Antisemitismus-Anschuldigungen erfunden
Moderator Steffen Hallaschka über Gil Ofarim: „Belog mich allein zweimal hier in dieser Sendung“
VonNico Reiterschließen
Musiker Gil Ofarim gestand, dass seine Antisemitismus-Vorwürfe gelogen waren. „Stern TV“-Moderator Steffen Hallaschka fühlt sich hintergangen; und befürchtet Konsequenzen.
München – Gil Ofarim gab zu, dass es sich bei den Antisemitismus-Anschuldigungen gegen einen Hotelangestellten um eine Lüge handelte. In der „Stern TV“-Sendung vom 29. November 2023 rechnet Moderator Steffen Hallaschka mit Gil Ofarim ab. Die Sendung hat bereits im Jahr 2021, als der angebliche Angriff stattfand, über den Fall berichtet. Damals wurde der Musiker zum Interview geladen.
Gil Ofarim gab 2021 ein Interview bei Stern TV über seine Anschuldigungen
Der Musiker wurde wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung angeklagt. Gil Ofarim hatte einem Hotelangestellten vorgeworfen, ihn antisemitisch behandelt zu haben. Dieser wies die Anschuldigungen strikt zurück. Im Gerichtsprozess gab Ofarim schlussendlich zu, dass die Antisemitismus-Vorwürfe nicht wahr waren. Die Lüge nimmt Moderator Hallaschka persönlich, „Er belog allein zweimal hier in dieser Sendung mich und damit Sie zu Hause.“
Zweimal hatte der Moderator Ofarim in seine Sendung eingeladen. Bereits am 6. Oktober 2021, sowie am 20. Oktober 2021 wurde der Musiker bei Stern TV interviewt. Als Zweifel an der Validität seiner Aussagen auftauchten, wollte Hallaschka ihm die Möglichkeit geben, seine Anschuldigungen zu relativieren. Das tat er bis zum Gerichtsprozess nicht. Nun muss Gil Ofarim dem beschuldigten Hotelmitarbeiter Schmerzensgeld und 10.000 Euro an zwei Einrichtungen zahlen. Der Richter sieht Ofarims Entschuldigung als wertvoll an.
Stern TV Moderator Steffen Hallaschka fürchtet Konsequenzen
Das größte Problem sieht Hallaschka aber nicht in der Rufschädigung des Hotels oder des Mitarbeiters. Er fürchtet andere Konsequenzen: „Wollen wir wirklich in Kauf nehmen, dass Opfer von sexuellen Übergriffen, von Diskriminierung, von Gewalt überhaupt immer erst dann Gehör finden, wenn ein Gericht die Täter tatsächlich überführen konnte? Wollen wir wirklich in Kauf nehmen, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland unter den Generalverdacht der Lüge geraten, wann auch immer sie eine antisemitische Attacke beklagen.“
Ofarims Lüge dürfe es wahren Opfern nicht noch schwerer machen. „Und wer jetzt auf diejenigen zeigt, die ihm damals Gehör schenkten, sollte bedenken: Schuld an einer Lüge ist allein der, der sie in die Welt gesetzt hat“, stellt der Moderator auch mit Bezug auf die Beschuldigungen an Ofarim‘s Unterstützern klar. Ofarim sei nicht das Opfer, sondern den Täter. „Er missbrauchte das Vertrauen all derer, die sich zunächst solidarisch mit ihm erklärt hatten“, so der Moderator. Ein weiteres Interview wollte der Sänger nach seinem Geständnis nicht geben.
Viele Prominente haben bereits versucht nach einem Skandal ihre Karriere durch einen Auftritt im Reality-TV wiederzubeleben. Sowohl Pro7 als auch RTL sprachen sich dazu aus, keine Pläne zu haben, Gil Ofarim eine Bühne in ihren TV-Formaten zu bieten.
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