Verzicht auf Zeremonie

Golf und Dinner statt Soldatenbegräbnis: Trump sorgt für nächsten Eklat

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
    schließen

Donald Trump setzt Prioritäten: Der US-Präsident ignoriert eine Militärzeremonie. Dafür zieht es zu einem Golfturnier mit exklusivem Abendessen.

Palm Beach – In den USA ist der Präsident Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Doch das Interesse an seinen Truppen ist bei Donald Trump nicht allzu ausgeprägt. Jüngstes Beispiel: Am Freitag (4. April) ließ er sich bei einer Militärzeremonie in Delaware von seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth vertreten. Offenbar hatte Trump Wichtigeres zu tun, als der Überführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten beizuwohnen, die im März bei einer Übung in Litauen ums Leben gekommen waren.

Tatsächlich begab sich Trump kurz nach Verkündung seiner Zollpläne am sogenannten Tag der Befreiung an einen anderen Ort: Es zog ihn in den Sonnenstaat Florida, um auf seinem eigenen Golfplatz zunächst einmal den Beginn eines dreitägigen Turniers der von Saudi-Arabien unterstützten LIV-Golfserie zu zelebrieren. Anschließend startete er mit einem exklusiven Abendessen ins Wochenende. In seinem Privatklub Mar-a-Lago konnten zahlungskräftige Gäste den direkten Draht zu ihm suchen.

Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump
Donald Trump
Amtseinführung Trump
Grenze zu Mexiko
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump lässt Zeremonie für tote Soldaten sausen – wegen Golf und Dinner

Organisiert wurde der Abend nicht direkt von Trump selbst, sondern von der Lobbygruppe MAGA Inc., einem sogenannten Super-PAC. Nach US-Wahlrecht dürfen diese Gruppen unbegrenzt Spenden sammeln, um Leute aus der US-Politik zu unterstützen – offiziell jedoch ohne sich mit ihnen zu koordinieren. Der Eintrittspreis war gepfeffert: Für einen Sitzplatz wurden laut dem Sender CBS News stolze eine Million US-Dollar (rund 913.000 Euro) fällig.

Bereits zuvor hielt MAGA Inc. solche Abendessen in Mar-a-Lago ab – laut den Portalen Axios und Wired ebenfalls mit einem Preis von einer Million Dollar pro Platz. Am 24. April soll laut CBS News ein weiteres Dinner stattfinden – zwar in Washington, DC, aber zum gleichen Preis. Wer noch tiefer in die Tasche greift, kann sich demnach einen besonderen Status sichern: für 2,5 Millionen Dollar als „Co-Gastgeber“, für fünf Millionen als offizieller Gastgeber des Abends.

Begleitet von seinem Sohn Eric Trump, trifft Donald Trump beim Golfturnier ein.

Trump interessiert sich offenbar nicht für die eigenen Truppen

Trump liebt diese hochpreisigen Dinner. Mit Soldaten, die für die USA ihr Leben lassen, hat er dagegen nicht so viel am Hut. Für Trump sind es eigentlich nur Verlierer und Trottel. Das war auch diesmal nicht anders. Schon nach dem Verschwinden der Soldaten tappte er zunächst völlig im Dunkeln. Bei einer Pressekonferenz im Oval Office gab Trump beiläufig zu, er wisse nichts davon, dass US-Soldaten während einer Übung in Litauen verschwunden seien. Auch verzichtete er damals darauf, sich an die Familienangehörigen zu wenden.

Die vier US-Soldaten gehörten einer Infanteriebrigade an und waren nach einer Übung nicht mehr auffindbar. Das litauische Militär und die Polizei starteten daraufhin eine Suchaktion mit dem US-Militär nach den Truppen, die mit einem Bergepanzer unterwegs waren. Das Fahrzeug wurde schließlich in einem Gewässer auf dem Übungsplatz geortet, der von dichten Wäldern und sumpfigen Gelände durchzogen ist. (cs)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

Mehr zum Thema