Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Eisiges Wetter durch enormen Spätfrost: Einige Gebiete besonders gefährdet

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Eisheilige auf Abwegen? Ende Mai wird es frostig – mit gefährlichem Bodenfrost in vielen Regionen Deutschlands, warnt wetter.net. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Ungewöhnlich spät steht Deutschland noch einmal eine Frostnacht bevor. Die Eisheiligen kommen in Fahrt. Wie wetter.net berichtet, bringt ein Schwall polarer Kaltluft aus nördlichen Breiten am Freitag und Samstagmorgen (23. und 24. Mai) nochmals deutlich zu niedrige Temperaturen für die Jahreszeit. Besonders in höheren Lagen wie Eifel, Sauerland und Hunsrück kann es laut Prognosen sogar zu Luftfrost in zwei Metern Höhe kommen – dort sind Werte um null Grad möglich.

Eisige Kälte Ende Mai? Das könnte Deutschland in den kommenden Tagen bevorstehen.

Verbreitet wird aber vor allem Bodenfrost erwartet, also Frost in etwa fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden. Diese Frostart ist besonders gefährlich für Pflanzen, da die Kälte hier stärker durchgreifen kann – und das Ende Mai! Meteorologisch ist das zwar nicht völlig außergewöhnlich, aber dennoch selten. Es handelt sich dabei nicht direkt um „verspätete Eisheilige“, sondern um einen typischen Spätfrost-Einbruch, wie er durch klare Nächte und kalte Luftmassen auch nach den Eisheiligen (11.–15. Mai) auftreten kann. Zuletzt drohten einer Region auch Sturm und Staubwolken.

Wetter in Deutschland: Was ist Bodenfrost – und warum ist er so gefährlich?

Der Unterschied zwischen Luft- und Bodenfrost ist entscheidend: Luftfrost bezeichnet Temperaturen von null Grad oder tiefer in zwei Metern Höhe – dem offiziellen meteorologischen Messniveau. Bodenfrost dagegen meint Frost direkt am Erdboden, meist in einer Höhe von fünf Zentimetern gemessen. Weil sich kalte Luft besonders nachts bodennah sammelt – vor allem bei klarem Himmel und windschwachen Bedingungen – kann es dort deutlich kälter sein als in der offiziellen Messhöhe.

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Genau das ist in den kommenden Nächten der Fall. Selbst wenn das Thermometer in zwei Metern noch knapp über null anzeigt, kann es am Boden schon gefroren haben. Und das ist der springende Punkt für Pflanzen, Blüten und empfindliche Triebe.

Das Wetter als eine Gefahr für Gärten, Felder und Reben – so schützen Sie Ihre Pflanzen

Für Hobbygärtner kann Bodenfrost im späten Mai besonders bitter sein. Empfindliche Pflanzen wie Tomaten, Kürbis, Gurken oder Zucchini, die bereits ins Freie gesetzt wurden, können ernsthaften Schaden nehmen oder ganz erfrieren. Auch Blüten an Obstbäumen, etwa Apfel oder Kirsche, können durch Kälte geschädigt werden – das Resultat sind Ernteausfälle.

Winzer müssen ebenfalls wachsam sein: Früh austreibende Reben können bei Spätfrost empfindlich reagieren. Gleiches gilt für Landwirte, vor allem bei Kartoffeln, Mais oder Jungpflanzen auf dem Feld. Tipps zum Schutz: Pflanzen mit Vlies, Folie oder umgedrehten Töpfen abdecken, Kübelpflanzen nachts ins Haus holen und Gemüsebeete am Abend gut wässern – das speichert Wärme. In frostgefährdeten Lagen heißt es: besser noch keine Sommerbepflanzung! Wer jetzt aufpasst, kann größere Schäden vermeiden – und den Frühling doch noch retten.

Rubriklistenbild: © Wetterdienst Q.met/ www.qmet.de

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