Meteorologe teilt Befürchtung

Erste Mai-Prognose: Wetter-Modelle zeigen ungewöhnliches Szenario

  • VonDominik Jung
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Der Mai 2025 könnte außergewöhnlich ausfallen: viel zu warm, aber auch ungewöhnlich nass. Was das für Wetterextreme bedeutet – und warum die Gefahr steigt.

Frankfurt – Normalerweise gilt: Ein nasser Monat ist oft auch ein kühler Monat. Doch für den Mai 2025 zeigen die Langfristmodelle ein ungewöhnliches Bild, so Wetter-Experte Dominik Jung. Das CFS-Modell prognostiziert demnach nicht nur eine deutlich positive Temperaturabweichung von ein bis zwei Grad über dem langjährigen Mittel (1991–2020), sondern gleichzeitig auch überdurchschnittliche Niederschlagsmengen.

Das ist insofern bemerkenswert, als die letzten drei Monate allesamt zu trocken ausfielen – und nun der erste „zu nasse“ Monat bevorstehen soll. Doch was heißt das konkret für unser Wetter? „Die Kombination aus Wärme und Feuchte ist nicht nur selten, sondern birgt auch ein gewisses Potenzial für instabile Wetterlagen“, erläutert Diplom-Meteorologe und Buchautor Dominik Jung von wetter.net.

Sturzfluten im Mai? Modelle deuten auf feuchtwarme Gewitter- und Unwetterlagen hin.

Wetter bringt feuchtwarme Luftmassen: Der perfekte Nährboden für Gewitter?

Die meteorologische Erklärung für einen gleichzeitig warmen und nassen Mai liegt in der Luftmasse selbst. Gelangt sehr warme, aber feuchte Luft nach Mitteleuropa – etwa durch südliche oder südöstliche Strömungen – steigt das Risiko für Gewitter deutlich an. Diese Luftmassen bringen oft hohe Taupunkte, was die Atmosphäre labilisiert. Das Ergebnis: Wärmegewitter, Starkregen, lokale Überflutungen.

Hinzu kommt, dass die Sonne im Mai bereits viel Kraft hat und für zusätzliche Erwärmung sorgt. Ein solches Szenario erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Art „Gewitter-Mai“, wie man ihn aus den Jahren 2016 oder 2018 kennt – Monate, die durch punktuell extreme Unwetterereignisse in Erinnerung geblieben sind. Auch zum April 2025 gibt es bereits erste Prognosen.

Wetter-Prognose für Mai: Zwischen Frühsommerträumen und Unwetterrealität

Ein zu warmer Mai klingt zunächst verlockend: T-Shirt-Wetter, blühende Gärten, frühe Badetemperaturen. Doch wenn gleichzeitig die Niederschläge überhandnehmen, kippt das Bild schnell, erklärt Jung. Gerade wenn die Böden noch trocken und hart sind, kann Starkregen nicht gut versickern – mit der Folge von Sturzfluten, wie sie in den letzten Jahren immer häufiger beobachtet wurden. Die Gefahr liegt weniger im Dauerregen, sondern in der Intensität einzelner Ereignisse. Feuchtwarme Luftmassen sind oft schwer vorherzusagen und führen zu einer hohen Wetterdynamik – was es für Meteorologen besonders schwierig macht, konkrete Warnungen frühzeitig auszusprechen.

Laut Klimamodell CFS der US-Wetterbehörde NOAA soll der Mai besonders nass, aber eben auch sehr warm ausfallen.

Wird der Mai zum Unwettermagnet?

Die Zutaten für einen „explosiven“ Mai sind laut Jung also da: überdurchschnittliche Wärme, ungewöhnlich viel Feuchtigkeit, potenziell labile Luftschichten. Sollte sich dieses Muster bestätigen, wäre mit einer erhöhten Gewitterneigung zu rechnen – vor allem ab der zweiten Monatshälfte, wenn die Temperaturen weiter steigen. Besonders kritisch könnten Konstellationen mit stehenden Tiefdruckgebieten oder blockierenden Hochs werden, bei denen feuchte Luftmassen über Tage hinweg in Mitteleuropa gehalten werden. Dann droht nicht nur Unwettergefahr, sondern auch das Risiko für großflächige Überschwemmungen, wenn die Gewitter wiederholt über dieselben Regionen ziehen. Auch Saharastaub zieht immer wieder nach Deutschland.

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Mai-Wetterprognosen bisher nur in Langfristmodellen – Exakte Vorhersagen bisher nicht möglich

Ob der Mai tatsächlich so extrem ausfällt, bleibt offen. Langfristmodelle liefern Tendenzen, keine exakten Vorhersagen. Dennoch ist das Bild, das sich abzeichnet, ungewöhnlich, so der Meteorologe: ein Monat mit überdurchschnittlicher Wärme und Niederschlag. Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, könnte es ein Monat mit vielen Gesichtern werden – von frühsommerlicher Idylle bis hin zu gefährlichen Wetterlagen. Aufgrund immer mehr aufkommender Extremwetter kritisiert Meteorologe Jung auch die Klimapolitik Trumps.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Marius Schwarz

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