Folgt die Eskalation?

Explosionen im Iran: USA wurden angeblich über Pläne Israels informiert – Biden will Zurückhaltung

  • VonLisa Mahnke
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Biden warnt Netanjahu vor Vergeltung. Die USA sollen von Plänen Israels gewusst haben. Explosionen in Isfahan könnten die Lage verschärfen.

Jerusalem – Schon früh hat Israel eine schnelle Reaktion auf den iranischen Angriff am Abend des 13. Aprils erwogen. In der Nacht auf Freitag (19. April) wurden nun Explosionen im Iran nahe Isfahan gemeldet. Israel soll die USA zuvor über mögliche Vergeltungspläne informiert haben. In einem Gespräch riet der US-Präsident Joe Biden dem Regierungschef Israels, Benjamin Netanjahu, von einem erneuten Angriff ab.

„Du hast gewonnen. Nimm den Sieg“, forderte Biden Netanjahu laut einem Beamten aus dem Weißen Haus auf, den die US-Nachrichtenseite Axios sprach. Demnach habe Biden mitgeteilt, die USA würde bei offensiven Operationen gegen den Iran nicht unterstützen und Netanjahu habe dies hingenommen.

Seit dem iranischen Angriff wurde bereits von israelischen Bombardements im Südlibanon berichtet – und nun wurden erneut Explosionen auf iranischem Territorium gemeldet. Ziel sei Medienberichten nach die Demonstration der schwächeren Luftabwehr des Irans im Vergleich zu Israel gewesen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Iran hält Konflikt für abgeschlossen – droht mit harter Reaktion bei Vergeltungsschlag

Der Iran handelte bei seiner sogenannten „Operation richtiges Versprechen“ in Antwort auf den israelischen Angriff auf ein iranisches Diplomatengebäude am 1. April, bei dem auch zwei hochrangige iranische Generäle getötet wurden. „Die Angelegenheit kann als abgeschlossen betrachtet werden“, hieß es in einer Erklärung einer iranischen Botschaft auf X.

„Sollte das israelische Regime jedoch einen weiteren Fehler begehen, wird die Antwort des Irans deutlich härter ausfallen. Es ist ein Konflikt zwischen dem Iran und dem schurkischen israelischen Regime, aus dem sich die USA heraushalten müssen.“ Die Warnung zeigt deutlich, dass sich der Konflikt zwischen Iran und Israel schnell hochschaukeln könnte.

„Unsere Antwort wird weit über die heutige Militäraktion hinausgehen, wenn Israel Vergeltungsmaßnahmen gegen den Iran ergreift“, erklärte der Stabschef der iranischen Streitkräfte, Generalmajor Mohammad Bagheri, laut The Guardian am Tag des Angriffs.

Symbolschlag als Ausweichmöglichkeit: Mutmaßlicher Angriff Israels auf den Iran

Der US-Generalmajor a.D. Mark MacCarley äußerte sich dennoch verteidigend für den kürzlichen Angriff auf den Iran: „Die Israelis mussten Vergeltung üben, aber diese Vergeltung enthielt auch eine Botschaft, nämlich: ‚Ja, wir können es schaffen. Macht das nicht noch einmal. Wenn ihr es noch einmal tut, wird der Teufel los sein.‘“ Der israelische Premierminister Netanjahu schrieb am 13. April auf X: „Wir haben einen klaren Grundsatz festgelegt: Wer uns schadet, dem werden wir auch schaden.“

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Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
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Farzan Sabet, ein leitender Forscher am Global Governance Centre in Genf, erklärte laut Al Jazeera, dass Israel mit einer „weitgehend symbolischen und nicht oder nur geringfügig tödlichen Reaktion“ eine mögliche Ausweichmöglichkeit habe. Als ein solcher Schlag könnte auch der mutmaßliche Angriff nahe Isfahan in der Nacht auf den 19. April gewertet werden, denn dort seien laut iranischen Nachrichtenagenturen keine bedeutenden Schäden entstanden. Bisher bekannte sich jedoch niemand zu dem Angriff und die iranische Seite machte keine Anschuldigungen.

Iranischer Angriff unterschätzt – USA soll Informationen über Angriff gehabt haben

Bei der Abwehr des iranischen Angriffs vom 13. April halfen auch die USA, Großbritannien, Jordanien und Frankreich, sodass insgesamt nur ein kleiner Teil der Raketen ein Ziel trafen. „Wir haben abgefangen, wir haben abgewehrt, gemeinsam werden wir siegen“, schrieb Netanjahu auf X. Laut der New York Times habe sich die israelische Regierung massiv verschätzt und keinen so großen Angriff erwartet.

Der Iran soll mithilfe der Türkei andere Länder vor einem Angriff auf Israel gewarnt haben, darunter auch die USA. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der US-Regierung, John Kirby, wies laut Tagesschau Gerüchte über mögliche Informationen der USA vor dem iranischen Angriff am letzten Wochenende zurück: „Die Vereinigten Staaten haben weder vom Iran noch von irgendjemand anderem Nachrichten erhalten, die Aufschluss über einen bestimmten Zeitpunkt, bestimmte Ziele oder Waffentypen, die sie abfeuern würden, gaben.“

Schneller Vergeltungsschlag? Explosionen im Iran noch nicht sicher Angriff Israels

Kurz nach dem iranischen Angriff sprachen sich israelische Politiker laut der New York Times für einen schnellen Vergeltungsschlag aus. Man dürfe „den Iran glauben lassen, er habe neue Spielregeln für den Konflikt festgelegt“, so habe man argumentiert. Noch vor einem Tag hieß es in Medienberichten, das Kriegskabinett habe die Entscheidung vorerst verschoben.

Biden und Netanjahu sprachen nach dem iranischen Angriff per Telefon.

Ob es sich bei den am Freitag (19. April) gemeldeten Explosionen tatsächlich um einen Angriff, womöglich durch Israel handelt, ist noch nicht bestätigt. Laut der AFP sprachen iranische Nachrichtenagenturen vor allem von „Explosionen“. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete laut der AFP mit Verweis auf „informierte Kreise“, „entgegen den Gerüchten und Behauptungen israelischer Medien“ gebe es „keine Berichte über einen Angriff aus dem Ausland auf Isfahan oder einen anderen Teil des Irans“. (lismah)

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