Vermeintliche Kehrtwende

„Er will sie zurück, jetzt“: Trump verbreitet wirre Theorien um Biden-Rückkehr vor US-Wahl

  • Paul Luka Schneider
    VonPaul Luka Schneider
    schließen

Die US-Wahl 2024 wirft ihre Schatten voraus. Ex-Präsident Donald Trump mutmaßt, dass Amtsinhaber Joe Biden anstelle von Harris doch wieder für die Demokraten antreten will.

Washington, D.C. – Kommando zurück? Wenn es nach Donald Trump geht, ja. Gemeint ist ein Rückzug vom Rückzug der Präsidentschaftskandidatur vom demokratischen Amtsinhaber Joe Biden.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat für die US-Wahl 2024 wetterte auf seiner eigenen medialen Plattform Truth Social: „Wie stehen die Chancen, dass der korrupte Joe Biden, der schlechteste Präsident in der Geschichte der USA, dessen Präsidentschaft ihm von Kamabla (Kamala Harris, Anm. d. Red.), Barack HUSSEIN Obama, der verrückten Nancy Pelosi, dem schlauen Adam Schiff, dem weinenden Chuck Schumer und anderen Linken verfassungswidrig gestohlen wurde, den Parteitag der Demokraten (19. bis 22. August, Anm. d. Red.) platzen lässt und versucht, die Nominierung zurückzuerobern, indem er mich zu einer weiteren Debatte herausfordert.“

Donald Trump: Joe Biden hat vor US-Wahl 2024 „historisch tragischen Fehler begangen“

Trump ergänzte, dass Biden der Meinung sei, dass er mit seinem Rückzug als demokratischer Kandidat für eine weitere Präsidentschafts-Amtszeit „einen historisch tragischen Fehler begangen hat“. Biden habe die Kandidatur „an die Leute in der Welt, die er am meisten hasst, übergeben“. Gemeint ist Bidens derzeitige Vize-Präsidentin Kamala Harris. Nach Ansicht von Trump will Biden das nun rasch rückgängig machen. „Er will sie (die Präsidentschaftskandidatur, Anm. d. Red.) zurück, JETZT!!!“

Donald Trump schießt wieder einmal gegen die Demokraten und beschwört eine Rückkehr von Joe Biden im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur herauf.

Obwohl es unwahrscheinlich bis ausgeschlossen sei, dass Biden darüber nachdenke, „ist es wichtig, diese Aussagen als Teil einer umfassenderen Strategie zur Mobilisierung einer Wählerbasis zu betrachten“, sagte der Politikanalyst Craig Agranoff gegenüber Newsweek.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Einer links-feindlichen Wählerbasis, wie ein weiterer Post von Trump deutlich macht. Nach der Nominierung von Tim Walz als Vize-Präsidentschaftskandidat von Kamala Harris bezeichnete Trump seine beiden Kontrahenten als „radikalstes linkes Duo in der amerikanischen Geschichte“. Eine zutiefst subjektive Einschätzung. Agranoff ist sich sicher: „Letztendlich wird das amerikanische Volk seine Urteile auf der Grundlage von Politik und Leistung und nicht von parteipolitischen Etiketten fällen.“

Nach Biden-Rückzug: Kamala Harris und Demokraten vor US-Wahl 2024 im Aufwind

Eine nicht minder große Rolle für die Wahlentscheidung dürfte die Person spielen, die das Amt der Präsidentin oder des Präsidenten bekleiden soll. Amtsinhaber Biden bestand lange Zeit darauf, für eine zweite Periode zu kandidieren. Nach einigen medialen Patzern, Debatten um seinen Gesundheitszustand und schlechteren Umfragewerten als sein republikanisches Pendant Trump entschied er sich im Juli, den Staffelstab an seine Vize-Präsidentin Kamala Harris abzugeben.

Hat ordentlich Grund zur Freude: Kamala Harris und ihre Demokraten scheinen Kurs in puncto Wahlsieg bei der US-Wahl 2024 zu nehmen.

Offenkundig mit Erfolg. Das Pendel im Rennen um den Platz im Weißen Haus scheint nun wieder in Richtung der Demokraten auszuschlagen. Harris konnte viele Geld-Spenden für den Wahlkampf akquirieren und ist sich auch der öffentlichen Unterstützung einiger Republikanerinnen und Republikaner sicher. Auch die Nominierung ihres möglichen Vize Walz dürfte ihre Umfragewerte nochmals positiv ankurbeln. Erste Daten spiegeln das schon wider: Laut einer neuen Umfrage rechnet mittlerweile eine Mehrzahl der US-Wähler mit einem Sieg von Harris gegen Trump. (pls)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon