Riesen-Rückschlag für Kiew

Himars, Bradley, Javelin: Diese Waffen bräuchte die Ukraine aus den USA

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Die militärischen Hilfen aus den USA an die Ukraine sind plötzlich unsicher. Darunter sind Waffen, die Russland massive Verluste zugefügt haben.

Kiew – Wie geht es im Ukraine-Krieg mit den amerikanischen Militärhilfen weiter? Stellen die USA die Waffen-Lieferungen an Kiew sogar ein, nachdem Donald Trump (Republikaner) den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj öffentlich wie einen Schuljungen dastehen ließ und ihn sogar aus dem Weißen Haus geworfen hat?

Ukraine-Krieg: Stellt Donald Trump die Militärhilfen für Kiew ein?

Laut Zahlen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hatten die Europäer seit Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022 der Ukraine fast 250 Milliarden Euro an militärischen und wirtschaftlichen Hilfen zugesagt. Davon wurden demnach bis zum 31. Dezember 2024 Waffen und Güter im Wert von 132,3 Milliarden Euro geliefert. Die Vereinigten Staaten hatten hingegen Hilfen über 120 Milliarden Euro zugesagt, wovon laut des sogenannten Ukraine Support Tracker bis Ende 2024 rund 114,2 Milliarden Euro bereitgestellt wurden. 

Aktuell liefert Washington laut Spiegel noch Waffen im Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar aus Pentagon-Beständen, die Trumps Vorgänger Joe Biden (Demokraten) Selenskyj zugesagt hatte. Aber: Versiegt der Nachschub anschließend, weil Trump im Zuge seiner Annäherung an das Moskau-Regime weitere Militärhilfen stoppt? Bislang ist das noch Spekulation. Die Waffen, die betroffen wären, haben der Invasionsarmee aus Russland zumindest herbe Verluste zugefügt. Drei Beispiele.

Die USA hatten der Ukraine etliche Himars-Mehrfachraketenwerfer geliefert (Symbolfoto). Was unter Donald Trump ausgeschlossen ist?

Himars-Mehrfachraketenwerfer: Ukrainische Armee ist von Militärhilfen der USA abhängig

  • Himars-Mehrfachraketenwerfer: Laut Website des United States Department of State, also des US-Außenministeriums, haben die Amerikaner den Ukrainern mehr als 40 High Mobility Artillery Rocket Systems bereitgestellt. Die ukrainische Armee griff mit den hochpräzisen Mehrfachraketenwerfern russische Munitionsdepots, Truppenunterkünfte und Flugabwehrbatterien an - unter anderem mit den mächtigen ATACMS-Raketen. Laut der Open-Source-Intelligence-Website Oryx wurden mittlerweile (Stand: 2. März 2025) fünf M142 Himars zerstört oder schwer beschädigt. Ersatzteile, Munition und Waffentechnik - die ukrainischen Streitkräfte sind bei diesem Waffensystem von den USA regelrecht abhängig.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukrainer halten mit amerikanischen Bradleys Wladimir Putins Panzer auf

  • Bradley-Schützenpanzer: Ihre 25-mm-Maschinenkanone M242 Bushmaster ist gefrüchtet unter den russischen Truppen. Die Ukrainer hatten laut US-Außenministerium „mehr als“ 300 Bradley-Schützenpanzer bekommen. In Sozialen Netzwerken gingen Videos rum, wie ukrainische Bradleys große russische Kampfpanzer T-90 mit ihren Maschinenkanonen regelrecht abschossen. Im Donbass hielten einzelne Bradleys bei Awdijiwka und Pokrowsk ganze russische Panzer-Kolonnen auf. Die „Bradleys“ veranschaulichen somit auch das ganze Dilemma für Kiew, während Kreml-Autokrat Wladimir Putin seine russischen Soldaten teils mit uralten Waffen in die blutigen Gefechte schickt.
Ukrainische Soldaten mit einem Bradley-Schützenpanzer aus US-Rüstungsproduktion.

Verluste im Ukraine-Krieg: Russen können die Javelin nicht verteidigen

  • Javelin-Panzerabwehrwaffe: Trump motzte Selensky im Oval Office an: „Obama (Ex-Präsident Barack Obama, d. Red.) hat euch Bettlaken gegeben, ich habe Javelins geschickt.“ US-Behördenangaben zufolge sollen es 10.000 solcher Panzerabwehrraketen gewesen sein, die, einmal abgefeuert, quasi nicht zu verteidigen sind. Vor dem Infrarotsuchkopf gibt es quasi kein Entkommen, die 8,4-Kilogramm-Tandem-Hohlladung verursacht schwere Schäden. Hinzukommt die einfache Bedienung: Ein einzelner Soldat kann die insgesamt 11,8 Kilogramm schwere Waffe schultergestützt abfeuern. Dass Trump in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) tatsächlich Javelins geschickt hatte, ist überliefert. Aber: Ist auch mit diesen Waffen-Lieferungen bald Schluss?

Waffen-Lieferungen im Ukraine-Krieg: Wie geht es unter Donald Trump weiter?

Das „heute journal“ des ZDF ordnete in einer Analyse ein, dass die Ukrainer nicht zuletzt auch bei der militärischen Gefechtsaufklärung auf die Amerikaner angewiesen sind. Das heißt: Um zu erkennen, wo sich russische Verbände bewegen. Fraglich ist, inwieweit die Europäer Lücken bei US-Waffensystemen schließen könnten, indem sie diese bei den Vereinigten Staaten kaufen und an die Ukraine übergeben. So hatten zum Beispiel Deutschland, die Niederlande und Rumänien amerikanische Patriot-Luftverteidigungssysteme an die Ukraine geliefert oder dies zuletzt angekündigt. Nicht nur in Kiew geht derweil das bange Warten auf Trumps nächsten Schritt weiter. (pm)

Rubriklistenbild: © Montage IPPEN.MEDIA / IMAGO / TT / ZUMA Press Wire