Teil einer „komplizierten Nachrichtenkampagne“
Erfolg der Ukraine-Offensive: Kursk-Schlappe kratzt an Putins Image
- VonBettina Menzelschließen
Die ukrainische Offensive in Kursk zeigt auch Wirkung auf gesellschaftlicher Ebene: Die Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung wächst – und Putins Zustimmungswerte sinken.
Kursk – Am 6. August startete die Ukraine überraschend eine Offensive in der russischen Grenzregion Kursk. Eine Handhabe hat der russische Präsident Wladimir Putin offenbar noch nicht gefunden. Die Unzufriedenheit der Menschen in Russland ist derzeit so hoch wie seit 2022 nicht mehr, wie ein staatliches russisches Meinungsforschungsinstitut feststellte. Zwar ist die Aussagekraft der Umfrage begrenzt, doch fest steht: Die Invasion in Kursk ist schlecht für Putins Image. Laut US-Kriegsexperten könnte das allerdings Teil einer ausgeklügelten Propagandakampagne sein.
Ukraine dringt nach Kursk vor: Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung steigt
Rund 10.000 ukrainische Soldaten konnten nach Angaben der Militärführung in Kiew seit ihrem Einmarsch in Kursk mehr als 1000 Quadratkilometer Fläche unter ihre Kontrolle bringen. Viele Russen mussten aus der Region evakuiert werden, die Ukraine nahm hunderte russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Die jüngste Umfrage des russischen Meinungsforschungsinstituts Public Opinion Foundation ergab, dass 28 Prozent der Befragten im Laufe des Monats August ihre Empörung oder Unzufriedenheit über das Vorgehen der russischen Behörden zum Ausdruck gebracht hatten.
Veröffentlicht wurde die Erhebung am 30. August, die Umfrage selbst stammt vom 25. August. In den zuvor am 11. August und 25. Juli durchgeführten Umfragen lag dieser Wert noch bei 25 Prozent beziehungsweise 18 Prozent. Zuletzt war die Unzufriedenheit im November 2022 und damit kurz nach der Bekanntmachung der Teilmobilisierung im Ukraine-Krieg so niedrig. Entsprechend schlussfolgern die US-Kriegsexperten des Institute for the Study of War (ISW) in einer Analyse, „dass der Kreml der Ansicht ist, dass er anerkennen muss, dass die Unzufriedenheit in der Gesellschaft seit dem Beginn des ukrainischen Einmarsches in der Region Kursk zugenommen hat.“
VCIOM, ein weiteres staatliches russisches Meinungsforschungsinstitut, sieht Putins Zustimmungswerte zwischen dem 12. und 18. August bei 73,6 Prozent und damit um 3,5 Prozentpunkte niedriger als bei der vorherigen Umfrage. Dies ist laut dem Institut ein Rekordrückgang der Zustimmungswerte des Kremlchefs seit Beginn der Invasion im Februar 2022. Zwischen dem 19. und 25. August ging die Zustimmung sogar um weitere 1,2 Prozentpunkte auf 72,4 Prozent zurück.
Kreml-Umfragen unter Verdacht: Strategie zur Rechtfertigung der Strategie in Kursk?
Die Aussagekraft der Umfragen der staatsnahen Meinungsforschungsinstitute ist begrenzt. „Diese Umfragen der russischen staatlichen Meinungsforschungsinstitute lassen weder auf eine besonders ausgeprägte Unzufriedenheit schließen, noch spiegeln sie die tatsächliche Stimmung in der russischen Gesellschaft zuverlässig wider“, heißt es dazu von den ISW-Experten. Das Umfrageergebnis kommt offenbar nicht zufällig: „Der Kreml scheint eine komplizierte Informationskampagne gestartet zu haben“, so die ISW-Analyse.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Diese Medienkampagne des Kreml ziele darauf ab, „gegenüber seinem heimischen Publikum zu rechtfertigen, warum Russland der Aufrechterhaltung der Offensivoperationen in der Ostukraine Vorrang vor der sofortigen Vertreibung ukrainischer Streitkräfte aus der Oblast Kursk einräumt“, so die ISW-Analyse weiter. Die vergleichsweise schlechten Umfragewerte könnten eine Art „Eingeständnis der Unzufriedenheit“ und Teil der Medienkampagne des Kreml sein. Der Kreml hoffe wahrscheinlich, dass eine „begrenzte Anerkennung der gesellschaftlichen Unzufriedenheit ihn vor dem Vorwurf bewahrt, er ignoriert die Besorgnis der russischen Gesellschaft über den ukrainischen Einmarsch“, glauben die US-Kriegsexperten des ISW.
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