demokraten steigt die Angst, dass die Republikaner künftig sowohl im Weißen Haus als auch im Kongress die Kontrolle haben könnten.

Joe Biden kämpft in TV-Interview um Kandidatur – Nur eines könne ihn zum Rückzug bewegen

Update vom 6. Juli, 6.10 Uhr: Joe Biden hat in einem TV-Interview Zweifel an seiner Eignung als Präsidentschaftskandidat zurückgewiesen und auf wachsende Kritik stur reagiert. „Ich glaube nicht, dass jemand qualifizierter ist, Präsident zu sein oder dieses Rennen zu gewinnen, als ich“, äußerte er in dem rund 20-minütigen Interview mit ABC News. Nur der Gott könne ihn zum Rückzug bewegen: „Wenn der Allmächtige kommt und sagt: ,Joe, steig aus dem Rennen aus‘, dann steige ich aus dem Rennen aus. Aber der Allmächtige wird nicht kommen“, sagte der gläubige Katholik. Seinen verheerenden TV-Duell-Auftritt erklärte er erneut mit Jetlag und einer Erkältung.

Das Interview, das eigentlich dazu dienen sollte, den Schaden zu begrenzen, hat laut ersten Expertenmeinungen nicht dazu beigetragen, die innerparteilichen Zweifel an Biden zu zerstreuen. Sein Auftritt ließ nicht den Eindruck entstehen, dass er die Schwere der Situation erkannt hat.

Stattdessen stellte Biden die Verlässlichkeit von Umfragen infrage, die ihm einen weiteren Rückgang der Unterstützung bescheinigten. „Das kaufe ich nicht ab“, war Bidens Reaktion darauf. Seine Berater würden ihm eine andere Sichtweise vermitteln.

Joe Biden rechtfertigt sich in TV-Interview – Kognitiven Test wie einst Trump lehnt er ab

Biden lehnte auch auf wiederholte Nachfragen des Journalisten George Stephanopoulos eine medizinische Überprüfung seiner geistigen Leistungsfähigkeit ab. „Ich absolviere jeden Tag einen kognitiven Test. (...) Wissen Sie, ich mache nicht nur Wahlkampf, ich regiere die Welt“, unterstrich Biden. Dies mag überzogen wirken, aber die USA seien schließlich die bedeutendste Nation der Welt.

Stephanopoulos hatte Biden zuvor gefragt, ob er bereit sei, sich einer unabhängigen medizinischen Untersuchung zu unterziehen, die auch neurologische und kognitive Tests beinhalte – und ob er die Ergebnisse veröffentlichen lassen würde. Während seiner Amtszeit hatte Trump einen solchen Test durchgeführt. Er war aufgrund seines unberechenbaren politischen Stils mit Fragen zu seiner geistigen Kompetenz konfrontiert. Der Republikaner absolvierte damals einen Test, der zur Früherkennung bei Verdacht auf Demenz und Alzheimer eingesetzt wird. Trump bestand damals laut seinem Arzt mit der vollen Punktzahl von 30 Punkten.

„Bleibe im Rennen“ – Biden sieht sich nach TV-Duell weiter als Kandidat der Demokraten gegen Trump

Update vom 5. Juli, 21.57 Uhr: Rücktritt und Rückzug ausgeschlossen: Trotz des Debakels im TV-Duell gegen seinen Herausforderer Donald Trump besteht Joe Biden darauf, im Präsidentschaftsrennen zur US-Wahl 2024 zu bleiben. „Lassen Sie mich, das so klar sagen, wie ich kann: Ich bleibe im Rennen. Ich werde Donald Trump schlagen“, sagte der 81 Jahre alte US-Präsident bei einem Wahlkampfauftritt in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin. 

Am Abend will der in der Kritik stehende Biden seine Position noch in einem großen TV-Interview bei ABC-News darlegen. Nachdem er vor wenigen Tagen schwere Aussetzer im TV-Duell hatte, waren Rücktrittsrufe laut geworden. Das Interview wird deswegen mit großer Spannung erwartet. Dennoch verfolgt Biden einen riskanten Interview-Plan nach dem desaströsen TV-Duell, der das „Fass zum Überlaufen“ bringen könnte.

Interview bei ABC News: Joe Biden kämpft gegen Zweifel und die Rufe nach Rücktritt

Erstmeldung: Washington – Ein großes TV-Interview soll Joe Biden wieder beliebter machen. Nach seinem schwachen TV-Duell gegen Donald Trump steht der demokratische US-Präsident vier Monate vor der US-Wahl 2024 enorm unter Druck. Der 81-Jährige agiert unter intensiver Beobachtung – jeder Auftritt wird genau verfolgt. Er versucht, jeglichen Zweifel an seiner Eignung für das Amt zu zerstreuen.

Spontane Live-Auftritte ohne Teleprompter fallen Biden schwer. Der Druck auf den Präsidentschaftskandidaten ist aber offenbar so groß, dass Biden TV-Journalist George Stephanopoulos in Wisconsin nun doch Rede und Antwort stehen wird. Das gesamte Interview soll zur besten Sendezeit (2 Uhr in der deutschen Nacht zum Samstag) auf ABC-News ausgestrahlt werden. Auch im Wahlkampf 2020 hatte Biden ABC-News ein solches Interview in der Sendung „Good Morning America“ gegeben.

Rückzug Bidens aus US-Wahlkampf – Umfragen sprechen klare Sprache

Bidens Wahlkampfteam hat laut dpa außerdem angekündigt, dass der Präsident in den kommenden Wochen in umkämpfte Bundesstaaten reisen wolle. Dabei werde der 81-Jährige auch öfter frei sprechen. Nach seinem TV-Debakel verschlechterten sich die Umfragewerte des Demokraten nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in den wichtigen Bundesstaaten, die nicht klar den Demokraten oder Republikanern zugerechnet werden. Diese gelten in der Regel als wahlentscheidend.

Interview soll Kehrtwende bringen – doch Geldgeber wenden sich nach TV-Duell ab

Auch innerhalb der Demokraten schwindet der Rückhalt für Biden. Großspender der Demokratischen Partei wenden sich bereits vor dem Interview von ihm ab – darunter die Enkeltochter eines Gründers des Medienunternehmens Disney. Der Sender NBC und die New York Times berichteten, dass eine wohlhabende Disney-Erbin ihre finanzielle Unterstützung für die Partei so lange zurückhalten wolle, bis Biden sich aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zurückzieht.

„Biden ist ein guter Mann, der seinem Land gut gedient hat, aber es steht viel zu viel auf dem Spiel, um zuzulassen, dass Zaghaftigkeit unser Vorgehen bestimmt“, zitierten beide Medien aus einem Statement von Abigail Disney. (lm/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Artem Priakhin / SOPA Images

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