Militärisch heikle Daten?

Putins hybrider Krieg: Ukraine erbeutet offenbar geheime Informationen von Waffen-Konzern

  • Sonja Ruf
    VonSonja Ruf
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Berichten zufolge ist der ukrainische Geheimdienst an geheime Informationen eines russischen Drohnen-Herstellers gelangt – was im Krieg helfen könnte.

Kiew – Im Kampf gegen den russischen Aggressor ist der Ukraine offenbar ein kleiner Coup gelungen: Im hybriden Krieg – und just beim so wichtigen Thema Drohnenkrieg. Dort drohte Kiew zuletzt Berichten zufolge ins Hintertreffen zu geraten.

Nun heißt es, der ukrainische Militärgeheimdienst sei an 100 Gigabyte geheimer Dokumente eines Herstellers von Kriegsgerät gelangt. Außerdem sei eine ukrainische Hacker-Gruppe an persönliche Informationen von Klienten und Klientinnen der russischen Alfa-Bank gelangt und habe diese online veröffentlicht. Darüber berichtete zuletzt die Kyiv Post. Informationen über Kriegs-Erfolge sind gleichwohl immer mit Vorsicht zu genießen.

Ukraine erbeuteten Waffen-Dokumente – Wert 1,5 Milliarden US-Dollar?

Bei den erbeuten Dokumenten handele es sich um technologische Informationen des Special Technological Center (STC), eines militärisch-industrieller Unternehmens mit Sitz in St. Petersburg, das seit 2016 mit Sanktionen belegt ist. Das SCT trägt laut Kyiv-Post die Verantwortung für einen signifikanten Anteil der Produktion von militärischer Ausrüstung und Infrastruktur, die Russland im Krieg gegen die Ukraine einsetzt.

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht auf seiner jährlichen Pressekonferenz in Moskau.

Die Dokumente, an die der Militärgeheimdienst der Ukraine gelangt sei und deren Wert Militär-Fachleute angeblich auf 1,5 Milliarden US-Dollar schätzen, sollen Informationen zu 194 Themen der militärischen Kriegsführung Russlands enthalten – darunter auch Zeichnungen, Patente und Software-Informationen, die die zukünftige russische Kriegsführung betreffen könnten.

Mikhail Fridmann, Mitgründer der russischen Alfa Group, war bestimmt nicht sonderlich erfreut über die Veröffentlichung seiner Firmendaten.

Expertise zur Drohnen-Herstellung würden Ukraine im Krieg helfen

Gerade spezifische Informationen aus Dokumenten zur Herstellung und Weiterentwicklung von Drohnen könnten der Ukraine aktuell sehr weiterhelfen: Der ukrainische Bedarf an Drohnen wird laut der Denkfabrik Royal United Services Institute als hoch eingeschätzt. Die Ukraine verliere derzeit jeden Tag um die 10.000 Stück, importiert oder aus einer Herstellung. Gleichzeitig sollen Drohnen die Risiken für die Zivilbevölkerung verringern. Laut Kyiv Post entwickele sich die Ukraine aktuell zu einem wichtigen Zentrum für die Innovation und Produktion von Drohnen, in der Abwehr wie auch im Angriff.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Das ukrainische Hauptdirektorat für Nachrichtendienste zeigte sich stolz und kündigte an: „Dies ist ein bedeutender Schlag gegen das terroristische Moskau: Das Archiv wird bereits genutzt, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken und den Aggressorstaat zu schwächen“. Geglückt sei der Erhalt der Dokumente nur durch eine effektive Kooperation mit „patriotischen Mitgliedern der Öffentlichkeit und der Mediengemeinschaft“.

Eine ukrainische Hacker-Gruppe erbeutet Kundendaten von russischer Privatbank

Das Portal meldete auch von einen geglückten Hacker-Angriff einer ukrainischen Gruppe namens „Kiborg“ nennt. Kiborg sei an eine Tabelle gelangt, mit 115.217.571 Datensätzen zu natürlichen und juristische Kunden und Kundinnen der russischen Alfa-Bank. Die Alfa-Bank ist die größte Privatbank in Russland. 

Die Informationen wurden anschließend von der Hacker-Gruppe präsentiert. Die Gruppe erklärter auf ihrer Webseite, sie wolle mit der Veröffentlichung Mikhail Fridman, den Gründer der Alfa Group, grüße. Dieser habe allerdings noch nicht reagiert. Ironisch fügte Kiborg hinzu: „Vielleicht wird er eines Tages eher bereit sein, mit uns zu sprechen.“ Bereits zuvor waren ukrainischen Hackern einige Operationen gegen das russische Finanzwesen gelungen. (soru)

Rubriklistenbild: © Alexander Zemlianichenko/dpa