Gefälligkeits-Begnadigung?

Gefallen für Ivankas Ehemann? Trump begnadigte Drogenschmuggler

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Zum Ende seiner Amtszeit als Präsident begnadigte Trump eine Reihe von Sträflingen. Ein Fall sticht dabei heraus. Hat die Verbindung zur Familie seines Schwiegersohns damit zu tun?

Washington DC – Über zwei Jahre nach der Amtszeit des Republikaners Donald Trump wird es nicht ruhiger um den Ex-Präsidenten. Neuste Recherchen der New York Times zu den von Trump angeordneten Begnadigungen zum Ende seiner Amtszeit, decken fragwürdige Verbindungen eines der Begnadigten zur Familie des Ehemannes von Trumps Tochter Ivanka auf.

Hintergründe zu Trumps ungewöhnlichen Begnadigten

Jonathan Braun gilt als Kuriosum unter den von Trump begnadigten Häftlingen. Vor allem wegen seiner Rolle in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung von unlauterer Kreditvergaben. In diesem Feld war Braun jahrelang tätig. Seine Geschäftspraktiken hätten sich vor allem durch Gewaltdrohungen und die Vergabe von Wucher-Krediten an zahlungsunfähige Kleinunternehmen ausgezeichnet, wie die New York Times berichtet. Einen Rabbi soll er mit den Worten „Ich lasse dich bluten“ bedroht haben.

Nahm die Familie des Ehemanns von Trumps Tochter Ivanka Einfluss auf die Begnadigung von Jonathan Braun?

Die Staatsanwaltschaft hatte wohl einen Deal mit Braun einzugehen. Wenn er Informationen zu der Kreditindustrie geliefert hätte, wäre ihm eine Haftstrafe erspart geblieben. Diese Abmachung kam aber nicht zustande. Der Grund: Trump begnadigte Braun, bevor die Abmachung umgesetzt werden konnte. Nur Monate nach seiner Freilassung soll Braun wohl wieder im gleichen Kredit-Gewerbe arbeiten.

Trump Begnadigte ehemaligen Marihuana-Schmuggler?

Eine polizeiliche Durchsuchung deckte 2009 ein „Drogenlager“ für den Schmuggel von Marihuana auf, in das Braun direkt involviert gewesen sein soll. Nachdem dieser zunächst nach Kanada und dann Israel geflohen war, wurde er 2010 in New York festgenommen. Durch einen Deal mit der Strafverfolgungsbehörde wurde er nicht direkt verurteilt und arbeitete als Informant für Ermittler der Drogenfahndung. So konnte er insgesamt 10 Jahre auf freiem Fuß verbringen. Diese Zeit nutzte Braun, um sich ein Geschäft in der Kreditvergabe aufzubauen.

Braun fiel vor allem durch seine extremen Gewaltandrohungen gegenüber seinen Schuldnern auf. Einem Kunden soll er gedroht haben, dass ihn seine Familie „im Hudson River treibend“ finden würde, hätte er sich in New York aufgehalten. In der Zeit bis zu seiner Inhaftierung 2020 sollen Firmen um Braun etwa 1.900 betrügerische und illegale Kredite, von Zinssätzen bis mehr als 1.000 Prozent, vergeben haben, so der Generalstaatsanwalt des Staates New York.

Hatte Braun Verbindungen zur Familie von Trumps Schwiegersohn?

Doch wieso wählte Trump gerade Jonathan Braun aus, der nach Recherchen der New York Times als eher ungewöhnlicher Kandidat für eine präsidiale Begnadigung galt? Ein wesentlicher Grund könnte die Verbindung der Brauns zur Familie Kushner sein – die Familie des Ehemannes von Trumps Tochter Ivanka.

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Braun soll demnach eine der ersten Klassen der von der Familie Kushner eröffneten „Yeshiva High School“ in Livingston, New Jersey, besucht haben. Außerdem habe sich Jonathan Brauns Vater, Jacob Braun, direkt an Charles Kushner, den Vater von Ivankas Mann Jared, gewendet, um für dessen Hilfe zur Begnadigung seines Sohnes zu bitten, berichtet die Times. Die beiden Väter sollen sich schon seit längerer Zeit kennen.

Nach Begnadigung wieder ins Kreditgeschäft

Nur wenige Monate nach seiner Begnadigung, begann Braun erneut seinem Beruf als Kreditgeber nachzugehen. Wenngleich sich seine Praktiken nicht verändert haben sollen, so tritt er wohl wesentlich bedeckter auf. Laut New York Times findet sich Brauns Name weder in seinen E-Mails, noch in Firmendokumenten.

Jonathan Braun gab sich vor, während und nach seiner Haft als Opfer des amerikanischen Justizsystems. „Was ist so schlimm an mir“ habe er in einem Interview mit der Times gesagt. Außerdem habe er „nie jemanden verletzt, nie jemandem etwas Falsches angetan“. (nhi)

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