Naher Osten
Erdogans Sohn steht in der Türkei wegen seiner Geschäfte mit Israel schwer in der Kritik
VonErkan Pehlivanschließen
Der türkische Präsident nennt Israel einen „Terrorstaat“. Dennoch pflegt sein Sohn Ahmet Burak dort offenbar gute Kontakte.
Ankara – Recep Tayyip Erdogan hat Israel nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober verbal immer wieder heftig angegriffen. Israel sei ein Terrorstaat und die Hamas eine Befreiungsorganisation, die ihr Land und Volk befreien wolle, so der türkische Präsident. Umso mehr irritiert es, dass der Sohn des türkischen Präsidenten, Ahmet Burak Erdogan, Geschäfte mit Israel betreiben soll. Das geht aus Recherchen des türkischen Journalisten Metin Cihan hervor. Im Mittelpunkt der Recherche steht das Handelsschiff „Halit Yildirim“.
„Am 11. Oktober verließ das Schiff mit dem Namen Halit Yildirim, das zu Manta Denizcilik gehört, den Hafen von Iskenderun, der zu Limak gehört, und erreichte am 14. Oktober den israelischen Hafen von Ashdod. Nach der Beladung fuhr es am 18. Oktober nach Florida, um seine Ladung abzuliefern“, schrieb der Journalist auf X.
Erdogans Sohn sieht sich Kritik in der Türkei ausgesetzt
Die „Halit Yildirim“ ist allerdings auf die Firma „Manta Denizcilik“ mit Sitz in Istanbul registriert. Der Eigentümer des Unternehmens ist Mert Cetinkaya. Cetinkaya ist auch als Vorstandsmitglied bei der MB Denizcilik aufgeführt. Demnach ist Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Ahmet Burak Erdogan, der Sohn des türkischen Präsidenten. Beide Unternehmen sind unter derselben Adresse aufgeführt, gab der Journalist bekannt und postete dazu auf X Auszüge der Istanbuler Handelskammer.
Die Beziehungen zwischen der Familie Cetinkaya und der Familie Erdogan reichen über das geschäftliche hinaus. Demnach soll der türkische Präsident sogar der Trauzeuge von Cetinkaya gewesen sein.
Erdogans Familie erstattet Anzeige gegen Journalisten
In einer Mitteilung nennt Manta Denizcilik die Vorwürfe des Journalisten „manipulativ“ und eine „Lüge“. Das Schiff gehöre nicht dem Sohn des Präsidenten. Das Unternehmen hatte keine andere Wahl gehabt, das Transportgeschäft mit Israel zu tätigen. „Wie in der Nachricht angegeben, hat das Schiff seine Reise zwar am 11. Oktober angetreten. Der Beförderungsvertrag, der Gegenstand der Reise ist, wurde jedoch, wie im Seeverkehr üblich, Wochen vor Kriegsbeginn geschlossen, und die Betreibergesellschaft kann nichts tun, um diese Reise zu verhindern“, heißt es in der Mitteilung des türkischen Unternehmens.
Das Unternehmen habe mit Beginn der ungerechten, unrechtmäßigen und unmenschlichen Operationen Israels gegen Palästina keinen Frachtvertrag für israelische Häfen abgeschlossen. Zudem habe das Unternehmen von Erdogans Sohn keine Verbindungen mit dem Handelsschiff Halit Yildirim. Inzwischen hat die Familie des Präsidenten Strafanzeige wegen Beleidigung und Verleumdung gegen den Journalisten erstattet. Der Journalist werde zudem per Haftbefehl gesucht und musste die Türkei wegen hunderter anderer seiner Kollegen verlassen.
Auch Opposition wirft Erdogan-Familie Geschäfte mit Israel vor
Inzwischen geht auch die türkische Opposition davon aus, dass die Familie Erdogan Geschäfte mit israelischen Unternehmen macht. „Während Präsident Erdogan Israel für die Bombardierung eines Krankenhauses (Anm. d. Redaktion: in Gaza) am 17. Oktober verurteilte, verlud Erdogans Unternehmen Fracht in einem israelischen Hafen“, empörte sich der Abgeordnete Hasan Bitmez von der Saadet Partisi in seiner Parlamentsrede. Ähnlich äußert sich der Abgeordnete Erkan Bas in einer Pressekonferenz. „Während Erdogan Palästina verteidigt, für Palästina betet und Israel von der Tribüne aus verurteilt, läuft das Schiff seines Sohnes in einem israelischen Hafen ein“, so Bas. „Die AKP ist eine Bande, dessen Religion, Glaube und Moral einzig und allein das Geld ist.“
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten




Die Fraktionsvorsitzende der pro-kurdischen HEDEP, Meral Danis Bestats, ist ebenfalls verärgert über den türkischen Präsidenten und seine Familie. „Warum setzen Sie Ihre Beziehungen zu einem Staat fort, den Sie als terroristischen Staat bezeichnen?“, so Bestas vor der Presse. Den im deutschen Asyl lebenden kurdisch-alevitischen Journalisten Aziz Tunc wundert es nicht, dass die türkische Regierung den Journalisten ins Visier genommen hat. „Damit sagen sie, dass jeder, der Erdogan und seine Familie zu Nahe kommt, sich verbrennt. Sie gehen mit der ganzen Tyrannei des Staates gegen jeden vor, der Erdogans Pläne und Politik stört. Erdogan versucht, das Land als einzelner Mann zu regieren, indem er das Gesetz außer Kraft setzt“, so Tunc im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA. (Erkan Pehlivan)
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