Die Lebensader der Krim bröckelt

„Erlebt ihre letzten Tage“: Kertsch-Brücke auf der Krim soll Ukraine-Angriffen kaum noch standhalten

  • VonSimon Schröder
    schließen

Die Krim-Brücke gilt als Lebensader für Russlands Militär auf der Krim-Halbinsel. Doch die ukrainischen Angriffe haben wohl langfristig Schaden angerichtet.

Krim – Die vergangenen ukrainischen Angriffe auf die Krim-Brücke machen sich wohl bemerkbar. Eine pro-ukrainische Gruppe auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim hatte auf Telegram geschrieben, die Brücke habe mittlerweile strukturelle Schwächen und benötige dringend Reparaturen. „Die Kertsch-Brücke erlebt ihre letzten Tage“, äußerte sich die Atesh-Gruppe, die von der völkerrechtswidrig besetzten Krim aus agiert.

Für Russland ist die Brücke die einzige direkte Verbindung zwischen der Krim und dem russischen Festland. Sollte die Brücke zerstört werden oder einstürzen, würde das die Versorgung der russischen Truppen auf der ukrainischen Halbinsel erheblich erschweren. Deshalb war die Brücke bereits zu Beginn des Ukraine-Kriegs ein strategisch wichtiges Ziel für Kiew. Und die Brücke hat auch symbolische Bedeutung. Als längste Brücke Europas war sie ein persönliches Projekt des russischen Autokraten Wladimir Putins.

Die Krim-Brücke bei Kertsch vor dem Ukraine-Krieg 2019 (Archivbild)

Zwei Angriffe auf die Krim-Brücke im Ukraine-Krieg hinterlassen ihre Schäden

Bei einem Angriff im Oktober 2022 wurde die Brücke bereits erstmals beschädigt. Eine Explosion auf der Brücke löste einen Brand aus, ramponierte zwei Fahrbahnen schwer und die Eisenbahnschienen der Brücke leicht. Zwei weitere Fahrbahnen blieben jedoch vom Angriff unversehrt, wodurch die Brücke auch weiterhin in Betrieb blieb. Die Bombe war auf einen LKW geschmuggelt worden, der die Brücke überqueren wollte.

Bei einem weiteren Angriff im Juli 2023 schaffte es die Ukraine die Brücke erneut zu beschädigen. Zwei Kamikazeseedrohnen der ukrainischen Marine schafften es, diesmal vom Wasser aus, den 145. Pfeiler der Brücke zu demolieren, wie Meduza berichtete. Daraufhin musste die Brücke teilweise aufgrund von Reparaturen geschlossen werden. Erst im Oktober 2023 war die Brücke wieder voll benutzbar.

Wie lange hält die Krim-Brücke im Ukraine-Krieg noch durch?

Diese Angriffe scheinen sich nun jedoch auch langfristig auf die strukturelle Integrität der Brücke ausgewirkt zu haben. „Infolge der erlittenen Schäden sind die strukturellen Elemente der Brücke im Verfall begriffen, was zum Zerbröckeln ihrer Struktur führt“, wie sich die Atesh-Gruppe auf Telegram weiter äußert. Weiter heißt es: „Die Einstellung zu ihrem Zustand wird immer ablehnender, niemand schenkt ihr mehr die gebührende Aufmerksamkeit.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Nachdem die Ukraine die Lebensader der Halbinsel zweimal erfolgreich beschädigen konnte, hatte Russland vor allem die Luftverteidigung – zumindest kurzfristig – deutlich erhöht. Doch mittlerweile soll die Anzahl der Luftverteidigungssysteme Russlands auf der Krim Halbinsel rückläufig sein, „was die Brücke noch verwundbarer macht“. Die Kertsch-Brücke wird vor allem von einem Pantsir-S1 Boden-Luft-Verteidigungssystem vor ukrainischen Angriffen geschützt. Noch ist die Krim-Brücke jedenfalls eine wichtige Versorgungsroute für Russland. Doch das könnte sich im weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs bald ändern. (sischr)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/TASS | Sergei Malgavko

Mehr zum Thema