Großmanöver der Nato

Nato-Manöver „Steadfast Defender“: Allianz probt für Angriff Russlands – mit wichtiger Rolle Emdens

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    VonStefan Krieger
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Der Emder Hafen wird zum militärischen Schauplatz. Im Rahmen eines Großmanövers werden mehrere Frachtschiffe der britischen Streitkräfte erwartet.

Emden – Das Zusammenspiel der Nato-Truppen wird dieses Jahr bei der Großübung „Steadfast Defender 2024“ trainiert. Zehntausende Soldatinnen und Soldaten aus allen 31 Nato-Mitgliedstaaten plus Schweden üben die Alarmierung nach dem Bündnisfall, die Vorbereitung auf den Einsatz, das Verlegen großer Truppenteile in die Einsatzräume und die Abwehr des Aggressors im Gefecht. Wie die Bundeswehr mitteilt, will die Nato zeigen, wozu sie in der Lage ist – „und Russland soll sehen, was es bei einem Angriff auf das Bündnisgebiet zu erwarten hätte“.

Wie der Norddeutsche Rundfunk jetzt mitteilt, sollen im Emder Hafen am frühen Nachmittag (14. Februar) mehrere Frachtschiffe der britischen Streitkräfte festmachen. An Bord haben sie nach Angaben eines Nato-Sprechers rund 600 Fahrzeuge – eine gemischte Kampfbrigade, in der „alles dabei“ sei. Am Donnerstag werden die Panzer aus Großbritannien dann mit Schwerlasttransportern nach Sennelager bei Bielefeld gebracht, bevor sie am Freitag den Treffpunkt in der Nähe von Stettin in Polen erreichen.

„Steadfast Defender“: Emden bei Nato-Übung mit zentraler Rolle

Wie der NDR weiter mitteilt, nimmt der Hafen von Emden eine zentrale Position in dem bevorstehenden Manöver ein. Am kommenden Freitag (16. Februar) ist die Verlegung von bayerischen Gebirgsjägern über Emden nach Norwegen geplant, wo ab dem 5. März eine Militärübung durchgeführt wird.

Nato-Übung „Steadfast Defender“ in Großbritannien: Fahrzeuge und Ausrüstung werden im Sea Mounting Centre auf die MV Anvil Point verladen.

Zusätzlich werden, laut Angaben der Nato, hunderte von Bundeswehr-Kampffahrzeugen erwartet. Auf den niedersächsischen Autobahnen, wie beispielsweise der A2, werden Panzer und andere Militärfahrzeuge zu sehen sein. Unter den Teilnehmenden befinden sich auch Truppen aus Rotenburg-Wümme und Holzminden, die das Transportieren von Einheiten über Polen nach Litauen üben.

„Steadfast Defender“ probt den Ernstfall für die Nato

Mit rund 90.000 Soldaten soll nach Nato-Angaben als Ernstfall ein russischer Angriff auf das Bündnisgebiet geprobt werden. Das Großmanöver dauert demnach bis Ende Mai. Es besteht aus mehreren kleineren Einzelübungen und soll sich von Nordamerika bis hin zur Ostflanke der Nato nahe der russischen Grenze erstrecken.

Den Angaben der Nato zufolge werden 50 Marineschiffe, 80 Flugzeuge und über 1100 Kampffahrzeuge an „Steadfast Defender 2024“ teilnehmen. Das Militärbündnis bereitet sich mit der Übung nach Angaben des Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses, Rob Bauer, „auf einen Konflikt mit Russland und Terrorgruppen vor“.

Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Seit ihrer Gründung am 4. April 1949 hat sich die Rolle des Nordatlantik-Pakts Nato stark verändert. Aus dem Bündnis, das  vorrangig der Verteidigung diente, wurde in den 1990ern eine global eingreifende Ordnungsmacht. Ihren ersten Kampfeinsatz leistete die Nato, deren Hauptquartier sich seit 1967 in Brüssel befindet, im Jahr 1995.
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. 
Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Die Nato-Streitkräfte waren auch im Kosovo-Krieg im Einsatz. Anlass für den Angriff der Nato im Rahmen der Operation „Allied Force“ war die Nichtunterzeichnung des Vertrags von Rambouillet durch den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević (rechts, hier mit dem damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer). Offizielles Hauptziel war, die Regierung Miloševićs zum Rückzug der Armee aus dem Kosovo zu zwingen.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Mit Blick auf eine mögliche Bedrohung durch Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine hat die Nato Tausende Soldaten an ihre Ostflanke entsandt und die umfangreichsten Pläne seit dem Ende der Sowjetunion ausgearbeitet, um die Bündnismitglieder im Ernstfall vor einem russischen Angriff zu schützen.

Im Juni hatte die Nato über deutschem Luftraum bereits das großangelegte Luftwaffenmanöver „Air Defender“ abgehalten. Es war die größte Verlegeübung von Luftstreitkräften seit Gründung der Nato vor fast 75 Jahren. An ihr nahmen 250 Flugzeuge und rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Ländern teil. (skr)

Rubriklistenbild: © Ben Birchall

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