Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Frühlingsbilanz 2025: Trocken, sonnig, rekordwarm – Wetter-Modelle liefern unklare Sommer-Prognose

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Der Frühling war rekordverdächtig sonnig und trocken – doch was bedeutet das für den Sommer? Die Modelle widersprechen sich sehr. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Der Frühling 2025 in Deutschland geht als einer der trockensten, sonnigsten und wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Statistik ein. Nach Angaben des Wetterdienstes wetter.net war es der dritttrockenste Frühling seit 1881. Auch bei der Sonnenscheindauer und Temperatur lagen die Werte deutlich über dem langjährigen Mittel. Dennoch: Für den bevorstehenden Sommer lassen sich daraus keine belastbaren Rückschlüsse ziehen.

Am Sonntag (1. Juni) startet der meteorologische Sommer. Wie wird er wohl werden?

„Der Sommer macht, was er will – der Frühling interessiert ihn dabei wenig“, sagt Meteorologin Kathy Schrey von wetter.net. Der Grund: Zwischen den Jahreszeiten besteht in Mitteleuropa kein zuverlässiger klimatischer Zusammenhang, der es erlauben würde, vom Frühling direkt auf den Sommer zu schließen. Wetter und Klima folgen in unseren Breiten komplexen Mustern, die nicht linear aufeinander aufbauen. Auch aktuell folgt auf viel Regen ein Hitze-Hoch.

Wetter-Modelle im Duell: Widerspruch zwischen CFS und ECMWF

Ab Sonntag (1. Juni) beginnt der meteorologische Sommer – und die Erwartungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Das CFS-Modell der US-Klimabehörde NOAA rechnet mit einem relativ normalen Sommer, eventuell sogar etwas zu kühl und zu nass. Auf der anderen Seite steht das europäische ECMWF-Modell, das ein ganz anderes Bild zeichnet: deutlich zu warm, verbreitet zu trocken, mit dem Potenzial für neue Hitzerekorde.

Wie kann es sein, dass zwei der renommiertesten Wettermodelle so weit auseinanderliegen? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen: Das CFS-Modell setzt stärker auf globale Kopplungen, etwa durch Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik, während das ECMWF stärker auf aktuelle atmosphärische Entwicklungen in Europa und dem Nordatlantik reagiert. Kleine Abweichungen in der Anfangslage können dabei große Unterschiede in der Langfristprognose bewirken.

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Wetter in Deutschland: Was und wirklich erwartet bleibt noch offen

Fakt ist: Langfristprognosen sind kein Wetterfahrplan, sondern Tendenzen mit Unsicherheiten. Beide Modelle liefern plausible Szenarien – doch welches sich durchsetzt, hängt auch von kurzfristigen Entwicklungen ab. Auch im Mai kam es zu einer Wetter-Wende von Wärme auf Kälte. Nur, dass die Temperatur danach wieder auf die 30-Grad-Marke sprang.

Entscheidend wird unter anderem sein, wie sich Hoch- und Tiefdrucksysteme über Europa etablieren. Kommt ein blockierendes Hoch, wie es das ECMWF-Modell andeutet, droht ein weiterer Dürresommer mit Hitzeextremen. Setzt sich hingegen eine wechselhafte Westwetterlage durch, wie vom CFS berechnet, erleben wir womöglich einen durchwachsenen, aber gemäßigten Sommer.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Michael Weber

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