Kampf gegen Hamas

Flugblätter, Operationen, Auslöser: So liefen bisherige Bodenoffensiven im Israel-Krieg

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
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Nach dem Massaker der Hamas im Israel-Krieg läuft die Evakuierung von Millionen Menschen in Gaza. Ein Bodenangriff droht. Es ist nicht die erste Offensive.

Tel Aviv - „Unsere Feinde haben gerade erst begonnen, den Preis zu bezahlen“. Mit diesen Worten wandte sich der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu am Freitagabend an die Öffentlichkeit. Die aktuellen israelischen Angriffe auf den Gazastreifen sind seinen Angaben zufolge „erst der Anfang“.

Genau eine Woche nach dem beispiellosen Massaker (7. Oktober) an israelischen Zivilisten durch Terroristen der Hamas, wird eine Bodenoffensive Israels auf den Gazastreifen erwartet. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Es wäre nicht das erste Mal. Denn seit der Gründung des Staates Israel kam es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen und Bodenoffensiven. Die Hintergründe zum Konflikt lesen Sie hier.

Hamas greift Israel an: Das sind die Hintergründe zum Konflikt

Zeitbezug/JahrGeschehen
1956Operation Musketiere
1967Sechstagekrieg
2006Operation Sommerregen
2008/2009Operation Gegossenes Blei
2014Operation Protective Edge

Krieg in Israel: Bodenoffensive im Jahr 1956 - Hintergrund ist die Kontrolle des Suezkanals

Im Oktober 1956 kämpften israelische Truppen an der Seite Frankreichs und Großbritanniens um die Kontrolle des Suezkanals. Ägypten hatten ihn zuvor verstaatlicht. „In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 1956 startete Israel die ‚Operation Musketiere‘ auf der Sinai-Halbinsel und dem Gazastreifen“, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) informiert. Geplant wurde diese im sogenannten „Protokoll von Sèvres“ gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien. Sanktionen der USA waren schließlich der Auslöser, dass Israel und Ägypten der Forderung nach Einstellung der Kampfhandlungen nachzukommen. Israel zog sich damals wieder aus den Gebieten zurück.

Israelische Artillerie feuert Granaten auf den Gazastreifen ab. Es könnte eine Bodenoffensive folgen.

Sechstagekrieg: Ägypten droht mit Krieg - Israel erobert Gazastreifen und bleibt 38 Jahre

Ganz anders sollte es nach dem Sechstagekrieg 1967 weitergehen. Erst fast 40 Jahre später, 2005, zog sich Israel aus dem Gazastreifen wieder zurück. Ägyptens Präsident Nasser drohte 1967 mit der Vernichtung des jüdischen Staates, „offen sprachen sie von einem bevorstehenden Krieg gegen Israel“, so die bpb. „Dies wird eine große Schlacht, und unser Hauptziel wird sein, Israel zu zerstören“, sagte Nasser im Mai 1967. Er sperrte die Schiffstraße von Tiran für Israel. An der Grenze zu Israel zog er Soldaten zusammen.

Die Reaktion Israels war ein, wie bpb informiert, „Überraschungsangriff seiner Luftwaffe“ am 5. Juni 1967. Eine Bodenoffensive folgte. Im Sechstagekrieg eroberte Israel nicht nur den Gazastreifen, sondern auch:

  • die Sinai-Halbinsel,
  • das Westjordanland,
  • Ostjerusalem und
  • die Golanhöhen.

Operation „Sommerregen“: Entführter Soldat ist Auslöser für Israels Bodenoffensive

2006 drangen israelische Truppen als Teil der Militäroffensive „Sommerregen“ ein. Die Operation war eine „Reaktion auf die Entführung eines ihrer Soldaten im Juni 2006“, wie die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im gleichen Jahr berichtete. Das erklärte Ziel neben der Befreiung des Soldaten sei die Beendigung des andauernden Raketenbeschusses.

Wie der Tagesspiegel berichtete, sollen Zivilisten im Gazastreifen mit Flugblättern vor einem Einmarsch der Israelis gewarnt worden sein. Innerhalb von wenigen Wochen, so heißt es in einem Bericht, seien mehrere Siedlungen eingenommen worden. Im Juli rückten Truppen demnach in die Vororte von Gaza-Stadt vor. Mit Beginn des Libanon-Krieges zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück.

Operation „Gegossenes Blei“: Bodenoffensive im Jahr 2009

Zwei Jahre später startete Israel eine erneute Bodenoffensive. „Am 27. Dezember 2008, um 11.30 Uhr, begann die israelische Armee ohne Vorwarnung ein vernichtendes Bombardement des Gazastreifens, dem sie den Codenamen „Gegossenes Blei“ gab. Ziel dieser Operation war das Ende des Raketenbeschusses durch bewaffnete Gruppen assoziiert mit der Hamas und andere palästinensische Gruppen auf Israel“, informierte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht zu der Operation.

Demnach begann Israel am 3. Januar 2009 eine Bodenoffensive im Gazastreifen. Dabei „bezogen Dutzende israelische Panzer an verschiedenen Orten im Gazastreifen Position“, heißt es in dem Bericht weiter. Damals seien Flugblätter „mit der Aufforderung an die Bevölkerung, ihre Häuser und Wohngebiete zu verlassen“, verteilt worden. Am 18. Januar 2009 wurde ein Waffenstillstand von Israel und der Hamas ausgerufen. Israel zog sich aus Gaza zurück.

Bodenoffensive während Operation „Protective Edge“: 2014 drang Israel zuletzt in den Gazastreifen ein

Die letzte große Bodenoffensive Israels im Gazastreifen wurde im Jahr 2014 vollzogen. Dem US-amerikanischen Center for Strategic und International Studies (CSIS) zufolge dauerte der Bodenangriff etwa zwei Wochen. Dabei seien israelische Truppen nur wenige Kilometer in den Gazastreifen vorgedrungen. Der Armeeeinsatz „Protective Edge“ hatte im Juni 2014 begonnen und insgesamt 50 Tage gedauert.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
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Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
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Der Auslöser der Bodenoffensive soll damals ein versuchter Angriff der Hamas über unterirdische Tunnel gewesen sein. Netanjahu sagte damals in einer Pressemitteilung, auf die SZ.de sich damals bezog: Man wolle „das unterirdische Terrortunnelnetzwerk, das in israelisches Gebiet führt“, zerstören. Das Hauptziel seien die Tunnel, sagte demnach auch Naftali Bennett, damaliger Wirtschaftsminister.

Bodenoffensive 2023? Israel besteht auf Evakuierung im Gazastreifen

2023 droht nun erneut eine Bodenoffensive Israels. Hunderttausende Menschen befinden sich auf der Flucht. Israel besteht trotz massiver internationaler Kritik auf eine schnelle Evakuierung von mehr als einer Million Zivilisten im Gazastreifen. Das Militär teilte am Samstag (14. Oktober) mit, für die Einwohner des nördlichen Gazastreifens gebe es bis zum Nachmittag einen sicheren Korridor für die Flucht in den Süden des abgeriegelten Gebiets. Schon am Vortag hatte die Armee alle Zivilisten aufgerufen, sich schleunigst in ein Gebiet südlich des Wadi Gaza zu begeben. Unter der Zivilbevölkerung brach Panik aus. (mbr mit dpa)

Rubriklistenbild: © Ilia Yefimovich/dpa

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