Ukraine-Krieg

Putins riskantes Spiel: Charkiw-Offensive mit zu wenig Soldaten?

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Die Armee von Wladimir Putin rückt im Ukraine-Krieg in Charkiw vor – laut Militärexperten könnte sich das Blatt aber wenden.

Charkiw – US-Militärexperten stufen die russische Taktik bei der Charkiw-Offensive als „riskant“ ein. Das russische Militär greife in der Region aktuell nur mit einer „begrenzten“ Anzahl von Soldaten an. Womöglich könnten die Angreifer ihrer Positionen an der Front im Nordosten so nicht halten. Das schreibt das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in seiner Analyse vom 11. Mai.

Kremlchef Wladimir Putin kalkuliere anscheinend nicht ein, dass Kiew im Ukraine-Krieg demnächst ein neues US-Militärpaket erhalten soll. Bei ihrer Charkiw-Offensive glaubten russischen Soldaten offenbar, sie könnten die eroberten Gebiete „auf unbestimmte Zeit halten, und von dort aus weitere Operationen starten“, heißt es in dem Bericht. Aktuelles zur Lage an der Front in unserem News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Ukraine kann laut USA Linien in Charkiw halten

US-Außenminister Antony Blinken gab sich unterdessen überzeugt, dass die ukrainischen Streitkräfte ihre Stellungen bei Charkiw halten würden. Auch blieben die USA an der Seite der Ukraine, ebenso wie über 50 andere Staaten, die das Land unterstützten. „Das wird auch so bleiben, und wenn Putin denkt, dass er die Ukraine und ihre Unterstützer überdauern wird, dann irrt er sich“, sagte er dem Sender CBS.

Russische Soldaten greifen in Charkiw an (Archivbild vom August 2022)

Russlands Armee hat zuletzt seinen Vorsprung auf dem Schlachtfeld ausgebaut. Ein hochrangiger ukrainischer Militärvertreter schätzte, dass sie eine „Pufferzone“ in den Regionen Charkiw und Sumy zu schaffen. Damit wollten sie das ukrainische Militär hindern, russisches Staatsgebiet weiter unter Beschuss zu nehmen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Am Freitag (10. Mai) hatte die russische Armee eine Bodenoffensive in der Region Charkiw gestartet. Putins Militär hat seit Kriegsbeginn im Februar 2022 versucht, die ukrainische Grenzregion Charkiw einizunehmen. Im Herbst 2022 musste es sich von dort wieder weitgehend zurückziehen. Doch wie überall an der Front sind es auch in Charkiw seit dem Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive 2023 die russischen Streitkräfte, die aktuell die Initiative haben. (frs mit AFP)

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