US-Präsidentschaftswahlkampf

Putin lässt vor US-Wahl Telefonate Prominenter abhören – um Trump zu helfen?

  • Michael Kister
    VonMichael Kister
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Ein russischer Geheimdienst soll Telefongespräche prominenter Amerikaner abgehört haben, um sie im US-Präsidentschaftswahlkampf als Druckmittel zu benutzen.

Washington DC - Alexander Smirnov, ein ehemaliger Informant des FBI, sagte, er habe von einem russischen Offiziellen erfahren, dass ein russischer Geheimdienst in einem Hotel die Telefonate der Gäste abhöre. Darunter seien Gespräche prominenter Amerikaner gewesen, die je nachdem, wer schließlich kandidiere, bei der US-Wahl 2024 als Druckmittel verwendet werden könnten. Das geht aus einem Gerichtsvermerk des US-Justizministeriums hervor, der anlässlich eines Verfahrens gegen Smirnov angefertigt wurde. Das Magazin Newsweek berichtete zuerst darüber.

Der 43-jährige amerikanisch-israelische Doppelstaatler wird beschuldigt, fälschlicherweise behauptet zu haben, dass US-Präsident Joe Biden und sein Sohn Hunter Biden von der ukrainischen Energiefirma Burisma je fünf Millionen Dollar Schmiergeld annahmen. Seine Behauptung steht im Zentrum des von den Republikanern vorangetriebenen Impeachment-Verfahrens gegen Präsident Biden. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen Smirnov in diesem Zusammenhang bis zu 25 Jahre Haft.

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Der Informat soll enge Verbindungen zu hohen russischen Geheimdienstvertretern gehabt haben

In dem Gerichtsvermerk heißt es, Smirnov habe angegeben, dass er Kontakt zu mehreren hochrangigen russischen Geheimdienstmitarbeitern gehabt habe. Einer von ihnen, der ihm noch im Dezember 2023 von der Abhöraktion erzählt habe, sei der Sohn eines ehemaligen wichtigen russischen Staatsbediensteten. Smirnov zufolge kontrolliere dieser Kontaktmann „zwei Gruppen von Individuen, die damit beauftragt sind, Attentate in einem Drittstaat durchzuführen“.

Es wäre keine Überraschung, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin wieder versuchen würde, in die US-Wahlen einzugreifen. Ein beinahe 1000-seitiger Bericht des US-Geheimdienstausschusses stellte nämlich fest, dass Russland die Präsidentschaftswahl von 2016 zugunsten von Donald Trump beeinflussen wollte. Zum einen hätten Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam Kontakte zu russischen Geheimdienstmitarbeitern gehabt, zum anderen hätten sich russische Hacker bemüht, Desinformationskampagnen in den USA zu fahren.

Welchen US-Präsidentschaftskandidaten will Putin 2024 unterstützen?

Der mittlerweile verstorbene Söldnerführer, Botfabrikbesitzer und ehemalige Putin-Vertraute Jewgeni Prigoschin bestätigte die Einmischung sogar. Vor diesem Hintergrund erscheinen die jüngsten Äußerungen des russischen Staatsoberhaupts zu den kommenden US-Wahlen seltsam. Putin sagte im Interview mit einem staatlichen TV-Sender, Joe Biden wäre ihm als nächster Mann im Weißen Haus lieber als Donald Trump und begründete diese Präferenz damit, dass er „erfahrener, berechenbarer“ und „ein Politiker der alten Schule“ sei.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Ob es sich dabei nur um einen taktischen Winkelzug des Kremlherrschers handelte, bleibt umstritten. Donald Trump selbst zögert jedenfalls nicht, seine Sympathie für ihn auch öffentlich zum Besten zu geben. Am 29. Januar dieses Jahres deutete er auf seiner Plattform Truth Social erst an, Putin mehr zu vertrauen als den amerikanischen Geheimdiensten. Das dürfte nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruhen: Trumps Behauptung, den Ukraine-Krieg in 24 Stunden beenden zu können, wenn er zum nächsten US-Präsidenten gewählt würde, begegnete auch Putin mit Skepsis.

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