Nächste Lieferung aus Deutschland

Fast 200 Leopard-Panzer für die Ukraine: Wieso Kiews Truppen nun eine neue Taktik brauchen

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Deutschland liefert der Ukraine weitere Leopard-1-Panzer zur Verteidigung gegen die russische Invasion. Kiews Armee dürfte eine neue Taktik verfolgen.

Kiew - Der Druck im Ukraine-Krieg auf die Armee von Wladimir Putin bleibt hoch: Russische Kommandeure sollen teils keinen Überblick über die ukrainische Front haben, und der Westen liefert Kiew weiter schwere Waffen zur Verteidigung gegen Russlands völkerrechtswidrigen Angriff.

Ukraine-Krieg: Kiew bekommt 25 weitere Leopard 1A5 aus Deutschland

So soll laut dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes die Lieferung von 25 weiteren Kampfpanzern Leopard 1A5 bevorstehen. Deutschland hatte bereits 20 Stück der älteren „Leos“ sowie 18 moderne Leopard 2A6 geliefert. Das geht aus der Liste der militärischen Unterstützungsleistungen der Ampel-Regierung hervor.

Allein in der vergangenen Woche bekam die Ukraine demnach zwölf LKW MAN TGS sowie vier Schwerlastsattelzüge, insgesamt sind es damit 75. Sie dienen wohl auch zum Transport von Kampfpanzern in Frontnähe. Dort, an der Front im Süden in der Region Saporischschja und im Osten im Donbass, dürften die ukrainischen Panzersoldaten nun eine klare Taktik verfolgen, um die Verluste so gering wie möglich zu halten.

Die Ukraine soll Dutzende Leopard 1A5 erhalten. Hier ist einer der Kampfpanzer der belgischen Armee zu sehen.

So dürften die Ukrainer aus der Distanz auf russische Ziele schießen, um sich dann schnell wieder zurückziehen zu können. Die „Leos“ sind genau für diese Kampfführung ausgelegt. Sie sind in der Lage, auch in voller Fahrt zu schießen. Das ermöglicht vor allem die Stabilisierung der Kanone Royal Ordnance L7 aus britischer Produktion. Das heißt: Die Kanone bleibt während der Fahrt immer genau auf das Ziel gerichtet.

Leopard 1A5 für die Ukraine: Deutschland, Dänemark und Niederlande liefern

Für Angriffe im Verband ist die Gefahr von Verlusten zu hoch. Russlands Truppen haben während der ukrainischen Gegenoffensive bewiesen, dass sie den Streitkräften Kiews mit Kamikazedrohnen und Panzerabwehrlenkwaffen empfindliche Verluste zufügen können. Deutschland, Dänemark und die Niederlande wollen der ukrainischen Armee zusammen 195 „Leos“ 1 bereitstellen. Allein 110 Leopard-1A5-Panzer sollen aus Deutschland kommen. Die Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall sind dabei, viele der Panzer nachzurüsten und zu modernisieren. Unter anderem sollen sie wohl eine zusätzliche Reaktivpanzerung zum Schutz gegen russische Panzerbüchsen erhalten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Dabei werden mit Sprengstoff beschichtete Kacheln auf die Wanne montiert, damit Geschosse vor dem möglichen Eindringen an der Karosserie explodieren. Die Ukrainer selbst hatten ihre Leopard-2-Panzer mit einer zusätzlichen Reaktivpanzerung versehen. Schutz tut Not. Laut Forbes haben die ukrainischen Streitkräfte mindestens 13 der 71 gelieferten Leopard-2-Panzer sowie mindestens einen der 14 britischen Challenger-2-Panzer auf dem Schlachtfeld verloren.

Leopard 1A5 für die Ukraine: Hohe Reichweite und Geschwindigkeit

„Der Vorteil des Leopard gegenüber beispielsweise dem T-64 liegt in der Genauigkeit, Reichweite und Geschwindigkeit“, wird ein ukrainischer Panzerschütze namens Oleksiy vom Online-Portal ArmyInform zitiert. Laut eines Erklärvideos der deutschen Bundeswehr (siehe unten) kann der Leopard 1 im Gelände bis zu 65 km/h schnell fahren - andere Panzertypen kommen dagegen nur auf rund 45 km/h. Er hat einen weiteren Vorteil vor dem nahenden Winter: Mit 42,5 Tonnen ist der „Leo“ 1 verhältnismäßig leicht.

Zum Vergleich: Die 31 amerikanischen M1 Abrams, die die Ukraine in diesen Wochen erreichen, wiegen satte 61,3 Tonnen. Wird der Boden schlammig und morastig, ist das ein Nachteil. So werden die Leopard 1A5 trotz ihres Alters von 30 Jahren und mehr zu einem echten Hoffnungsträger. Insofern sie denn bald in großer Stückzahl zur Verfügung stehen. Eigentlich wollte Deutschland schon bis Sommer 25 Exemplare geliefert haben. Doch jetzt soll es Nachschub geben. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / StockTrek Images

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