Flutkatastrophen in Zentraleuropa

Hochwasser in Österreich: Rekordmengen registriert –  Wetter-Experte ordnet Lage ein

  • VonJohannes Graf
    schließen

In den vergangenen Tagen wurden Teile von Österreich von außergewöhnlich starken Regenfällen heimgesucht, die weit über den üblichen Mengen für den September lagen. Ein Experte ordnet ein.

Wien – Trotz nachlassender Regenfälle gibt es in den Hochwasser-Gebieten in Mittel- und Osteuropa weiter keine Entwarnung: In Österreich wurden im stark betroffenen Bundesland Niederösterreich am Montag und in der Nacht zu Dienstag sieben Ortschaften im Tullnerfeld evakuiert, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. Das Rote Kreuz hat in der Messe in Tulln demnach eine Notunterkunft für bis 1000 Menschen eingerichtet.

Bisher kamen durch die von tagelangem Starkregen verursachten Überschwemmungen in Österreich, Tschechien, Polen und Rumänien mindestens 18 Menschen ums Leben. In Österreich war am Montagabend ein weiterer Toter in den Fluten entdeckt worden.

Bilder zeigen dramatisches Hochwasser in Österreich – Wassermassen fluten Wien

Ein Flusskreuzfahrtschiff hat in Wien am Anleger festgemacht. Die Passagiere das Schiff jedoch nicht verlassen, weil der Anleger im Hochwasser nicht zugänglich ist.
Wassermassen rauschen durch den Wienfluss. In Wien hat sich die Hochwassersituation am Montag (16. September) leicht entspannt.
Der Donaukanal ist am Sonntag (15. September) in der Innenstadt über die Ufer getreten.
Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verdeutlichen den krassen Pegelanstieg des Wienflusses nach dem Starkregen in Österreich.
Bilder zeigen dramatisches Hochwasser in Österreich – Wassermassen fluten Wien

Hochwasser in Österreich: Rekordniederschläge in mehreren Regionen

Wie Meteorologe Johannes Graf von wetter.net berichtet, waren in Österreich besonders Orte wie Lilienfeld, St. Pölten, Langenlebarn und Lunz am See betroffen. Hier wurden demnach zwischen 300 und 400 Millimeter Regen gemessen. Auch in Wien, etwa in den Stadtteilen Mariabrunn und Stammersdorf, erreichten die Regenmengen laut Graf bis zu 300 Millimeter. Fotos zeigten bereits am Sonntag die Wassermassen vor Ort. Auch Schnee wurde in zahlreichen Regionen registriert.

In St. Pölten fiel demnach innerhalb von 24 Stunden am Wochenende die zweithöchste Regenmenge, die jemals in Österreich registriert wurde: 225 Millimeter. Auch über einen längeren Zeitraum hinweg brachen viele Orte Rekorde, wie zum Beispiel Lilienfeld, wo 371 Millimeter Regen fielen und den bisherigen Rekord von 273 Millimetern aus dem Jahr 1997 deutlich übertrafen.

Hochwasser in Österreich: Extreme Niederschläge vor Ort

Nicht nur einzelne Orte, sondern auch große Teile der Region, erlebten extreme Niederschläge. In Niederösterreich lag der Durchschnitt laut Meteorologe Graf bei rund 100 Millimetern, in Wien bei etwa 200 Millimetern – Werte, die deutlich über den vergangenen großen Regenereignissen liegen.

In Österreich (l.) und Tschechien (r.) ist die Hochwasserlage brisant. Ganze Ortschaften stehen unter Wasser.

Hochwasser in Österreich ist seltenes Wetterereignis

Laut GeoSphere Austria handelt es sich um ein seltenes Wetterereignis, dessen Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar sind. Wie Graf weiter einordnet, stehe bereits jetzt fest, dass diese Regenfälle als eines der intensivsten Ereignisse der letzten Jahrzehnte in die Wettergeschichte Österreichs eingehen werden. In den nächsten Tagen soll sich das Wetter wieder von seiner sonnigeren Seite zeigen, laut Johannes Graf steht sogar eine Sommer-Rückkehr im Raum.

Rubriklistenbild: © Montage: Helmut Fohringer/APA/dpa/Sznapka Petr/CTK/dpa

Mehr zum Thema