Nicht nur Ärger mit Transnistrien

Nach Hilferuf in Richtung Moskau: Moldau-Teilrepublik Gagausien bittet auch um Unterstützung Erdogans

  • Christoph Gschoßmann
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Wieder Aufregung in der Republik Moldau: Die autonome Region Gagausien bittet nach Russland den nächsten Staat um Hilfe. Diesmal ist es die Türkei.

Chișinău – Über die Region Transnistrien in der Republik Moldau wird besonders seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verstärkt berichtet. Die prorussischen Machthaber der abtrünnigen Region Transnistrien in Moldau haben Russland in einer Resolution um „Schutz“ gebeten. Doch nicht nur Transnistrien macht Chișinău Probleme: Auch Gagausien wünscht sich Einfluss anderer Staaten. Nur zwei Tage nach Transnistrien bat Gagausien Moskau ebenfalls um Schutz. Und nun ersucht die Region noch einen weiteren Staat um Hilfe.

Die gagausische Autonomie erwarte, dass die Türkei Einfluss auf die moldauischen Behörden nehmen und nicht zulassen werde, dass der besondere Rechtsstatus der Region verletzt werde, wie die Chefin von Gagausien, Evgenia Gutsul, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Novosti erklärte.

Gagausien-Chefin Hutsul appelliert an Türkei

Zuvor appellierte Hutsul an die Türkei mit der Bitte, das Chișinău dazu zu drängen, die Versuche zur Destabilisierung der Region und zur Manipulation der gagausischen Autonomie aufzugeben. Im September letzten Jahres habe sie mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan über die diskriminierende Politik der Regierungspartei und des Präsidenten Moldawiens gegenüber dem gagausischen Volk gesprochen.

Yevgenia Gutsul, Gouverneurin von Gagausien (Archivbild von 2023).

„Wir hoffen, dass Ankara die moldauischen Behörden beeinflussen wird und nicht erlauben wird, dass unser besonderer Rechtsstatus verletzt wird“, so Hutsul am Rande des Weltjugendfestivals im russischen Sotschi. Dabei genießt Gagausien und das gagausische Volk große Sympathie in der Türkei, da sie zu der Gruppe der turksprachigen Völker gehören. Erdogan und seine Minister besuchen immer wieder die Region. Hutsul machte ihre erste Auslandsreise nach ihrem Wahlsieg in die Türkei. Immer wieder wird auf das besondere Verhältnis aufmerksam gemacht. Dass Gagausien im Gegensatz zur Türkei überwiegend christlich geprägt ist, stört das Verhältnis nicht.

Wahl in Gagausien: Chisinau erkennt Gewinnerin nicht an

Im vergangenen Frühjahr fanden in Gagausien Wahlen zum Oberhaupt der Region statt; Hutsul, eine Kandidatin der Shor-Partei, gewann. Die moldauischen Behörden erklärten diese Partei im Juni für verfassungswidrig und warfen ihr unter anderem Kollaboration mit Russland vor.

Moldaus Präsidentin Maia Sandu erkennt Hutsul nicht als Mitglied der Regierung an. Gagausien ist ein autonomes Gebeit im Süden Moldawiens und befürwortet eine Annäherung an Russland. Chisinau strebt Nähe zu Europa an.

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Transnistrien: Sorgen um russischen Angriff, Vergleiche mit Ukraine-Situation vor dem Krieg

Die Bitte aus Transnistrien um Schutz Russlands erinnert an jene, die prorussische Separatisten im Osten der Ukraine im Februar 2022 ausgesprochen hatten. Damals nutzte Moskau dies als Anlass für seinen groß angelegten Angriff auf die Ukraine.

Die selbsternannte Republik Transnistrien liegt im Osten Moldaus an der Grenze zur Ukraine. Das ukrainische Militär befürchtet, dass Russland von Transnistrien aus in Richtung der nahen südwestukrainischen, am Schwarzen Meer gelegenen Hafenstadt Odessa angreifen könnte. (cgsc mit dpa)

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