Donauhäfen im Ukraine-Krieg

40.000 Tonnen Getreide vernichtet – Frankreich tobt wegen Putin

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Will Kremlchef Wladimir Putin die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben? Angesichts russischer Attacken auf Donauhäfen sind sich Beobachter sicher.

Odessa – Frankreich wirft dem Kreml vor, die globale Ernährungssicherheit absichtlich aufs Spiel zu setzen. Ukrainischen Angaben zufolge vernichteten russische Drohnen in der Nacht zu Mittwoch (2. August) 40.000 Tonnen Getreide. Frankreich warf Moskau vor, „nur seine eigenen Interessen auf Kosten der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu verfolgen“ und die Preise für Agrarprodukte in die Höhe zu treiben. „Russland gefährdet erneut bewusst die globale Ernährungssicherheit, indem es die wichtige Infrastruktur für den Getreideexport zerstört“, teilte das französische Außenministerium laut der Kyiv Post mit.

Die Drohnen beschädigten oder zerstörten Getreidesilos und Lagerhäuser in der südlichen Region Odessa, in der auch Ismajil liegt. Dabei seien 40.000 Tonnen Getreide vernichtet worden, erklärte der ukrainische Infrastrukturminister Oleksandr Kubrakow in Online-Netzwerken. Die Getreide-Lieferungen seien für Afrika, China und Israel bestimmt gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.

Putin bittet Erdogan bei russischen Getreideexporten nach Afrika um Hilfe

Unterdessen haben Kremlchef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan miteinander telefoniert. Erdogan betonte dabei laut seinem Büro die Bedeutung des von der Türkei und der Uno ausgehandelten Getreideabkommens zwischen Russland und der Ukraine. Es sei „eine Brücke für den Frieden“. Es sollten „keine Schritte unternommen werden, mit denen die Spannungen im Russland-Ukraine-Krieg eskalieren“ könnten, erklärte die türkische Präsidentschaft.

Ein durch Drohnen schwer beschädigtes Getreidesilo in der Region Odessa

Putin seinerseits schlug seinem türkischen Kollegen vor, Ankara solle beim Export russischen Getreides an Afrika helfen. „Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Türkei und anderen interessierten Staaten in dieser Frage wurde zum Ausdruck gebracht“, hieß es in einer Erklärung des Kremls.

Russland sabotiert im Ukraine-Krieg die Schwarzmeer-Route für Getreide

Da die Schwarzmeer-Route seit dem Ausstieg Russlands aus dem Getreideabkommen praktisch blockiert ist, gewannen die zuvor eher unbekannten Häfen Ismajil und Reni an der Donau für die weltweite Nahrungsmittelversorgung an entscheidender Bedeutung.

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Bei Russlands Angriffen auf ukrainische Häfen mit Getreidesilos handelt es sich nach Einschätzung von Experten wohl um gezielte Attacken, um die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben. Russland könne durch das Fernhalten des ukrainischen Getreides vom Weltmarkt darauf hoffen, von höheren Preisen zu profitieren, teilte das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington am Mittwochabend mit.

Der Donauhafen Ismajil liegt direkt der Grenze zu Rumänien. Im vergangenen Monat war Russland aus dem Getreideabkommen ausgestiegen, das der Ukraine trotz des Krieges den Transport von Getreide über das Schwarze Meer ermöglicht hatte. (frs mit Material der AFP)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ukrainian Ground Forces/Imago