Unterstützung an der Front

Einsatz von F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg: „Um Panik zu verbreiten“

  • Paul Luka Schneider
    VonPaul Luka Schneider
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Früher als angenommen: Die ersten F-16-Kampfjets aus dem Westen sind im Ukraine-Krieg im Einsatz. Sie operieren dabei nicht nur im Hinterland.

Cherson – Das kommt etwas überraschend: Wenige Tage nach der offiziellen Ankunft mehrerer F-16-Kampfjets aus dem Westen in der Ukraine sollen Teile von diesen bereits voll im Kriegsgeschehen involviert sein. Und zwar an der Front in der Region um die umkämpfte Seehafenstadt Cherson im Süden des Landes. Über der laut russischen Angaben von Russland kontrollierten Siedlung Kachowka.

Der russische Bezirksleiter Pawlo Filiptschuk sagte am Donnerstag (8. August) gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass: „Seit gestern fliegen F-16-Kampfflugzeuge über unserem Bezirk. Das geschieht nur, um Panik zu verbreiten.“

Wende im Ukraine-Krieg? Westliche F-16-Kampfjets wohl bereits an der Frontlinie aktiv

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ließ sich an demselben Tag derweil nicht in die Karten blicken und blieb in einer Erklärung vage: „F-16-Kampfflugzeuge sind bereits am ukrainischen Himmel unterwegs und es werden noch mehr dazukommen.“ Unabhängig überprüfen lassen sich alle diese Angaben im dynamischen Kriegsgeschehen nicht.

Erste F-16-Kampfjets sollen von der Ukraine im Krieg gegen Russland eingesetzt worden sein: in der umkämpften Region Cherson.

Die Region, in der die F-16-Kampfjets dem Vernehmen nach gesichtet worden sind, war im Juni 2023 Ziel eines russischen Angriffs, bei dem durch eine Explosion der Kachowka-Staudamm brach. Wassermassen des Flusses Dnepr sorgten für Überschwemmungen und setzten der dortigen Zivilbevölkerung schwer zu.

Lange Zeit markierte der Teil des Landes die Frontlinie im Ukraine-Krieg – und in den vergangenen Tagen verstärkte Russlands Militär wieder seine Angriffsbemühungen in und um diese Region. Die ukrainische Führung sah sich nun augenscheinlich zum Handeln gezwungen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Denn bisher sollten die F-16-Kampfjets erst einmal nur in ungefährdeten Teilen des ukrainischen Luftraums, im Hinterland, eingesetzt. Um einerseits noch Trainingsflüge durchführen zu können, andererseits den ukrainischen Luftraum gegen russische Marschflugkörper und Drohnen abzusichern. Eine große Zahl direkter Kampfeinsätze war erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Nachlieferung von F-16-Kampfjets aus dem Westen im Ukraine-Krieg könnte andauern

Denn die Ukraine wartet weiter auf die ihr von westlichen Staaten um die militärische Weltmacht USA versprochenen Nachlieferung aller Jets. Zehn von 79 F-16-Kampfjets sind bisher in der Ukraine eingetroffen. Bis Ende des Jahres sollen 20 bis 24 Jets einsatzbereit sein. Der Rest dürfte im besten Fall 2025, im schlechtesten Fall erst 2028 folgen.

Gründe sind zum einen Unsicherheiten im ukrainischen Luftraum für eine sichere und logistisch saubere Lieferung, zum anderen ein Mangel an ausgebildeten Pilotinnen und Piloten für F-16-Kampfjets in der Ukraine. Europäische Staaten wie die Niederlande, Dänemark, Norwegen und Belgien helfen nun beim Anlernen, auch vom Wartungspersonal.

Während im Süden der Ukraine nun offenbar F-16-Kampfjets zum Einsatz kommen, hat die Ukraine im Nordosten des Landes eine folgenschwere Offensive auf die russische Region Kursk gestartet. (pls)

Rubriklistenbild: © Efrem Lukatsky/AP/dpa

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