Bürgermeister von Istanbul
Türkische Justiz verhaftet Erdogan-Kontrahenten Imamoglu
VonFranziska Schwarzschließen
Imamoglu gilt als mächtiger Rivale Erdogans und will zur nächsten Präsidentschaftswahl in der Türkei antreten. Nun gab es eine Razzia in seinem Haus.
Istanbul – Wenige Tage vor seiner geplanten Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten der größten Oppositionspartei in der Türkei ist der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu verhaftet worden. Das wurde der Nachrichtenagentur dpa aus dem Umfeld des wichtigen Kontrahenten von Staatschef Recep Tayyip Erdogan bestätigt.
Gegen Imamoglu wird auch wegen Terrorvorwürfen ermittelt. Dem Oppositionspolitiker werde Unterstützung der verbotenen kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Hintergrund sei eine Kooperation zwischen seiner sozialdemokratischen CHP und der prokurdischen Partei DEM bei den Kommunalwahlen. Die türkische Regierung sieht die DEM als politischen Arm der PKK. Die Partei streitet das vehement ab.
Istanbuls Bürgermeister und Oppositionspolitiker Imamoglu festgenommen
Imamoglu ist am heutigen Mittwoch (19. März) nach einer Razzia in seinem Haus von der Polizei festgenommen worden. Dies teilte sein Büro der Nachrichtenagentur AFP mit. Örtliche Medien berichteten, die Festnahme stehe im Zusammenhang mit einer Korruptionsuntersuchung. Imamoglu ist einer der wichtigsten politischen Gegner Erdogans.
„Hunderte Polizisten erschienen vor meiner Tür“, erklärte Imamoglu in einem bei X veröffentlichten Video. „Die Polizei stürmt mein Haus, klopft an meine Tür ... Ich habe Vertrauen in mein Volk“, sagte er weiter. Sein Büro machte zunächst keine Angaben dazu, weshalb er festgenommen wurde.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten




Erdogan-Rivale Imamoglu: Universität Istanbul erkennt seinen Abschluss ab
Imamoglu werde der „Leitung einer kriminellen Organisation mit Absicht der Gewinnerzielung“ beschuldigt, außerdem werde ihm die Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK zur Last gelegt, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.
Am Dienstag hatte die Universität Istanbul den an der Hochschule erworbenen Abschluss Imamoglus aberkannt. Der wichtige Oppositionelle könnte damit von einer Kandidatur bei der nächsten Präsidentschaftswahl ausgeschlossen werden, für die ein Hochschuldiplom eine der Voraussetzungen ist.
Präsidentschaftswahl in der Türkei 2028: Imamoglu will Kandidat werden
Auf Imamoglus Recht, das Bürgermeistermandat auszuüben, hat die Aberkennung des Abschlusses keine Konsequenzen. Der Politiker der linksnationalistischen CHP war im März 2024 als Stadtvater wiedergewählt worden. Imamoglu gilt – zusammen mit dem CHP-Bürgermeister von Ankara, Mansur Yavas – als mächtigster Kontrahent Erdogans. Er hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2028 bereits eingereicht. (dpa/AFP/frs)
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