Endspurt der US-Wahl

Trump mit Prognose: Abschiebungen von Migranten wird „blutige Geschichte“

  • VonSimon Schröder
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Donald Trump verstärkt seine strenge Haltung gegenüber illegaler Einwanderung im US-Wahlkampf. Ist seine Strategie der Massenabschiebung so leicht durchführbar?

Washington, D.C. – Migration ist für Donald Trump das wichtigste Thema bei der US-Wahl. Das macht er immer wieder deutlich. Nun hat er angekündigt, dass die Abschiebungen von Immigranten unter ihm als Präsidenten eine „blutige Geschichte“ werde. „Man hätte ihnen niemals erlauben dürfen, in unser Land zu kommen“, sagte Trump am Samstag (7. September) auf einer Kundgebung in Mosinee im Bundesstaat Wisconsin.

Dass Trump eine harte Linie gegen Immigration fährt, ist kein Geheimnis, doch seine Äußerungen vom Samstag stellen eine neue Eskalation seiner Rhetorik dar. Trumps Plan – sollte er im November gegen Kamala Harris gewinnen – sind Massendeportationen illegaler Immigranten. Millionen sollen abgeschoben werden.

Mitte Juli enthüllte der ehemalige Präsident seine Vorstellungen, in welchem Ausmaß die Abschiebungen stattfinden sollen. J.D. Vance, Trumps Vizekandidat, äußerte sich in einem ABC News Interview über die Pläne zur Deportation: „Fangen wir mit einer Million an. Daran ist Kamala Harris gescheitert. Und dann machen wir von dort aus weiter.“

Donald Trump in Charlotte, North Carolina. Der Polizeilobbyverband „Fraternal Order of Police“ hatte Trump ihre Unterstützung zugesichert.

Die Republikaner unterstützen vor US-Wahl Trumps Pläne zur Bekämpfung der Immigration

Und auch die Republikanische Partei unterstützt Trumps Vorhaben. In einem Dokument des „Republican National Committees“ über die Richtlinien Prioritäten der Partei heißt es: „Die Republikaner bieten einen aggressiven Plan an, um die Politik der offenen Grenzen zu stoppen, die einer Flut von illegalen Einwanderern, tödlichen Drogen und Migrantenkriminalität Tür und Tor geöffnet hat.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Weiter soll „jede Grenzpolitik der Trump-Administration wiederhergestellt“ und die Trump-Mauer entlang der US-mexikanischen Grenze fertiggestellt werden, wie Newsweek das Dokument weiter zitiert. Ob Massendeportationen nach Trumps Vorstellungen jedoch überhaupt legal und logistisch umsetzbar wären, ist fraglich. Laut dem Department of Homeland Security und dem Pew Research Center leben um die elf Millionen nicht registrierte Immigranten in den USA. Eine Zahl, die seit 2005 vergleichsweise stabil sei, wie die BBC berichtet.

Probleme mit Trumps Abschiebeplänen nach US-Wahl: Juristische und logistische Hürden

Das Problem: Jeder dieser Immigranten hat das Recht auf ein Gerichtsverfahren, bevor er oder sie abgeschoben werden kann. Und auch logistisch gibt es große Hürden für Trumps Plan. An der Grenze werden zwar auch jetzt schon regelmäßig Menschen abgeschoben, doch im Innland der USA werden nur rund 100.000 illegale Immigranten pro Jahr abgeschoben. „Um diese Summe in einem einzigen Jahr auf eine Million zu erhöhen, wären umfangreiche Mittel erforderlich, die wahrscheinlich nicht vorhanden sind“, äußert sich Aaron Reichlin-Melnick, Direktor des „American Immigration Council“ gegenüber der BBC.

Während Trumps gesamter erster Amtszeit wurden um die 1,5 Millionen Menschen abgeschoben. Unter Präsident Joe Biden sind die Zahlen ähnlich. Bis Februar 2024 wurden unter der Biden-Regierung 1,1 Millionen abgeschoben. Trumps Versprechen, mindestens eine Million Immigranten pro Jahr abzuschieben, scheint bisher zumindest unrealistisch. (sischr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Charlotte Observer/TNS/ABACA