Nach der Türkei-Wahl
Erdogans „Jahrhundert der Türkei“: Steuererhöhung, hohe Inflation, Währungsverfall
VonErkan Pehlivanschließen
Erdogan wollte nach der Türkei-Wahl im Mai ein „Jahrhundert der Türkei“ einläuten. Bislang haben die Menschen aber Preissteigerungen und Währungsverfall bekommen.
Ankara - In seinem Wahlkampf versprach Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Jahrhundert der Türkei. Doch seit der Türkei-Wahl am 14. Mai und der Stichwahl am 28. Mai ist davon nichts zu sehen. Die Menschen leiden unter den massiven Wirtschaftsproblemen in dem Land. Die miese Wirtschaftslage ist auch an den aktuellen Zahlen zu sehen. In den ersten sechs Monaten des Jahres seien landesweit rund 70.000 Kleinbetriebe pleite gegangen. Das sagte die Abgeordnete Müzeyyen Şevkin (CHP) bei einem Besuch von Vertretern von Kleinbetrieben in Pozantı.
Grund seien vor allem täglich steigende Preise sowie gigantische Steuererhöhungen, die die Bürger regelrecht ruiniert, sagt die Abgeordnete. Schuld sei die AKP-Regierung von Präsident Erdogan, schreibt Şevkin auf Twitter/X. „Jeden Tag gibt es eine Erhöhung! Heute haben sie die Preise für 240 Produkte erhöht, darunter Öl, Zucker und Tee. AKP bedeutet Preissteigerung! AKP bedeutet Unterdrückung“!
Inflationszahlen in der Türkei bleiben offenbar beschönigt
Auch die anderen Wirtschaftszahlen bestätigen die miese Wirtschaftslage in dem Land. Laut dem staatlichen Statistikinstitut liegt die jährliche Inflation inzwischen bei 47,83 Prozent. Doch die staatlichen Zahlen scheinen beschönigt zu sein. Das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Ena Grup“ berechnet dagegen die Inflation mit 122,88 Prozent.
Alleine zwischen Januar und Juli dieses Jahres sei die Inflation um 69,21 Prozent gestiegen, gibt das Institut an. In Zukunft sollten daher die Verbreitung von Falschinformation für alle verboten werden, fordert der Direktor der Ana Gruo, Prof. Veysel Ulusoy: „Das Desinformationsgesetz sollte sowohl für Organisationen (staatlich und privat) als auch für Einzelpersonen gelten“.
Dezenformasyon Yasası kişilerin yanında kurumlar (devlet + özel) için de uygulanmalıdır.
— Prof. Veysel Ulusoy (@ekonomikanaliz) August 6, 2023
Dahası, dezenformasyonu aklayan kişi ve kurumlar dahil olmalı buna.
Erdogan-Regierung hat „Null“ gegen Inflation in der Türkei getan
Auch der Wirtschaftsexperte Prof. Özgür Demirtas hatte vor hohen Inflationszahlen gewarnt. „Ich habe millionenfach und jahrelang davor gewarnt. Ich hatte gesagt, dass das passieren wird. Aber niemand hat zugehört“, schrieb der Wissenschaftler vergangenen Monat auf Twitter/X. Die Regierung habe keinerlei Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation unternommen.
Erdogan hatte in seinem neuen Kabinett den ehemaligen US-Banker Mehmet Simsek als Finanzminister ernannt. Auch die Zentralbank wurde mit Hafize Gaye Erkan mit einer US-Bankerin besetzt. Einen Abwärtstrend in der Wirtschaft und auch den Währungsverfall konnte das neue Team bislang jedoch nicht verhindern. Während der US-Dollar 27 Türkische Lira (TL) kostet, liegt der Europreis bei 29,65 TL. Ein Jahr zuvor kosteten die Auslandswährungen noch jeweils 17,93 TL und 18,23 TL.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten




Erdogan will Abwärtstrend in der Türkei beenden
Offenbar glaubt auch der türkische Präsident nicht mehr an ein Jahrhundert der Türkei, das nach den Wahlen eingeläutet werden sollte. „İnşallah werden wir am 31. März 2024 dieser Negativentwicklung Stopp sagen“, sagte Erdogan bei einer Rede vor seiner Fraktion mit Blick auch auf die Kommunalwahlen an dem Termin. (Erkan Pehlivan)
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